Kurze Chronik der Kalifen

Mohammeds Nachfolger führen das Weltreich zu märchenhaftem Glanz

632 nach Christus wird in Medina ein Mann begraben, der die Geschichte Arabiens wie kein anderer verändert hat. Abul Kasim Mohammed Ibn Abt Allah wurde um 570 in Mekka geboren. Er gehört zur Familie der Haschim im Stamm der Quraisch, der damals die Stadt beherrscht und vor allem den Handel mit Syrien und dem Jemen kontrolliert.

Verbreitungskarte des arabischen Imperiums
Verbreitungskarte des arabischen Imperiums Quelle: ZDF

Um 507 - 632Mohammed begründet den Islam
Religiöse Bedeutung besitzt Mekka durch das uralte Heiligtum der Ka'aba, zu dem Araber aus allen Teilen der Halbinsel pilgern. Doch erst die Begründung des Islam durch Mohammed macht Mekka zum Zentrum einer Weltreligion.
Mohammed bezeichnet sich selber als letzten der biblischen Propheten. Seine göttlichen Offenbarungen sind im Koran (Verkündigung) niedergelegt. In ihnen vermischt sich traditionelles Gedankengut (Heiligtum der Ka'aba in Mekka) mit jüdisch-christlicher Überlieferung. Nach Mohammeds Tod entwickelt der Islam (Ergebung in Gottes Wille) unter den Nachfolgern des Propheten (Kalifen ) große Expansionskraft. Er wird neben dem Christentum und dem Buddhismus zur führenden Weltreligion.

Pilgerandrang vor der Kaaba in Mekka
Pilgerandrang vor der Kaaba in Mekka Quelle: dpa

632 - 661Die ersten vier Kalifen
Da Mohammed keinen Nachfolger (Kalifen) bestimmt hat, bricht Streit über die Nachfolge des geistlichen und militärisch-politischen Oberhaupts aus. Abu Bakr, ein Schwiegervater und Vertrauter des Propheten macht das Rennen. Nach seinem Tod (634) folgt Omar, der 644 ermordet wird. Dessen Nachfolger Uthman einem Schwiegersohn Mohammeds ergeht es nicht besser, 656 wird auch er ermordet. Nun fällt die Wahl auf Ali. Er ist mit der jüngsten Tochter von Mohammeds Ehefrau Chadidscha, Fatima, verheiratet, mit der er zwei Söhne hat. Als auch Ali Mördern zum Opfer fällt (661) und in der Folge auch seine Söhne, spaltet sich die islamische Glaubensgemeinschaft. Noch heute verehren die Schiiten Ali und seine Familie.

661 - 750Das Kalifen-Geschlecht der Umayaden herrscht in Damaskus
Im Amt des Kalifen kann sich die Familie des 3. Kalifen durchsetzen. Kein Kalif der Frühzeit des Islam treibt den Aufbau des Reiches so entschlossen voran wie Abdel Malik Ibn Marwan (685 - 705). Er fördert den Ausbau Jerusalems zum dritten großen Heiligtum in der Geschichte des Islam - nach Medina, der Grabstätte Mohammeds, und Mekka, der Geburtsstadt des Propheten. Die Legende entsteht, dass von Jerusalem aus der Prophet Mohammed zur einer Himmelsreise aufbrach. Der Felsendom überragt seitdem den Tempelberg der Stadt, die auch Juden und Christen heilig ist.

Umayyaden-Moschee in Damaskus Quelle: ZDF

Die Umayaden beherrschen von der neuen Hauptstadt Damaskus aus das gewaltige Reich, das die Reiterheere der islamischen Feldherren erobern. Oft übernimmt der Kalif dafür vorhandene Verwaltungsstrukturen der Besiegten. Im Nord-Osten stoßen seine Truppen nach der Eroberung der arabischen Halbinsel in den Kaukasus und nach Persien vor. Im Norden drängten sie die Grenzen des Byzantinischen Reiches zurück. Im Westen überqueren die Reiterheere der Sarazenen die Meerenge von Gibraltar. Sie erobern Spanien und werden erst 732 Bei Tour und Poitiers durch Karl Martell aufgehalten. Umayaden-Sultane herrschen bis 1031 in Spanien.

