Leben auf dem Pulverfass

Neuseelands Vulkane - Touristenattraktion und Bedrohung zugleich

Im Lauf ihrer Geschichte waren die Neuseeländer stets gezwungen, sich mit den gewaltigen Urkräften auseinanderzusetzen, die unter der Erde für Unruhe sorgen.Tektonische Spannungen entladen sich hier in täglichen Erdbeben. Und zahlreiche aktive Vulkane, die zum Pazifischen Feuerring gehören, prägen die Landschaft auf der Nordinsel.

Ausbruch eines Aschevulkans
Ausbruch eines Aschevulkans Quelle: NHNZ

Die größte Katastrophe in der Geschichte Neuseelands ereignete sich vor über 1800 Jahren: Als der Supervulkan Taupo ausbrach, ging ein Ascheregen über weiten Teilen der Nordinsel nieder und die darauf folgenden Lavaströme verwüsteten ein Gebiet von rund 20.000 Quadratkilometern. Bimssteinablagerungen in den Flüssen und an den Stränden der Nordinsel sind die verbliebenen Zeugen dieser gewaltigen Eruption.

Wo es blubbert und zischt

Heute breitet sich in der Caldera des Supervulkans der größte See Neuseelands aus, der Lake Taupo. Die Neuseeländer haben gelernt, die Hitze aus dem Erdinneren für ihre Zwecke zu nutzen: Geothermische Kraftwerke erzeugen mit dem heißem Dampf aus dem Erdinneren Energie, Thermalpools in vulkanischen Naturparks laden zu entspannenden Bädern ein. Und der südlich des Lake Taupo gelegene Tongariro National Park zieht mit seinen Naturschauspielen - blubbernden Schlammlöchern und sprudelnden Geysiren - zahlreiche Touristen an.

Geysir spuckt Wasserdampf
Geysir Quelle: ZDF

Wo sich große Magmakammern unter der Erdoberfläche verbergen, gibt es aber nicht nur harmlose Geysire, sondern auch gefährliche Vulkane wie den Ruapehu. Dieser unruhige Berg bricht alle paar Jahre aus. Dann schleudert er Gesteinsmassen in die Luft und lässt giftige Aschewolken in den Himmel steigen. Die Asche bedroht Tiere und vergiftet im direkten Umkreis das Wasser der Flüsse. Doch eine noch größere Gefahr geht von Ereignissen aus, die oft durch einen Vulkanausbruch ausgelöst werden: Schlammlawinen, sogenannte Lahare.

Katastrophe am Weihnachtsabend

Der Kratersee des Ruapehu fasst über sieben Milliarden Liter Wasser - ein riesiges Reservoir. In den warmen Kratersee, der durch eine Magmakammer aufgeheizt wurde, zog es einige Neuseeländer immer wieder zum Baden. Niemand dachte an die Gefahr, die in der Tiefe schlummerte. Vor über 50 Jahren, am 24. Dezember 1953, führte ein Lahar am Fuß des Vulkans zur Katastrophe: Er zerstörte eine Eisenbahnbrücke. Der heranrasende Expresszug hatte keine Chance und stürzte in die Schlammfluten. 151 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben.

Schematisch betrachtet passierte dabei Folgendes: Unter dem Vulkan verbirgt sich eine Magmakammer. Sobald der Druck des heißen Magmas zu groß wird, kommt es zur Explosion. Dabei werden Teile des Felsen weggesprengt. Das kochend heiße Wasser ergießt sich über den Berg. Es vermischt sich mit dem lockeren Gestein, dem Schnee und der Lava und schießt in rasender Geschwindigkeit die steilen Hänge nach unten. Auf seinem Weg hinterlässt der Lahar eine Spur der Verwüstung.

Mythen und Legenden

Traditioneller Maori mit Speer im Vulkangebiet vor einem Geysir
Maori in Vulkanzone Quelle: getty images


Schon die Maori waren sich der Bedrohung durch die Vulkane bewusst. Die unheimlichen Kräfte des Erdinneren verwoben sie mit ihren Legenden. Die Vulkanzone auf der Nordinsel galt ihnen als "Schlachtfeld der Götter". In den Seen sammelten sich die von den Kämpfern vergossenen Tränen. Einige Krater wurden als Spuren von Faustschlägen gedeutet, die riesenhafte Wesen in die Erde gehauen hatten.


Viele Naturphänomene Neuseelands haben die Maori in ihre Sagen aus der polynesischen Heimat einbezogen. Diese Mythen und Geschichten erfüllten für die Maori einen wichtigen gesellschaftlichen Zweck: Sie sorgten für Respekt vor den Urgewalten und bewahrten dadurch die Mitglieder der Gemeinschaft vor der Gefahr aus der Tiefe. Der fantastischen "Unterwelt" der Inseln kam dabei eine besondere Bedeutung zu, denn Höhlen galten als Geburtsstätten der Götter. In späteren Mythen wurden sie zum Sitz von Ungeheuern. Damit sollte verhindert werden, dass die Menschen gefährliche Abstiege in die Unterwelt wagten.

Leuchtpunkte der Glühlarven an der Höhlendecke
Glühlarven Höhlendecke Quelle: ZDF

Höhlen mit Firmament

Kalksteinhöhlen sind zahlreich in Neuseeland, das zu weiten Teilen einst Meeresboden war. Sie entstanden über Jahrtausende durch das Eindringen von Wasser in Felsspalten. Der Kalkstein wird porös und höhlt sich mehr und mehr aus. Der im Wasser gelöste Kalkstein fällt an anderen Stellen wieder aus und bildet bizarre Gesteinsformationen. Einige sonderbare Phänomene erinnern noch an die schillernden Mythen der Maori, zum Beispiel in den Waitomo Caves im Westen der Nordinsel, einem ausgedehnten Höhlensystem. Tief im Finstern leuchtet dort ein Sternenhimmel von der Höhlendecke.

Des Rätsels Lösung: Die strahlende Schönheit stammt von den Larven einer Pilzmückenart, Arachnocampa luminosa. Ein leuchtender Stoff, den ein Enzym in ihrem Körper erzeugt, lockt Beute an - fliegende Insekten, die von den Lichtpunkten unwillkürlich angezogen werden. Mit diesem Trick hat es die Larve geschafft, den extremen Lebensraum in ewiger Dunkelheit für sich zu erobern. Die räuberischen Tiere erzeugen einen dichten Vorhang aus klebrigen Fäden, an dem die überlisteten Insekten hängen bleiben. Die Chancen, sich von dort zu befreien, sind sehr gering. Die Insekten stammen aus den unterirdischen Gewässern, von denen die Höhle gespeist wird - eines von vielen einzigartigen Ökosystemen auf Neuseeland.

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