"Kronjuwelen" der Menschheitsgeschichte

Bonner Ausstellung präsentiert nie zuvor gezeigte Fossilien

Knapp 50 weltbedeutende Vor- und Frühmenschen-Funde aus Afrika, Europa und Asien werden noch bis zum 19. November 2006 in der Ausstellung "Roots - Wurzeln der Menschheit" im Rheinischen Landesmuseum in Bonn ausgestellt.

Viele der bekanntesten Fossilien der Menschenevolution sind am Rhein zu sehen: vom drei Millionen Jahre alten Kiefern-Bruchstück eines ostafrikanischen Vormenschen über den 2,5 Millionen Jahre alten Unterkiefer eines ersten Vertreters der Gattung Homo bis hin zu den ältesten Kunstwerken Europas.

Kostbarkeiten der Wissenschaft

"Beim Einräumen der Vitrinen sind uns oft die Knie weich geworden", bekennen Ausstellungsorganisator Michael Schmauder und Neandertaler-Forscher Ralf W. Schmitz, der seit 1997 im Neandertal Relikte eines weiteren Urmenschen entdeckt hat. So gehört der 1,8 Millionen Jahre alte Schädel eines frühen Homo erectus als Menschen- Stammvater und erster Europäer aus dem Kaukasus ebenso zu den nie zuvor gezeigten wissenschaftlichen Kostbarkeiten wie ein gut 24.000 Jahre altes Kinderskelett aus Portugal.


In der Fachwelt ist weiterhin umstritten, ob das etwa fünfjährige Kind eine Mischung von Neandertaler und dem neu eingewanderten modernem Menschen darstellt und damit ein neues Licht auch auf die heutige Menschheit werfen könnte. Denn nach wie vor wird in der Fachwelt darüber diskutiert, ob wir möglicherweise Neandertaler-Gene in uns tragen. Neue Untersuchungen gehen davon aus, dass der Neandertaler keine genetischen Spuren hinterlassen hat.

Frühe Kunst und Forscher-Fälschung

Kleine Knochenschnitzereien von der Schwäbischen Alb gehören mit rund 30 000 Jahren zu den ältesten Kunstwerken des Kontinentes und dokumentieren die Kreativität des "modernen" Menschen, der gerade eben erst aus Afrika, der Wiege der Menschheit, nach Norden gekommen war. Wie ein Film aus der Altsteinzeit wirkt das auf ein Ren-Schulterblatt gravierte Wildpferd, das einmal in Ruhe und einmal - mit sechs Beinen - im raschen Galopp dargestellt ist.

Für die Selbstironie der Forscher-Zunft spricht in Bonn die Vitrine mit dem "Piltdown-Schädel", der 60 Jahre lang die Fachwelt foppte. Erst vor wenigen Jahrzehnten stellte sich das heiß diskutierte Fossil als dreiste Fälschung eines unbekannten britischen Witzboldes heraus.

Menschheitsgeschichte in 3D

Am Ende der Ausstellung kann der Besucher in einer Videopräsentation sieben Millionen Jahre Menschheitsgeschichte an sich vorüberziehen lassen, die auf eine 3-dimensionale Weltkarte projziert werden: Von den Fundstellen der ersten Affenmenschen in Zentralafrika bis zu den Ausbreitungswegen von Homo erectus und Homo sapiens. Entwickelt wurde diese Präsentation in der Arbeitsgruppe von Prof. Koob an der Technischen Universität Darmstadt (Architectura virtualis) in Zusammenarbeit mit dem Landesmuseum Bonn.

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