750 - 892Die Abbasiden-Kalifen verlegen die Hauptstadt nach Bagdad
Ein Putsch beendet die Herrschaft der Umayaden. Das neue Herrschergeschlecht stammt aus Mekka, und geht auf einen Onkel des Propheten zurück. Bagdad, das Geschenk Gottes, heißt die neu errichtete Hauptstadt an der alten Seidenstraße. Auf die ersten arabischen Eroberungsstürme folgt die tief greifende Islamisierung der für den neuen Glauben gewonnenen Gebiete.

Die Verschmelzung uralter Kulturen, von byzantinischen und persischen Elementen in einer großen Stadt prägt Bagdads Blütezeit. 300.000 Einwohner verzeichnet die Metropole in der Mitte des 9. Jahrhunderts. Wissenschaft und Kultur erleben ebenso wie Handel und Wirtschaft einen glänzenden Aufschwung. Der märchenhafte Ruf des Kalifen Harun Al Raschid (786 - 809) ist auch im fernen Frankenreich bekannt. Doch in den Provinzen haben tüchtige Gouverneure und Feldherren das Sagen. Sie bezeichnen sich als Sultane. Allmählich verlagert sich die Macht. Der Kalif in Bagdad ist politisch nur noch ein Schatten seiner selbst.

Arabische Siedlung in Kairo
Arabische Siedlung in Kairo Quelle: ZDF

909 - 1171Ägypten unter den FatimidenÄgypten hat unter der Herrschaft türkischer Offiziere längst weitgehende Unabhän-gigkeit im Kalifen-Reich erlangt. Im Jahr 909 übernehmen ismaelitische Fatimiden die Macht. Ihre Hauptstadt wird Kairo( die Siegreiche) und schon bald beanspruchen die Fatimiden auch das Kalifat. Doch obwohl sie auch in Bagdad Einfluss erlangen erreichen die von den Schiiten unterstützten Herrscher vom Nil nie die Annerkennung der Abbasiden-Kalifen die offiziell in Bagdad noch bis 1258 die Macht besitzen, bis ein Mongoleneinfall Bagdad verwüstet und den letzten Kalifen hinwegfegt. So bleiben die Fatimiden auf Ägypten beschränkt. Sie gründen in Kairo die Al-Azahr Moschee und Universität und machen die Stadt zum neuen Zentrum von Kultur und Wissenschaft.

1171 - 1924Wie es mit der Macht der Kalifen weiter gingIm Jahr 1099 erobern christliche Kreuzritter Jerusalem und richten unter der dort lebenden Bevölkerung ein Blutbad an. Bis 1244 bestimmen die Konflikte mit den Kreuzfahrern auch die Machtverhältnisse auf islamischer Seite. Entschiedenster Kämpfer gegen die Christen ist Salah ad-Din al Aijubi (in Europa Saladin genannt). Saladin bricht im Auftrag türkischer Sultane die Macht der Fatimiden in Ägypten und er erobert 1187 Jerusalem zurück. Doch die Herrschaft von Saladins Familie dauert nicht lange. Die Dynastie der Aiyubiden in Kairo endet kurz nach dem Fall der letzten christlichen Bastionen im heiligen Land. Türkische Söldner, Mamluken, übernehmen die Macht in Ägypten.

Spielszene: Kreuzritter Quelle: ZDF

Das Amt und die politisch - geistliche Macht des Kalifats bleibt nach dem Fall Bagdads (1258) in der Schwebe. Als die mächtige türkische Dynastie der Osmanen das Reich Byzanz endgültig zu Fall bringt, Konstantinopel erobert (1453) und die alte Kaiserstadt als Istanbul zur Haupstadt des Osmanischen Reichs macht, beanspruchen die Sultane der Osmanen auch das Kalifat. Entsprechende Legenden helfen den Anspruch zu untermauern. Doch auch das ist Geschichte. 1924 erklärt Mustafa Kemal Atatürk das osmanische Kalifat für abgeschafft. Was bleibt sind der Traum von der Einheit und die Erinnerungen an die große Zeit der Kalifen Bagdads, die glanzvolle, märchenhafte Zeit von 1001 Nacht.

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