Kupfer-Metropole Arslan Tepe

Herrschaftlicher Palast als archäologisches Langzeitprojekt

Kupfer veränderte die Gesellschaft grundlegend. Eine der frühesten Städte mit gut organisierter Verwaltung und starkem Militär war Arslan Tepe in der heutigen Türkei.

Seit der Jungsteinzeit besiedelt, entwickelte sich der Ort am Euphrat gegen Ende des 4. Jahrtausends vor Christus zur Kupfer-Metropole mit einer großen Produktionsstätte.

Monumentaler Komplex

Vor über zwanzig Jahren begannen Ausgräber mit der Freilegung der prähistorischen Anlage. Sie stießen auf dicke Lehmziegelmauern, Straßen, Kanalisationen und Wohnhäuser. Mittendrin einer der ältesten Paläste der Menschheit. Ein monumentaler Komplex, in dem ein König die Geschicke des aufstrebenden Staates lenkte.

Die Italienerin Dr. Marcella Frangipane leitet das Langzeitprojekt. Die herrschaftliche Residenz ließ die Expertin mit einer aufwendigen Dachkonstruktion vor Wind und Wetter schützen. Labyrinthische Gänge führen zu Innenhöfen, Werkstätten sowie zu Wohn- und Lagerräumen. Auch ein Tempel gehörte zu der Anlage. Die mächtigen Grundmauern lassen vermuten: Das Palastgebäude war wenigsten drei Stockwerke hoch.

Moderne Buchführung

Etwa 2.000 Siegelabdrücke holten die Italiener aus der Erde. Die Stücke waren fein säuberlich gestapelt und nach Motiven geordnet. Darauf abgebildet menschliche Wesen und unterschiedliche Tiere. Mit den filigranen Kartuschen versiegelten die Händler und Beamten Waren, die in den Palast geliefert oder von dort aus verkauft wurden. Das jeweilige Design auf dem Lehm verriet dem Eingeweihten den Absender. Die erste Form der modernen Buchführung.




Wie die Herrscher von Arslan Tepe ihre Macht ausübten, lässt ein Fund erahnen, der zu den Spektakulärsten dieser Epoche gehört. Massive Schwerter aus Metall, die ältesten der Welt. Gefertigt vor über 5.000 Jahren. Ihre Besonderheit: Zum ersten Mal enthielt das Kupfer Anteile von Arsen, das die Schmiede zusetzten. Sie verwendeten die Legierung, um die Klingen härter zu machen. Die Intarsien aus Silber an den Griffen zeigen, welch hohen Stellenwert die Menschen der neuen Errungenschaft zuerkannten. An der magischen Anziehungskraft todbringender Waffen hat sich bis heute nichts geändert.

Raffinierter Trick

Das Experimentieren mit Legierungen ist eng verknüpft mit dem Ort Arslan Tepe. Das Grab eines Herrschers gab verblüffende Beispiele für den Fortschritt in der Metallverarbeitung frei. Unter dem Schutt vergraben lagen diverse Gegenstände aus Metall. Was an der Oberfläche der Objekte wie reines Silber schimmerte, entpuppte sich nach der Analyse als eine gelungene Mischung aus Silber und Kupfer. Die optische Täuschung rührte von einem raffinierten Trick her. Die Handwerker legten ihre Kreationen in Fruchtsäure. Sie löste die äußere Kupferschicht auf, und die Legierung glänzte silbern.

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