Kurzer Triumph

Pompeji versinkt in Schutt und Asche

Gaius muss sich verpflichten, nach seiner Wahl den Magistrat geschickt zu beeinflussen und seine neuen Freunde zu begünstigen. Ein einmaliges Angebot, das der korrupte Adlige nicht ablehnen kann.

Die ungeordneten Zustände in der Verwaltung werden ihm die Sache leicht machen - davon ist Gaius überzeugt. Zum ersten Mal im Leben muss der Leichtfuß eine eigene Entscheidung fällen. Und dafür die Verantwortung tragen. Der ehrgeizige Scaurus oder die mächtige Architekten-Mafia? Von wem soll er sich bestechen lassen? Wer bringt ihm in Zukunft den größten Nutzen?

Noch in der selben Nacht werden die Wahlparolen auf die Mauern gepinselt. Archäologen entdeckten allein 1.500 Inschriften aus dem Jahr 79 nach Christus.




Der große Tag ist da. Ein Jahr dauert die Amtszeit der gewählten Stadträte. Die Liste der Kandidaten ist kurz. Eine Prognose kann niemand abgeben. Fest steht: Das Rennen machen wieder die begüterten Aristokraten. Nur sie haben das Recht und den Einfluss.

Scaurus Traum zerplatzt

Wie viele Tonscherben werfen die Stimmberechtigten wohl in die Amphore von Gaius Terentius? Stunde um Stunde vergeht, bis auch der Letzte sein Votum abgegeben hat. Auf die Sieger warten große Belastungen. Der Stadtsäckel erhält eine üppige Summe, Pompeji ein Gebäude als Geschenk und das Volk Gladiatorenkämpfe. Scaurus eilt voller Neugier zum Forum. Es kursieren Gerüchte, sein Schützling habe einen Sitz im Rat ergattert. Doch er selbst geht dabei leer aus, Gaius bevorzugt den Freundeskreis der Bauunternehmer. Sie werden seine Wohltaten finanzieren, die mit dem Amt verbunden sind. So bleibt dem Neureichen der Zugang zur besseren Gesellschaft auch weiterhin versagt. Sein Traum zerplatzt wie eine Seifenblase.

Am 1. August 79 nach Christus treten die frisch gewählten Stadträte ihren Dienst an. Noch einmal bleiben die Patrizier unter sich. Die Freigelassenen jedoch geben nicht auf. Um jeden Preis wollen sie die Klassenschranken durchbrechen und die Politik mitbestimmen. Zu Reichtum gekommen, streben sie nach sozialer Aufwertung.

Warnung vom Wahrsager

Nur 23 Tage nach der ersten Sitzung des Magistrats rumort es frühmorgens in Pompeji. Ein leichtes Beben - wie so oft. Ein Wahrsager warnt, ein große Katastrophe stehe bevor. Doch niemand glaubt seinen Worten, hatte er doch das Unglück vor 17 Jahren auch nicht vorhergesehen. Trotzdem lässt sich der weise Mann nicht davon abhalten, seine Prophezeiungen ständig zu wiederholen - sehr zum Ärger der Einheimischen. Aus der Leber, so beteuert er, lese er das bevorstehende Ende der ehrwürdigen Stadt. Ohne sich beirren zu lassen, redet er pausenlos über den nahen Vulkan und seine brodelnden Kräfte.

Noch wähnen sich die Bewohner am Fuße des Hexenkessels in Sicherheit. Der gewiefte Scaurus schmiedet bereits neue Pläne. Um zehn Uhr rieselt der Ascheregen auf Häuser und Straßen. Die hoffnungsvolle Karriere des jungen Gaius ist ohne Zukunft. Seinem Vater ist das gleichgültig. Schwer krank nimmt er seine Umgebung nicht mehr wahr. Um die Mittagszeit des 24. August 79 nach Christus versinkt Pompeji unter der glühenden Lava des Vesuv.

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