Kurze Chronik Indiens

Das Indien des Großen Moguls und der Maharadschas

Islamische Reiterkrieger erobern Indien. Armeen die zum Teil aus Krieger-Sklaven bestehen, unterwerfen die rivalisierenden Fürstentümer des indischen Subkontinents. Ihre Anführer werden die neuen Herren. Unter den Mogulherrschern von Agra beginnt Im 16. Jahrhundert eine mehr als zwei Jahrhunderte währende Blütezeit. Davon zeugt das Taj Mahal, Monument einer unsterblichen Liebe und kostbares Juwel des Welt-Kulturerbes.

Indien Karte mit englischen Handelsniederlassungen
Indien Karte mit englischen Handelsniederlassungen

323 vor ChristusAlexander der Große stirbt auf dem Rückmarsch aus Indien
In wenig mehr als zehn Jahren eroberte der Makedonenkönig in einem einzigartigem Siegeszug ein Weltreich. Nach dem Sieg über die Perser lässt er sein Heer weiter marschieren, um die Grenzen der von Menschen bewohnten Erde zu erkunden. Nach einem ersten Sieg im Tal des Indus rüstet er für den Zug nach Süden. Sein Heer meutert. Alexander wird zur Umkehr gezwungen. Doch er lässt einen Statthalter zurück.

321 - 232 vor ChristusChandagupta Maurya gründet das Reich der Maurya
Der Herrscher von Magadha erobert das von den Griechen besetzte Land östlich des Indus und macht Pataliputra (heute Patna) zu seiner Hauptstadt. 268 - 232 herrscht Ashoka, Enkel des Reichsgründers, über ganz Indien. Der erste "Große König" wandelt sich vom grausamen Krieger zum Buddhisten. In Felsinschriften verkündet er seine Friedensbotschaft. Blüte und Aufbau im Inneren des Reiches. Entsendung buddhistischer Missionare in alle vier Himmelsrichtungen. Sein Wappen: Rad der Gerechtigkeit und Löwe. Heute Staatswappen Indiens.

Um 640 - 711Arabische Kaufleute bringen den Islam
Arabische Kaufleute siedeln in den Hafenstädten von Sind. Sie bilden Kolonien und praktizieren ihren neuen Glauben: den Islam. Ab 650 erobern moslemische Araber das afghanische Hochland. Sie kontrollieren ab 711 den Warenverkehr durch das heutige Pakistan in den Süden. Die Ausbreitung des Islam folgt zunächst friedlich entlang der alten Handelsstraßen.

1000 - 1206Afghanische Eroberer, einer von ihnen bleibt
Machmut von Ghazni (971 - 1030) unternimmt von Afghanistan aus insgesamt 17 Raubzüge nach Indien. Er verwüstet den Norden und erbeutet unermessliche Reichtümer. Zerstörung des Tempels von Somnat (Gujarat): 1192 erobert Mahmud von Ghor (in Afghanistan) von Lahore aus den Norden Indiens. Gegen erbitterten Widerstand der eingesessenen hinduistischen Fürsten setzen sich die neuen islamischen Herren in Indien fest. 1206 gründet der Mamluken -Feldherr Qutb-du-Din Aibak das Mamluken-Sultanat von Delhi.

1483 - 1530Der Mongolenfüst Babour begründet die Mogulherrschaft in Indien
Babour, ein Nachfahre Dschingis Khans, besiegt die konkurrierenden indischen Fürsten dank überlegener Waffentechnik. Mit Hilfe schwerer Kanonen erobert er die Sultanstadt Delhi und begründet 1526 die Mogulherrschaft . Babour nennt sich fortan Großmogul von Indien. Der Koh-i-Noor gehört zu seinem Kron-Schatz. Als der portugiesische Entdecker Vasco da Gama 1498 den Hafen von Calicut (Kerala) erreicht, begrüßen ihn Arabische Kaufleute in spanischer und italienischer Sprache: " Willkommen, viele Rubine, viele Smaragde. Danket Gott auf Knien, dass er euch in dieses Land gebracht hat, wo es so viel Reichtum gibt". Ab 1510 residiert in Goa ein portugiesischer Vizekönig.

1510 - 1664Europäische Handelskompanien fassen in Indien Fuß
Nach den Portugiesen gründen Engländer (1600, Britische Ostindiengesellschaft ), Holländer (1602, niederländische Ostindiengesellschaft ) und Franzosen (1664, französische Ostindiengesellschaft ) Handelsniederlassungen auf indischem Boden. Als Fremde und Händler besitzen sie im Kastenwesen einen eigenständigen Rang. Es gelingt den Fremden, von den Machtkämpfen der mächtigen Radschas untereinander zu profitieren und eigene Machtbasen auf zu bauen.

1556 - 1605Großmogul Akbar - religiöse Toleranz und erste Blüte
Akbar unterwirft die rivalisierenden Fürstentümer Nordindiens unter seine Oberherrschaft. Ausländer dienen in seinem Reich und in seiner Armee als Handwerker und Söldner. Der Großmogul fördert die Heirat islamischer Würdenträger mit Angehörigen der Hindu-Oberschicht. Hindus werden zu Führungspositionen zugelassen. Unter Akbar und seinen Nachfolgern beginnt eine Zeit der religiösen Toleranz. Sein Sohn, Großmogul Jahangir (1605 - 1627), setzt die erfolgreiche Politik seines Vaters fort. Er festigt und vergrößert durch siegreiche Kriege das Mogulreich. Ihm folgt sein Sohn Shah Jahan.

