Land der Warlords

Kampf um die Vormachtstellung

Nicht die Angelsachsen passten sich dem Land an. Die Briten übernahmen Sitten und Sprache der germanischen Immigranten. Das ist einmalig für die Zeit der Völkerwanderung.

Genetische Vergleiche zwischen Verstorbenen und Lebenden bestätigen das. Der Molekularbiologe Marc Thomas fand heraus, dass sich die Angelsachsen mit den Briten schnell vermischten. Jüngste Forschungen bestätigen, dass es eine Masseneinwanderung der Angelsachsen gab. Dabei löschten sie die einheimische Bevölkerung nicht einfach aus, wie früher behauptet wurde. Allerdings mussten die britischen Männer als unfreie Knechte unter den neuen Herren leben. Sie übten Gewalt gegen die britischen Männer, doch mit ihren Frauen machten sie Liebe.

So setzten sich auch die Gene der Einwanderer auf der Insel durch. Die Angelsachsen wurden zu den Herren des Landes. Ein weiteres Symbol ihrer Macht ist Redwalds magischer Helm, gefunden in dem Grab von Sutton Hoo. Vorbilder dafür fand man auch in Skandinaven, den "Verbündeten" der Angelsachsen. Spuren auf dem einmaligen Gesichtshelm beweisen: König Redwald muss ihn wohl auch im Kampfe getragen haben.

Bauern und Krieger zugleich

Die eingewanderten Angelsachsen waren Bauern und Krieger zugleich. Immer wenn ihr König sie rief, verließen sie ihre Äcker und Weiden und folgten ihm in die Schlacht. "Bretwalda", den "Weithin-Herrschenden" nannten sie ihren obersten König.

Allerdings galten bei den Angelsachsen schon 80 Mann in Waffen als ein großes Heer. Es bestand aus freien Männern. Sie erhoben die Tapfersten und Edelsten unter ihnen zu Königen. Ein freier Mann unterstellt sich seinem "Schutzherren": Die Gefolgsmänner verpflichten sich, dem König zu dienen, sie geloben, mit ihm in den Krieg zu ziehen und sein Reich zu verteidigen. Dafür verspricht ihnen der König Schutz und Unterhalt. Ein Verhältnis, das auf Gegenseitigkeit beruht. Aus dem germanischen Gefolgschaftswesen der Völkerwanderungszeit entstand das Lehnswesen des Mittelalters. Mehr als ein Jahrtausend wird es die Gesellschaft Europas bestimmen.

Hauen und Stechen

England war ein Land vieler Warlords. Mehr als ein Dutzend angelsächsischer Königreiche zählte man um 600 nach Christus. Einige zuviel. Ein gnadenloser Ausscheidungskampf begann, ein endloses Morden und Hauen und Stechen fand unter den Hooligans der Könige statt. Fair play war noch nicht erfunden.

In der Chronik der Angelsachsen steht: "Ethelfried schlug sich mit Redwald, Edwin mit Cadwallon, Äthelwald mit Cynegils, Oswy mit Penda. Ostanglien kämpfte gegen Nordhumbrien, Wessex gegen Mercia, Kent gegen Sussex. Dann Kent und Sussex gegen die Insel Wight." Tausende Angelsachsen ließen ihr Leben - im Kampf gegen ihre eigenen Brüder. England legte einen langen, blutigen Weg zu seiner Einheit zurück. Ende des 7. Jahrhunderts zählte man immer noch sieben Königreiche.

Inselmentalität

Eines der mächtigsten Reiche, East Anglia, hatte mal König Redwald gehört. In einer Zeit des Umbruchs war er seinem alten Glauben treu geblieben. Damit entschied er sich gegen den Kontinent und für eine Art Inselmentalität, meint der britische Archäologe Carver: "Das war der Schlüsselmoment für die Geburt Europas, zumindest sofern es die britische Insel betraf. Es galt eine schwere Entscheidung zu treffen: Sollen wir mit dem christlichen Machtblock auf dem Kontinent gehen, oder mit den Verbündeten, den Freunden auf der anderen Seite der Nordsee? Eine sehr schwere Entscheidung. In gewisser Weise wurde das nie entschieden, die Briten sind sich bis heute nicht sicher, was das betrifft."

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