Kunstform Tai Chi

Der "weiche" Weg zur Gesundheit

In der Öffentlichkeit wird Wushu inzwischen wieder toleriert. Hier im Volkspark können die Kantonesen nun frei ihren Übungen oder einfach nur ihrem Vergnügen nachgehen.

Die Tradition des Wushu droht jedoch in Vergessenheit zu geraten. Viele Meister sind tot oder vertrieben. Nur wenige Alte können noch von ihr berichten. Durch eine ihrer Schülerinnen hat Meiling von einem Meister gehört, der im Volkspark Übungen abhält. Es ist nicht schwierig, ihn zu finden. Trotz seiner 90 Jahre sammelt Man Lam Fok, so sein Name, immer noch eine beachtliche Schar von Neugierigen um sich, wenn er seine Kunst vorführt.

"Innere Schule"

"Tai Chi" nennt der Meister seine Kunst. Sie wird die so genannte "innere Schule" des Wushu genannt und trainiert mehr den Geist als den Körper. Während Kung-Fu den Körper zur unbesiegbaren Waffe macht, lehrt Tai Chi den "weichen" Weg zur körperlichen und geistigen Gesundheit. Ein handgeschriebenes Büchlein enthält Man Lam Foks Heilmittel gegen Krankheiten und einfache Wehwehchen: Suppe aus Rinderhirn gegen Kopfschmerzen; klein gehackten Ingwer gegen Knieschmerzen; den Rindensaft eines bestimmten Baumes gegen Augenschmerzen.

Woher er das wisse? Jeder Wushu-Meister müsse sich auch in traditioneller chinesischer Medizin ausbilden lassen. Auf dem Lande, in den kleinen Dörfern könne man dies am besten. Er kenne da jemanden, von dem man etwas über die Medizin des Wushu lernen könne. Dann fährt Man Lam Fok fort mit seinen Übungen. Ist den neugierigen Zuschauern wohl bewusst, dass mit seinem Tod wieder ein Stück Kung-Fu verloren gehen wird?

Konzentration auf den Pulsschlag

In der Umgebung Kantons hat sich der Rhythmus des Lebens in den letzten 1500 Jahren kaum verändert. Der Meister heißt Zhao Jiang und ist ebenfalls bereits an die Neunzig. Seine besondere Fähigkeit ist die Pulsdiagnose. Jeder im Dorf lässt sich nur von ihm behandeln. Werden wir hier mehr über das Chi erfahren?


Nur durch die Konzentration auf den Pulsschlag kann Zhao Jiang Meiling etwas über den Zustand der inneren Organe des Patienten sagen. Er kann den Leberpuls fühlen, meint er. Am linken Arm könne er auch den Zustand des Herzens und des linken Lungenflügels messen. Am rechten Arm höre man die rechte Lunge, den Dickdarm und die Milz. Ein unregelmäßiger Pulsschlag verrät Zhao Jiang, ob die Organe krank oder anfällig sind.

Gesundes Gleichgewicht

Ob er denn wisse, welche Heilkräuter gegen bestimmte Krankheiten einzusetzen und wie sie zuzubereiten sind? Ein guter Wushu-Meister beherrscht auch das. Denn zum Kämpfen gehört mehr als nur Training, die chinesische Medizin ist mindestens ebenso wichtig. Ziel ist es, so Zhao Jiang, den Körper im "Tai Chi", im gesunden Gleichgewicht zu halten.

"Tai Chi", so nennt sich der Kreis, in dem Yin und Yang sich ausgleichen. Er repräsentiert die Vereinigung der Gegensätze, die höchste Harmonie. Dieser Kreis spiegelt sich in den Energiebahnen wider, in denen das Chi durch den Körper fließt. Bei der Akupunktur werden diese Bahnen an bestimmten Punkten stimuliert.

Nicht nur durch die Idee des Chi hat das Wushu eine Verbindung zur traditionellen Medizin. Über das Schriftzeichen "Wu" für Kampf sowie für Schamane sind beide miteinander verwandt. Nach Meinung von Experten wurden die Formen des Wushu ursprünglich aus Schamanentänzen entwickelt. Die Kombination von Heilwissen und Kampfkunst hat Zhao Jiang so erstaunlich jung gehalten. Doch werden kommende Generationen noch seine Künste lernen?

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