Lange Nacht der Urmenschen

Von den Ursprüngen der Menschheit

Die alten Menschheitsfragen nach dem "Woher kommen wir?" und "Wohin gehen wir?" beschäftigen die Menschen gerade in Zeiten der Verunsicherung besonders. Themen wie Klimawandel und Arbeitslosigkeit machen die Diskussion über die Zukunft unausweichlich, gleichzeitig steigt das Interesse für die Vergangenheit.

Jubiläen in Sachen Urmenschen häufen sich und haben stets Eventcharakter. Stand das Jahr 2006 noch ganz im Zeichen des Neandertalers, dessen Leitfossil 1856 im gleichnamigen Tal bei Düsseldorf gefunden wurde, zieht 2007 sein direkter Vorfahr, der Heidelbergmensch, weltweit die Aufmerksamkeit von Fachleuten und Laien auf sich. Seine Überreste wurden am 21. Oktober 1907 in einer Neckarschlaufe bei Heidelberg geborgen. Grund genug für das ZDF, der Entwicklung des Menschen eine "langen Nacht" zu widmen.

Was heißt kulturelle Evolution?

In seiner Sendung "nachtstudio" diskutiert Volker Panzer das Thema "Mensch werden - Was heißt kulturelle Evolution?". Nach der Trennung von den Primaten - vor etwa sechs Millionen Jahren - entwickelte sich der moderne Mensch dermaßen rasant, dass sich mit der gewöhnlichen biologischen Evolution mit genetischen Variationen und natürlicher Selektion, seine ungeheuren kognitiven Fähigkeiten kaum erklären lassen. Immerhin wissen wir heute, dass Affen und Menschen fast 99 Prozent ihres Erbguts teilen. Warum ist es aber nur dem Menschen gelungen, hochkomplexe sprachliche Kommunikation, soziale Gebilde und Hochleistungstechnologie zu entwickeln?

Hat der Homo sapiens überhaupt nur erst mittels der kulturellen Evolution überlebt, während alle anderen Menschenarten ausgestorben sind? Welche neuen Erkenntnisse lassen sich aus dem genetischen Vergleich des Erbmaterials von Affen, Urmenschen und Homo sapiens gewinnen? Was können wir heute über das Zusammenspiel von Genen und Verhalten sagen? Wie hat der Mensch so etwas wie "Kultur" entwickelt? Ist es mittlerweile fraglich, ob man diesen Begriff überhaupt den Homo sapiens allein überlassen darf? Ist es nicht einfach nur eine Frage der Verhältnismäßigkeit, die definiert, ob man auch Tieren "Kultur" zugesteht? Diese und andere Fragen erörtert Volker Panzer mit seinen Gästen in Berlin.

Erstaunliche Forschungsergebnisse


"Der Neandertaler", der erste Film in dieser "langen Nacht der Urmenschen", fasst die erstaunlichen Forschungsergebnisse zusammen, die neue Funde des Altmenschen, vor allem aber auch die Untersuchung der vorliegenden Funde mit neuester Technologie erbrachten. Beispielsweise konnte der Altgeschichtler Ralf W. Schmitz nachweisen, dass der Neandertaler keineswegs der grobe Klotz war, als der er von früheren Forschergenerationen gern dargestellt wurde. An der Originalfundstelle im Neandertal, deren Lage man 150 Jahre lang nicht rekonstruieren konnte, entdeckte er feinste Werkzeuge von wenigen Millimetern Durchmesser.

Der Neandertaler muss also bereits mit sehr fragilen Werkzeugen winzigste Dinge bearbeitet haben. Svante Pääbo, Paläogenetiker aus Leipzig, analysierte erstmals die Zellkern-DNS des namengebenden Fossils, um Aufschlüsse über den Grad unserer Verwandtschaft zum Neandertaler zu erhalten. Auch der Speisezettel des Eiszeitlers ist nun bekannt. Anhand von Isotopenvergleichen mit anderen Lebewesen der Vergangenheit ermittelte Mike Richards die genaue Zusammensetzung des Neandertalermenüs. Aufwändige Inszenierungen illustrieren die neue Sicht der Forschung auf unseren eiszeitlichen Vetter.

Ferne Vergangenheit

Die Frage nach dem "Menschsein" muss aufgrund modernster Forschung also völlig neu gestellt werden: Welche Auswirkungen hatte es, dass in der Eiszeit mehrere Menschenarten in der selben Umgebung lebten? Wie nahmen sie einander wahr? Lernten sie voneinander? Brachte überhaupt erst die Konkurrenz den Fortschritt? Diese Fragen thematisiert die Produktion "Homo sapiens". Der französische Regisseur Jean Jacques Malaterre entführt den Zuschauer durch dichte, emotional aufgeladene Inszenierungen in die ferne Vergangenheit unserer eigenen Art. Erstmals beleuchtet der Filmemacher auch die Evolution der Gefühle. Trennt uns unsere Fähigkeit zu lachen oder zu trauern womöglich mehr von der Tierwelt als unser vielgerühmter Verstand. In großartigen atmosphärischen Bildern erzählt der Film die unglaubliche Geschichte der Menschwerdung von der ersten Träne bis zum ersten Lächeln.

Über zwei Jahre produzierten France 3 und ZDF mit großem Aufwand an internationalen Schauplätzen das Epos "Homo Sapiens". Mehr als 100 Techniker, 200 Schauspieler und Hunderttausende von Reisekilometern waren nötig, um das Dokudrama fertig zu stellen. "Homo sapiens - Das Making of" erzählt die großen und kleinen Geschichten rund um diese außergewöhnliche Fernsehproduktion: von angriffslustigen Straußen, Schneestürmen und Matschmasken, von vorbabylonischer Sprachverwirrung und dem Problem, ein Mammut zu jagen, das es gar nicht gibt.....

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