Landung auf Mangareva

Insel des Sonnenuntergangs

Seit Wochen ist Tupac Yupanqui auf dem Pazifik mit seinem Gefolge unterwegs. Nur selten hat sich die Sonne gezeigt. Mit flinken Händen angeln die Männer Fische. Sie sorgen dafür, dass jeder an Bord ausreichend zu essen bekommt.

Süßwasser führt die Truppe in hohlen Bambusrohren mit. Die Indios fangen den Regen auf und wringen am Morgen den Tau aus den Tüchern. Außer Fisch stehen gerösteter Mais und Kartoffeln auf dem Speisezettel. Auch Trockenfleisch und Kokosnüsse gehören zum Vorrat. Doch bei allem Mangel an frischem Gemüse berichten die Quellen weder von Skorbut noch von anderen Krankheiten.

Unsichere Navigation

Bei Tag halten sie die Flotte leicht auf Kurs, sie folgen einfach der Sonne. Das Gestirn zieht in den Breiten am Äquator schnurgerade von Ost nach West. Bleibt die Sonne aber im Nebel verborgen, geraten auch die erfahrenen Steuermänner in Zweifel. Zum Glück ist der Mann aus Polynesien dabei. Der Passagier weiß oft Rat, denn er kennt die Route.

Für die Kursbestimmung benutzen sie ein einfaches Instrument - einen Vorläufer des Sextanten. Der Steuermann misst den Höhenwinkel zwischen Horizont und Gestirnen. So kann er wenigstens vage die gewünschte Fahrtrichtung festlegen. Und doch - sie bleiben der Gunst der Götter ausgeliefert. Nachts fehlen den Floßfahrern geeignete Instrumente, da sind sie auf ihr Gefühl angewiesen. Nur die Sterne am klaren Himmel - der Mond , die Venus und das Kreuz des Südens - dienen als Orientierungshilfe.

Der "wahre Entdecker"

Nach vielen Wochen erreichen sie die Südseeinsel Mangareva. Dort machen sie Rast und fassen Proviant. Dann segeln die Söhne der Sonne weiter zur Osterinsel. Und kehren von dort schließlich nach Peru zurück - so die These. Die spanischen Chronisten überliefern nur die Namen Auachumbi und Ninachumbi. Doch der Historiker del Busto deutet Auachumbi als Mangareva. Das tückische Korallenriff vor dem Eiland habe Tupac Yupanqui auf einem der kleinen Flöße mühelos überquert. Del Busto geht sogar noch weiter und nennt den Inka den "wahren Entdecker Ozeaniens".

Die Quellen sagen: "Es war eine von vielen Menschen bewohnte Insel, auf der es großen Reichtum gab." Waren sie in der Heimat des Polynesiers angelangt? Vor Mangareva trägt eine Meerenge den Namen des großen Tupac. Den Aufenthalt auf Mangareva nutzt Tupac Yupanqui für die Instandsetzung seiner Flotte - so die Vermutung. Annehmlichkeiten bot die Insel nicht. Vielmehr aber Gelbfieber und Malaria. Zur Sicherheit schlugen die Söhne der Sonne ihr Lager in den meernahen Höhlen auf.

Alter Inselbrauch

Noch heute - 500 Jahre später - erinnert ein alter Brauch an den Besuch aus Südamerika. Die Insulaner tanzen die Geschichte des mutigen Tupac, der einst mit der aufgehenden Sonne aus dem Osten kam. Mit Flößen sei er gelandet, wie sie die Polynesier nie zuvor gesehen hatten. Die Männer schwenken zweischauflige Paddel - wie sie im Inkareich verwandt wurden. Die Legende vom großen Inka-Fürsten kennt auf Mangareva fast niemand mehr. Die traditionelle Feier - längst nicht mehr als ein Brauch. Nur der Dorfälteste erzählt hin und wieder seinen Landsleuten die abenteuerliche Geschichte - so wie seine Großmutter sie ihm in blumigen Worten überlieferte.

    Insel-Chronist Bartolomeo Takarutu über die Landung des Königs auf Mangareva:
    "König Tupac kam in Begleitung seines Bruders und mit großem Gefolge von Osten. Nach ihrer glücklichen Landung auf Mangareva erbauten sie den Göttern zum Dank zwei Tempel - so genannte Maraes. Mit großen Findlingen und Steinblöcken, wie sie es gewohnt waren. Tupac hat den Bewohnern von Mangareva reiche Geschenke hinterlassen: Kokospalmen und Süßkartoffeln. Eines Tages verließ er die Insel, wie er gekommen war."

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