Kulturrevolution in China

Gefahr für den Zen-Buddhismus

Kanton, das heutige Guangzhou, ist eine der modernsten Städte Chinas. An diesem Ort betrat "Wushu"-Begründer Bodhi-Dharma zum ersten Mal chinesischen Boden. In der südchinesischen Hafenstadt begann der Siegeszug des Zen-Buddhismus.

In Kanton lebt auch die Familie der ehemaligen chinesischen Kung-Fu Landesmeisterin Wu Meiling.

Von Generation zu Generation

Mit ihrer Mutter ist sie auf dem Kräutermarkt verabredet. Frau Wu ist 81 Jahre alt, eine Meisterin des Kung-Fu und zugleich versiert in traditioneller chinesischer Medizin. Der Qingping-Markt von Kanton ist berühmt für die Vielfalt seiner Heilkräuter. Heilwissen, das von Generation zu Generation weitergegeben wird. Lange hat die Familie nicht mehr vereint um den Tisch gesessen. Es gibt viel zu erzählen. Das Thema: natürlich Kung-Fu. In ihrer Jugend fuhren Meilings Eltern über Land und traten als Kung-Fu-Lehrer auf. Sie hatten sogar eine eigene Schule.

Doch dann kam das Jahr 1966. Im Machtkampf mit dem Zentralkomitee entfesselte Mao den Sturm der Kulturrevolution. Maos junge Helfer sagten allem, was alt war, den Kampf an. Auch der uralten Tradition des Kung-Fu. Sie galt als bürgerlich, zersetzend, gefährlich. Meilings Mutter erzählt, wie Rotgardisten ins Haus stürmten und sie zwangen, ihr Familienporzellan zu zerschlagen. Alle Bilder und Kalligraphien wurden vernichtet. Meiling fragt, wie ihre Eltern trotzdem trainieren konnten. Ihre Mutter erzählt von den heimlichen Übungen zu Hause im Dunkeln, mit Essstäbchen als Ersatz für die Waffen und einem Besenstiel anstelle des Speers.

Geheimnisvolle Zeremonie

Erst ein Jahr zuvor hatte die kleine Meiling eine aufwändige und geheimnisvolle Zeremonie miterlebt - die Aufnahme zweier Schüler in die Kung-Fu-Schule. Es sollte die letzte dieser Art sein. Nur wohlhabende Leute konnten sich eine solche Zeremonie leisten. Eigentlich war sie auch schon seit 1949, seit der Gründung der Volksrepublik, verboten. Doch die Familie Wu wagte es trotzdem - heimlich. Denn es ging ihnen nicht allein darum, einen Sport zu lehren. Die Zeremonie schuf ein unauslöschliches Band zwischen Meister und Schüler.

Neue Varianten

Der Meister und die Meisterin waren wie zweite Eltern für die Schüler. Jeder, der in die Schule aufgenommen wurde, musste nach den Regeln der "Familie" leben. Nur wer sich daran hielt, sollte das Geheimnis des Chi erfahren. Rote Schärpen werden den Schülern überreicht als Zeichen der Einbindung in eine verschworene Gemeinschaft. Damit beginnt die Einweisung in die Arbeit mit dem Chi.


Die Schatten der Kulturrevolution reichen noch in die Gegenwart. In Kanton haben die Behörden erkannt, dass Kung-Fu nicht gefährlich, sondern sogar nützlich sein kann. An der staatlichen Sportakademie trainiert die sportliche Kung-Fu-Elite des Landes. Liang Yanhua, die Instruktorin, ist selbst eine ehemalige Schülerin von Meiling. Jeder Meister prägte seinen eigenen Stil. Seine Schüler entwickelten das Gelernte weiter. Immer neue Varianten wurden so erfunden, der Kampfsport immer neu belebt.

Doch hier wird in einer einzigen vorgeschriebenen Weise für Medaillen trainiert. Die Kämpfer werden als Spezialisten in einem Stil ausgebildet. Dass Kung-Fu der geistigen Vervollkommnung dienen soll, wie von Bodhi-Dharma gefordert, spielt keine Rolle. Nur ein Ziel ist gesetzt: Ruhm für die Sportnation China.

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