Kulturvolk oder Kannibalen?

Zwischen Bewunderung und Abscheu für den Volksstamm

Der Volksstamm der Fang, der zuerst von der britischen Ethnologin Mary Kingsley erforscht wurde, stellt heute eine Bevölkerung von über zwei Millionen Menschen und damit in Äquatorialguinea und Gabun einen Großteil der Bevölkerung. Trotz ihrer auf dem Kunstmarkt hochgeschätzten Goldmasken wurden sie in der Vergangenheit als Barbaren und Wilde diffamiert.

Fang-Stammesangehörige Quelle: ZDF

Die Ethnie der Fang wanderte aus Richtung Norden im Verlaufe des 18. Jahrhunderts in die Region des heutigen Äquatorialguinea, Gabun und Kamerun ein und siedelte vor allem am Ufer des Ogowe-Flusses. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde ihre Population auf etwa 800.000 Menschen geschätzt, die in unzähligen Dörfern verteilt den dichten Regenwald bevölkerten. Jeweils eine Großfamilie bildete eine Siedlung, deren Areal sie per Brandrodung im Wald frei gelegt hatten. Yams oder Maniok, dazu die Erträge der Jagd im Regenwald bildeten die Überlebensgrundlage der Fang. Der Stamm war als ausnehmend stolz und selbstbewusst bekannt.

Kulturelles Erbe

Kannibalismus gehörte augenscheinlich bereits seit Jahrhunderten zum kulturellen Erbe der Fang. Gegner, die bei der Eroberung neuer Gebiete getötet wurden, wurden in Teilen verspeist, um sich Jugend und Stärke des Gestorbenen anzueignen. Vereinzelte Fälle von Kannibalismus wurden aus der Gemeinschaft der Fang noch bis zur Wende des 20. Jahrhunderts verzeichnet und selbst 1998 noch behauptete ein spanischer Ethnologe, in Geheimgesellschaften würde der Verzehr von Menschenfleisch rituell praktiziert.

Die Fang stellen jedoch keinen Einzelfall einer Ethnie da, in der Kannibalismus betrieben wurde. In vielen anderen Stämmen und Ethnien Zentralafrikas, war dies eine gängige Praxis, deren Ursprünge auf mystische Vorstellungen zurückzuführen ist. Durch das Verspeisen von Herz, Hirn und anderen Organen glaubte man, dass die Kräfte und Eigenschaften der Erschlagenen auf den Verzehrenden übergehen. Bisweilen bezeugte man so auch gegenüber den getöteten Feinden seine Verachtung und sorgte dafür, dass ihre Seelen ruhelos umherirren mussten.

Körperteile Quelle: ZDF

Prominentes Stammesmitglied

Heute bilden die Fang einen Großteil der Bevölkerung Äquatorialguineas, Gabuns und Kameruns. Die Größe der gesamten Ethnie wird heute auf über zwei Millionen Menschen geschätzt. Ihr prominentestes Stammesmitglied wurde der ehemalige Staatspräsident von Gabun, Léon M´ba. Berühmt wurde der Stamm vor allem durch seine kunstfertigen Holzmasken, die zu einem Chiffre für afrikanische Kunst allgemein geworden sind. Auf internationalen Kunstmärkten erzielen Fang-Masken Höchstpreise.

Die Holzmasken der Fang stellten lediglich ein physisches Erinnerungsmal des jeweiligen Ahnen mit einer Wächterfunktion dar und schmückten einen meist aus Baumrinde bestehenden zylindrischen Behälter, in dem dessen Schädel aufbewahrt wurde. Diese sogenannten bieri dienten religiösen und magischen Zwecken und durften nur von eingeweihten, das heißt von den Männern des Stammes geöffnet werden, die bereits den Initiationsritus begangen hatten. Frauen und Kinder hingegen durften den Inhalt der Schachtel weder sehen noch berühren. Nach der Christianisierung der Fang, ging das Wissen um die kultische und mystische Bedeutung der Masken verloren. Sie wurden schließlich nur noch für den Kunstmarkt gefertigt.

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