Lag Punt im heutigen Eritrea?

Das Cohaito-Plateau im Süden war ein idealer Umschlagplatz

Wenn Eritrea tatsächlich als Punt in Frage kommt, müssten Ausgräber - wie in Marsa Gawasis - auch dort einen Hafen aufspüren, der in die Pharaonenzeit gehört. Der Landesarchäologe von Eritrea, Dr. Yosief Libsekal, versucht schon lange, das Rätsel zu lösen. In einigen Buchten hat er bereits viel versprechende Spuren ausfindig gemacht.

Der Wissenschaftler untersucht auch die Überreste der Handelsstadt Adulis am Ufer des Roten Meers. Wie Athribis entstand der Ort unter der Herrschaft der Ptolemäer, allerdings schon in der Frühzeit ihrer Dynastie. In jener Epoche gingen von dort aus ständig Exporte von Kriegselefanten nach Ägypten. Vielleicht zogen aber schon zur Zeit von Hatschepsut Delegationen ins reiche Eritrea.

Üppige Weihrauchvorkommen

Dass Eritrea mit Punt identisch ist, davon ist Dr. Libsekal überzeugt. Nach seiner Auffassung sprechen vor allem die üppigen Weihrauchvorkommen für seine Behauptung. Die Aromaharzbäume wachsen oben in den Bergen. Sie brauchen eine bestimmte Höhenlage und ein ganzjährig trockenes Klima. Die afrikanische Sorte unterscheidet sich in Wuchs und Rinde eindeutig von der arabischen Variante.

Harz tritt aus Baum aus Quelle: ZDF

Die milchigen Harztränen nannten die Menschen des Altertums "Schweiß der Götter". Die Ernte an den steilen Hängen ist damals wie heute eine Knochenarbeit. Mit einem Schabemesser verletzen die Sammler die Baumrinde an mehreren Stellen, damit der klebrige Saft austreten kann. Etwa zwei Wochen muss die Absonderung aushärten, dann erst wird sie abgekratzt. Die frühe Ausbeute erzielt noch nicht die besten Preise. Durch das wiederholte Öffnen der Wunde aber fließt das Sekret immer leichter und gewinnt an Reinheit. Gegen Ende der Saison beschert der Baum den Eignern dann die gewünschten Topqualitäten. Zwischen Oktober und März erholen sich die Gewächse wieder.

Boomender Export

Bis zum Krieg mit Äthiopien machte sich Eritrea als Großerzeuger des Duftharzes einen internationalen Namen. Dank der exquisiten Ware boomte das Exportgeschäft. Botaniker schätzen, dass in der Ära der Pharaonen noch weit größere Flächen mit den begehrten Nutzbäumen bedeckt waren.

Kaffee-Zeremonie Quelle: ZDF

Das Verbrennen von Räucherwerk gehört zum Alltag der Menschen. Und das seit Jahrtausenden. Das gilt auch für die aufwändige Kaffeezeremonie, die einem Ritual folgt, das von Generation zu Generation überliefert wird. Es gehört vornehmlichen zu den Aufgaben der Frauen, das aromatische Getränk vorzubereiten und bei jedem Familientreffen zu servieren. Auch vor wichtigen Besprechungen im Dorf darf der Mokka nicht fehlen. Der Rauch und der Duft des Harzes, so glauben die Einheimischen, reinigt die Atmosphäre und schafft die Verbindung zu den guten Geistern.

Wie aus dem Bilderbuch

Die Rundhütten in der Savanne des Tieflandes sind ein weiteres Argument, die für die Theorie von Dr. Libsekal sprechen. Eritrea wäre ein Punt wie aus dem Bilderbuch. 40.000 archäologische Stätten bietet das Land. Fast alle sind jedoch noch unerforscht, weil das Geld dafür fehlt. Das paradiesische Gebiet ist eine Traumwelt mit grünen Bergen und weiten Tälern.

Tausende von Elefanten zogen damals durch das Terrain und lieferten Elfenbein in Hülle und Fülle. Leoparden, Antilopen und Giraffen - ein reicher Bestand an exotischen Tieren. Ihre Felle verkauften die Händler in großer Stückzahl an das Land am Nil. Aus dem Hochland kamen nicht nur Weihrauch, sondern auch Myrrhe und das seltene Ebenholz. Das schimmernde Gold spendeten die zahlreichen Flüsse. Eritrea entspricht genau der Vorstellung, wie sie die Ägypter in ihren Hymnen besangen.

Cohaito-Plateau Quelle: ZDF

Schlüssel zum Geheimnis

Auf dem Cohaito-Plateau im Süden liegt vielleicht der Schlüssel zum Geheimnis von Punt. Die riesige Hochebene ist übersät von Monumenten aus der Vergangenheit. Etliche Tempelruinen stehen dort mitten im Niemandsland. Sie stammen aus der Epoche der Könige von Aksum, einer Zeit etwa um Christi Geburt. Die zahllosen geborgenen Keramikscherben legen nahe, dass unter der kargen Oberfläche noch viele ältere Siedlungsschichten schlummern. Eine einzigartige Fundgrube.

Vom Plateau führt ein steiler Saumpfad aus Pflastersteinen in die Tiefe. Befestigt wurde er im Altertum. Über zwei Flusstäler schafft er eine direkte Verbindung zum Hafen von Adulis - eine Schnellstrecke, die Reise dauerte nur drei Tage, im Gewaltmarsch sogar nur zwei. Karawanen strömten aus allen Himmelsrichtungen nach Cohaito. Über Jahrtausende bewährte sich das Areal als idealer Umschlagplatz.

Pfad vom Cohaito-Plateau in die Tiefe Quelle: ZDF

Zentrale Lage

Die herausragende Stellung verdankte der Ort seiner zentralen Lage unweit der Rohstoffregionen. Zudem ließ sich die natürliche Festung Cohaito vor Überfällen gut schützen. Die Einheimischen aus dem Tiefland lieferten Weihrauch, Gold und Elfenbein. Das Ebenholz kam aus den umliegenden Bergen. Wie auf einem Markt konnten die Kaufleute in Cohaito das reiche Angebot sorgfältig prüfen und zum Transport nach Adulis bereit stellen.

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