Landung in der "Neuen Welt"

Mit Pizarro nach El Dorado

Es war nicht gerade die Elite der spanischen Armee, die im Jahre 1532 auf die unbekannte Pazifikküste Südamerikas zutrieb. Unter dem Kommando des Hauptmannes Franzisco Pizarro sammelten sich ausgemusterte Soldaten und Gestrandete der Alten Welt, die außer ihrem Leben nichts zu verlieren hatten.

Pizarro hatte den Waffenbrüdern sagenhafte Goldschätze eines riesigen, unbekannten Reiches versprochen, doch gerade einmal 180 Mann folgten ihm.

Menschenleer anmutendes Land

Bei Túmbes im heutigen Peru betraten die Konquistadoren zum ersten Mal Festland. Tagelang marschierten sie am Ufer des Pazifik, ohne auf Widerstand zu stoßen. Noch wussten sie nicht, wer dieses fremde, menschenleer anmutende Land bewohnte: Kannibalen, gefährliche Krieger oder friedfertige Eingeborene. War "El Dorado", das sagenhafte Goldland, nur ein Hirngespinst des 53-jährigen Francisco Pizarro? Keiner der Spanier bemerkte, dass sie schon seit ihrer Landung ständig von Spähern der Inka beobachtet wurden. Staffelläufer hatten die Nachricht vom Vormarsch der Fremden längst über die Anden in ihre Hauptstadt gebracht.

Das Orakel spricht

In Cusco residierte der Gottkönig der Inka Atahualpa, von seinem Volk als Sohn der Sonne verehrt. Er hatte sich in heilige Höhlen zurückgezogen, um das Orakel zu befragen. Waren die Fremden Krieger, die ihn herausforderten oder Götter, die ihm ihre Aufwartung machten - wie seine engsten Ratgeber vermuteten. Nach einem alten Ritual streute der Priester Cocablätter, um aus ihnen die Zukunft zu lesen.

Was er sah, wurde nicht überliefert, aber Atahualpa war offenbar nicht beunruhigt. Statt die Eindringlinge mit seiner gewaltigen Streitmacht aufzuhalten, ließ er den fremden Trupp weitermarschieren. Aus dem Kriegstagebuch vom 15. Februar 1532: "Die Sonne brennt senkrecht auf unsere Soldaten, die kurz vor der Ohnmacht stehen - soweit das Auge blickt nur Sand und verbrannte Berge."

Versunkene Hochkultur

Doch das öde Hochland war keine unberührte "Neue Welt", wie Pizarro glaubte, es war die Heimat einer versunkenen Hochkultur. Seine Soldaten und er übersahen, dass dort ungeheure Schätze vergraben waren. Die Indios waren Meister der Goldschmiedekunst. Mit Blasrohren heizten sie die Glut in ihren einfachen Öfen an, um das edle Metall zu schmelzen. Gold war für sie das Blut ihres Sonnengottes Viracocha, die Kunst des Schmiedens ein religiöses Ritual. Die unstillbare Goldgier der Europäer war der indianischen Kultur fremd. Mit einfachen Mitteln schafften sie unvergleichliche Kunstwerke. Sie schmückten die Tempel des Sonnengottes und die Grabkammern edler Verstorbener. Unter den Lebenden war es allein dem König vorbehalten, Goldschmuck zu tragen - als Beweis seiner göttlichen Abstammung.

Göttlicher Pizarro

Wie die Vorgänger der Inka-Kultur, die Mochica, glaubten auch die Inka an die Rückkehr eines Schöpfergottes. Er hatte sie der Legende nach über das weite Meer verlassen. Aus der untergehenden Sonne, aus Westen sollte er eines Tages zurückkommen - ein hellhäutiger, bärtiger Gott.

Pizarro kam der Vorstellung recht nahe, doch der spanische Anführer ahnte von alldem nichts: Entschlossen führte er seine Männer durch die scheinbar unberührten Hochtäler der Anden. Doch sie waren umringt von Spionen der Inka. Über Lichtzeichen unterrichteten sie ihren König über jeden Schritt der Eindringlinge. Ungehindert erklommen die Spanier die Pässe der Anden. Atahualpa stellte sie nicht zum Kampf, er wartete lieber ab, denn seine Kundschafter teilten ihm mit, die Fremden seien tatsächlich göttlich, Pizarro sei der ersehnte weiße Gott.

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