Langer Weg zum Frieden

Ramses und das Debakel von Kadesch

In der Tempelinschrift nennen sie ihn den "Liebling der Götter" - Ramses II. wird im Jahre 1279 vor Christus Herrscher über Ägypten. Ein gutes Jahrtausend bevor Kleopatra geboren wurde macht er die politische Erfahrung von Krieg und Frieden.

Die Welt des Ramses war freilich ganz anders als die, in die Kleopatra hinein geboren wurde - und auch anders als die, in der seine Vorfahren, die großen Pharaonen, lebten.

Militärischer Aufwand

Sein Herrschaftszentrum hieß nicht mehr Theben oder Memphis - sondern Piramesse. Bei archäologischen Untersuchungen fand man Befestigungen eines riesigen Heerlagers. Warum dieser militärische Aufwand? Schon Jahre bevor Ramses den Thron besteigt, hatte sich die geopolitische Lage Ägyptens nachhaltig verändert. Nubier und Libyer entwickelten sich zu ernstzunehmenden Gegnern.

Mit der von Wüsten und Meer geschützten Insellage war es nun vorbei. Und im Osten etablierte sich ein starkes assyrisches Großreich, dessen bewaffneter Arm sich - genau wie das der Hethiter - in Richtung Ägypten ausstrecken konnte. Zusätzlich bedrohten Seevölker die Handelswege auf dem Mittelmeer. Die ägyptische Welt war unsicher geworden.

Neue Kriegstechniken

Ägypten macht mit beim "internationalen Wettrüsten". Neue technische Entwicklungen revolutionierten die traditionelle Kriegsführung. Die Einführung des Streitwagens macht den Krieg schnell und erlaubt es, weite Distanzen zu überbrücken. Mit dieser Technik fühlt sich der junge Ramses stark genug, die feindlichen Hethiter offensiv anzugreifen. Er weiß: Ein Krieg bündelt alle nationalen Energien - und sein Volk verlangt geradezu den nationalen Schulterschluss.

Von seinem Heerlager Piramesse aus macht er sich auf - dem Feind entgegen. Bei Gaza teilt er seine Armee, um in dem kargen Land die Versorgung sicherzustellen. Ein taktischer Fehler wie sich später erweisen wird. Noch bevor sich die Truppenteile wiedervereinigt haben, kommt es bei Kadesch zur Schlacht.

Wendung in letzter Sekunde

Die Hethiter haben Aufstellung genommen - im Schatten der Festung von Kadesch. Der Generalstab des Ramses rückt ungedeckt vor. Erst später soll ein großer Armeeteil folgen - ein Fehler, den sich die Hethiter blitzschnell zunutze machen. Nachdem sie den führerlosen Armeeteil aufgerieben haben, stürzen sie sich auf Ramses selbst. Für den plötzlich bedrängten König ein fast aussichtsloser Kampf, dem erst in letzter Sekunde der herbeieilende zweite Armeetross noch einmal eine Wendung gibt. Das Leben ihres Pharaos können die Ägypter mit Müh und Not retten.

Nach der Schlacht bei Kadesch im 5. Regierungsjahr des Ramses II. schließt er mit Hattusili III. ein Friedensvertrag und in seinem 21. Regierungsjahr ein Beistandspakt. Ramses II. und Hattusili III. standen jedenfalls in bester Beziehung zueinander. Der endgültige Friedensschluss wurde durch die diplomatische Heirat zwischen der ältesten Tochter Hattusili III. und Ramses II. vollzogen.

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