Kultische Handlungen

Legendäre Fruchtbarkeitsfeste in Musawwarat

Die Frau als Urmutter des Reiches - ein rein afrikanisches Modell. Den Untertanen in Meroe erschien es völlig natürlich, dass eine Königin auf dem Horusthron saß. Sie vollzog die Zeremonien im Tempel. So oblag es ihr auch, das uralte Ritual der Heiligen Hochzeit auszuführen.

Frauen im Heiligtum Quelle: ZDF

In der Ruinenstadt Musawwarat, unweit von Meroe, graben seit Jahrzehnten Archäologen der Humboldt-Universität Berlin. Sie können nachweisen, dass dort das legendäre Fruchtbarkeitsfest gefeiert wurde. Nach und nach legten die Ausgräber Rampen, Paläste und Heiligtümer frei. Eine riesiger Komplex, an dem acht Generationen von Herrschern bauten. Der majestätische Elefant als Wahrzeichen der Stadt taucht überall an den öffentlichen Gebäuden auf - selbst in den Tempeln. Die Kuschiten verehrten das heilige Tier. Der Schriftsteller Hermann Fürst von Pückler-Muskau hielt die Anlage für das Lustschloss der "Candace", die er sich als "ungemein schöne und lebenslustige Schwarzbraune" vorstellte. Er stand 1837 in den Ruinen von Musawwarat.

Musawwarat Quelle: ZDF

Architektonische Besonderheit

Das Fundfeld gab sein lang gehütetes Geheimnis erst vor wenigen Jahren preis. Die Wissenschaftler stießen auf ein Raumensemble mit einer architektonischen Besonderheit. Einige der Kammern besaßen Fenster, durch die zwar Licht von außen fiel, doch niemand konnte hinein schauen. Der ideale Ort, so die Vermutung von Forschern, um dort die Heilige Hochzeit abzuhalten. In den Boden eingelassene Tontöpfe mit Spuren von Holzkohle sollen beim Reinigungsritual als Dampfgefäß gedient haben.

Dampfreinigungsritual Quelle: ZDF

In den Dörfern nehmen Bräute am Tag vor der Hochzeit noch heute ein Dampfbad aus wohlriechenden Kräutern. Das erotische Graffito an der Südwand des Raumes scheint die Theorie zu bestätigen. Nirgendwo sonst im Land kam Ähnliches zutage. Musawwarat muss ein wichtiges sakrales Zentrum gewesen sein. Die Durchführung der Heiligen Hochzeit gehörte zu den höchsten Pflichten im Staat. Dem Glauben nach garantierte der Akt den ewigen Kreislauf der Natur.





Pilgerinnen aus Alexandria und Rom

Trotzdem verehrte das Volk vor allem die himmlische Mutter, verkörpert durch die Göttin Isis mit dem Horuskind auf dem Arm. Aus einer Tafel mit dem lateinischen Neujahrsgruß "Für unsere Herrin, die Königin" schließen Archäologen: Die Kuschiten glaubten, ihre Regentin sei die irdische Vertreterin der Reichsgöttin Isis. Einmal im Jahr versammelten sich ihre Anhänger in Meroe, wie römische Schriftsteller berichten, um die mächtige Gottheit zu feiern. Pilgerinnen aus Alexandria und sogar aus Rom sollen in Massen zum Fest geeilt sein. In dem berühmten Heiligtum der Isis waren nur Frauen zugelassen. Allein Gott Bes, dem Beschützer der Schwangeren, gewährten sie Zutritt. Die kultischen Handlungen zogen sich nach festen Regeln über viele Tage und Nächte hin.

Ekstatische Feier Quelle: ZDF

Antike Quellen rühmen die "Isiaca" als ekstatische Fruchtbarkeitsfeier, auf der es hoch her ging. Wein, Tanz, Orakelsprüche und Trance gehörten zum Programm der Veranstaltung. Vielleicht mischte sich auch Kleopatra unter die Gäste. Man weiß, dass Kleopatra, als sie Antonius kennenlernte, sich wie Isis kleidete. Nach ihrer Krönung in Ägypten ließ sich die Pharaonin sogar als "neue Isis" anbeten. Denkbar, dass sie ihre schwarzen Schwestern nachahmte. Unter der Ptolemäerin erreichte der Isis-Kult in Ägypten eine völlig neue Dimension.

Ungelöste Fragen

Vor knapp 200 Jahren begannen die ersten Ausgräber, die Geschichte der schwarzen Königinnen zu erforschen. Doch noch immer stehen ihre Nachfolger vor einem Berg ungelöster Fragen. Die Götterwelt von Kusch - eine Mischung aus ägyptischen und schwarzafrikanischen Himmelswesen, die das Volk in monumentalen Tempeln verehrte. Funde belegen: Die Regenten pflegten Handelsbeziehungen weit über die Grenzen des Reiches hinaus.

Kriegerin aus Schwarzafrika Quelle: ZDF

Grundlage der Gesellschaft bildete die Einheit von Mann und Frau - als ideologisches Konzept eines gesunden Staates. Über Jahrhunderte hielten die Kandaken das Szepter fest in der Hand. Charismatische Powerfrauen, die sogar als Gottköniginnen Karriere machten. Als Verkörperung von Isis führten sie das Reich in die Unabhängigkeit, zu Wohlstand und kultureller Blüte. Und lehrten die Weltmacht Rom als kluge und mutige Kriegerinnen das Fürchten.

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