1627 - 1658Shah Jahan setzt seiner Liebe ein Denkmal
Sein Name und Ehrentitel bedeutet: Herrscher der Welt. Unter Shah Jehan erreicht das Mogulreich die Blüte seiner Macht. Hauptstadt ist Agra, im Norden Indiens am Fluss Yamuna gelegen. Seine Residenz: Das rote Fort, ausgebaut zur mächtigsten Festung Indiens. Unter Shah Jehan erleben indo-islamische Künste und Handwerk großen Aufschwung. Für seine Lieblingsfrau, Mumtaz Mahal, die bei der Geburt ihres 14. Kindes stirbt, lässt der Herrscher eines der bedeutendsten Bauwerke der Welt errichten: Den Taj Mahal. Nach elf Jahren Bauzeit wird er vollendet (1643). Doch das Architektur-Wunder verschlingt buchstäblich den Reichtum und Wohlstand des Landes. Vom eigenen Sohn entmachtet, stirbt Shah Jehan 1666 nach achtjähriger Gefangenschaft im roten Fort von Agra. Unter seinen Nachfolgern setzt der Niedergang des Mogulreiches ein.

1618 - 1707Großmogul Aurangzeb - siegreicher Kriegsherr verspielt das Reich
Der als Feldherr erfolgreiche Großmogul beendet die Zeit islamischer Toleranz und verprellt als sunnitischer Hardliner viele seiner dem Hinduismus anhängenden Radschas. 1640 schickt der englische König (Jakob I.) Sir Thomas Rowe als Agenten nach Indien. Rajputen und Marathen wenden sich von der Zentralregierung ab. Das Mogul-Reich zerfällt. Auf dem Papier besteht es noch bis 1857, als die Engländer die Macht in Indien übernehmen.

1739 - 1765Neue Eroberer - altes Spiel
Der iranische Herrscher Nadir Shah erobert Nord-Indien. Er besetzt Delhi und richtet unter der Bevölkerung ein Blutbad an. Nadir Shah lässt unermessliche Schätze nach Persien abtransportieren, Darunter den kostbaren Diamanten, den er Koh-i-Noor, "Berg des Lichts", nennt. Die Europäer mischen sich immer stärker in die indische Innenpolitik ein und geraten auch untereinander in Konflikte. 1763 ziehen sich die Franzosen nach militärischen Niederlagen gegen die Briten aus Indien zurück. 1765 besiegen englische Truppen und ihre Verbündeten die Armee des Großmoguls. Robert Clive, ein Offizier der britischen Ostindiengesellschaft übernimmt als Gouverneur im Namen des Moguls die politische Herrschaft in Bengalen. Der Großmogul verleiht ihm die "Diwani", das Recht ziviler Regierung und Steuereinnahme.

1765 - 1850Ein Konzern übernimmt ein Kaiserreich
In fortwährenden Kriegen erweitert die britische Ostindiengesellschaft ihren Machtbereich. Sie zieht die Steuerschraube an und erlässt Gesetze mit deren Hilfe sie das Erbe verstorbener Radschas einziehen kann. Aufstände erschüttern das Land. 1843 annektiert der Konzern die Provinz Sind. Die Sikhs erheben sich. Englische Truppen besiegen den"Löwen von Panjab", Ranjid Singh. Bei der Plünderung von Lahore fällt den Siegern 1849 auch der einzigartige Diamant, genannt "Koh-i-Noor" in die Hände. Er wandert als Geschenk in die Schatzkammer der britischen Königin im Tower von London.

1857 - 1858Aufstand und Ende der Moguldynastie
Eine Meuterei indischer Regimenter im Norden weitet sich zum Aufstand aus. Der Großmogul wird zum Aushängeschild des Widerstands gegen die Fremdherrschaft. Mit Hilfe von Sikhs und Gurkhas aus dem Süden wird der Aufstand niedergeschlagen. Das bedeutet zugleich das Ende des Mogulreiches. Der abgesetzte letzte Großmogul stirbt im Exil. Die Maharani von Janshi wird zur Heldin. An der Spitze ihrer Soldaten leistet die Maharani Widerstand gegen die Enteignung durch die ostindische Kompanie. Ihr Kampf erregt auch in Europa Aufsehen. Das Ende der ostindischen Kompanie ist eingeleitet.

Mahatma Gandhi sitzt an einem Tisch mit anderen Personen
Gandhi sitzt an einem Tisch Quelle: ZDF

1877 - 1947Ein Kaiserreich, das nicht zu halten ist
Königin Victoria von England nimmt den Titel Kaiserin von Indien an. Rund 600 Fürstentümer bleiben unter Herrschaft der Kaiserin offiziell weitere 100 Jahre selbständig. Doch den entmachteten Maharadschas bleibt wenig mehr als ihr Geld in Luxus zu verschwenden denn innen - wie außenpolitisch haben die Engländer das Sagen. Der sagenhafte Reichtum der Maharadschas bestimmt zwar weitgehend das Bild, das viele Europäer sich von Indien machen, doch die Zukunft des Subkontinents wird nicht durch die Maharadschas bestimmt. Mahatma Gandhi (1869 - 1948) gibt die Richtung vor. Als Indien 1947 selbständig wird wählt die neue Regierung Ashoka zum Ahnherren und Vorbild, den ersten "Großen König" Indiens.

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