Kunsthandel mit Repliken

Dank Gilliéron weitere Kopien minoischer Kunstwerke

Der Schweizer Künstler Emile Gilliéron ist für Arthur Evans zu einer Schlüsselfigur geworden. Geschick und Kunstfertigkeit haben ihn unersetzlich gemacht. Er restauriert nicht nur für Evans Fresken für die Wände des Palastes. Zusammen mit seinem Vater betreibt er ein höchst lukratives Nebengeschäft.

Gefälschte Minoische Kunstwerke Quelle: ZDF

Minoische Kunstwerke haben ihren Weg in die großen Museen gefunden. Sean Hemingway, der Enkel des großen Schriftstellers ist heute Kurator am Metropolitan Museum in New York. Er hat eine Kollektion von Schätzen aus dem Archiv des Museums zusammengestellt. Doch es sind keine Originale.

Großes Interesse an Gilliérons Repliken

Die Gilliérons stellen Kopien bedeutender antiker Funde her und vertreiben sie erfolgreich über die deutsche Firma WMF an Sammler und Museen. Sie bieten die Ware über einen Katalog an: ein Stierkopf zum Beispiel kostet 1911 300 Reichsmark. Die meisten großen Museen kaufen die Repliken und stellten sie auch aus. Sie sind perfekt bearbeitet und sehen nach echtem Elfenbein aus.

Fresko Jüngling kämpft mit einem Stier Quelle: ZDF

Für Arthur Evans löst Emile Gilliéron weitere Rätsel: Er sieht einen Jüngling, der mit einem Stier kämpft. Der packt den Stier bei den Hörner und nützt die Kraft des wütenden Tieres um sich auf seinen Rücken zu schwingen und davon wieder sicher zur Erde. Evans kennt den Jüngling bereits als kleine Elfenbeinstatuette, die 1902 in Knossos gefunden wurde. Die einzige Elfenbeinfigur, die Evans selbst gefunden hat und die einzige, von der man weiß, dass sie authentisch ist.

Sonderanfertigungen möglich

Nicht alle Replikas verkaufen die Gilliérons durch den Katalog. Wer das Geld hatte, kann auch Sonderanfertigungen ordern. Das Metropolitan Museum kauft von Gilliéron 1920 eine herrliche Kopie des Stier-Springers. Die Figur zeigt die Gilliérons auf der Höhe ihrer Kunst. Er ist aus Gips, sieht aber so aus wie Elfenbein.

Gips-Kopie eines Stierspringers Quelle: ZDF

Es gibt zu viele Menschen, die in Knossos arbeiten. Und Knossos ist zu groß, um bei Nacht bewacht zu werden. Zwar wird der Handel mit Fundstücken hart bestraft. Aber es geht um viel Geld: Auf diese Weise, glaubt man, finden minoische Kunstwerke ihren Weg zu Sammlern und Museen. Das ist auch für Evans eine Erklärung für das Auftauchen einer Elfenbeinstatuette im Royal Ontario Museum in Toronto. Das Museum hat sie 1931 erworben.

"Lady of Sports"

Die Elfenbeinstatuette sieht aus, als wäre sie gerade dem Fresko mit dem Stier-Springer entstiegen. Sie ist die Figur, die mit ausgestreckten Armen hinter dem Stier steht und darauf wartet, den Springer aufzufangen. Das Fresko wurde von Evans Konservator Emile Gilliéron restauriert. Das Bemerkenswerte ist ein goldener Schurz. Er ist genau genommen ein Penis-Schutz. Ziemlich unpassend, denn es fällt auf, dass die meisten Elfenbeinfiguren, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts auftauchten, weibliche Personen verkörpern. Evans war auf der Suche nach Darstellungen einer Mutter-Göttin. Deswegen nannte er sie wahrscheinlich auch "Our Lady of Sports" - ein direkter Hinweis auf die Jungfrau Maria.

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