Land der Sehnsucht

Hoffnung auf Asyl in Italien

Was wurde aus den Westgoten? Im Jahre 408 tauchten sie in Italien auf. Über 100 Jahre zuvor waren sie auf der Flucht vor den Hunnen durch Griechenland und den Balkan gezogen.

Seit vier Jahrzehnten waren sie schon auf Wanderschaft. Mehr als 3000 Kilometer lagen hinter ihnen. Alarich war ihr König. Am Fuße der Alpen in Italien erhofften sie sich einmal mehr ein Asyl, denn der Kaiser brauchte Germanen als Legionäre. Mal kämpfend, mal verhandelnd, waren sie erst durch das Oströmische, dann durch das Weströmische Reich gezogen. Flüchtlinge zwischen den Fronten des geteilten Imperiums. Das ganze Volk der Westgoten, fast 100.000 Menschen, waren auf dem Weg in Richtung Rom. Darunter 20.000 erfahrene Krieger, eine ganze Armee.

Ubi bene, ibi patria

Das Heer hatte viele Schlachten gegen die Römer verloren, aber nicht den Krieg. Die Westgoten waren eine Gefahr für das Imperium. Und doch beliebte es Kaiser Honorius, sie zu unterschätzen. Das sollte sich rächen. Ubi bene, ibi patria. Wo es mir gut geht, da ist mein Heimatland. Und wo konnte es den Westgoten besser gehen, als im Land ihrer Sehnsucht, in Italien. Man schrieb das Jahr 409 nach Christus: König Alarich schickte einen Gesandten zu Kaiser Honorius und ließ ihn fragen, ob sich sein Volk friedlich in Italien ansiedeln dürfte. Er bot ihm die Dienste der Goten an.

Teilhabe und Integration

Rom, die "ewige Stadt". Auch die Westgoten bewunderten die Errungenschaften der römischen Zivilisation, den Wohlstand und das Rechtssystem. All das wollten sie nicht zerstören. Den Germanen ging es um Teilhabe und Integration, sie wollten werden wie die Römer.

Dem Kaiser hatte Alarich angeboten, dass die Westgoten bereit seien, die Grenzen des Imperiums zu verteidigen. Und sie wollten in solcher Eintracht mit den Römern leben, dass man sie für ein Volk halten könne. Sollte aber der Kaiser das Gesuch ablehnen, dann solle eben der Stärkere den Schwächeren vertreiben und der Sieger in Ruhe die Herrschaft besitzen.

Das bedeutet Krieg

Der Kaiser hatte das Gesuch Alarichs brüsk abgelehnt. Die Westgoten waren allesamt Berufssoldaten, bereit, gegen Gold, Getreide und Siedlungsland Rom zu dienen und ihre Waffen gegen die Feinde des Imperiums zu richten. Aber obwohl der Kaiser in Italien über keine nennenswerten Legionen mehr verfügte, lehnte er das Gesuch der Westgoten ab. Er wollte sie nicht in Italien. Hinter den Mauern der Städte fühlte er sich sicher. Das konnte nur eines bedeuten: Krieg.

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