Leben auf der Insel

Vom Schicksal der Seefahrer

Die Inselwelt Polynesiens im Pazifischen Ozean: Wie Juwelen fügen sich unzählige Atolle und Inseln zum viel beschriebenen Paradies der Südsee. Obwohl Seefahrer viele andere Teile der Erde längst besiedelt hatten, blieb diese Gegend aufgrund ihrer Unüberschaubarkeit und ihrer Gefahren lange Zeit menschenleer.

Wie konnten Menschen diese Welt erobern? Welch ungeheurer Mut muss sie beseelt haben, mit ihren Booten ohne Kompass und Karten in See zu stechen und hinter den Horizont zu segeln? Es war ein Aufbruch ins Ungewisse.

Besiedlung von Westen aus

Die Besiedlung Polynesiens begann im Westen und wurde in drei großen Wanderungswellen vollzogen. In der Vorzeit kamen Siedler aus Asien über Australien und Neuguinea in die Südsee. Dann wurden die Salomon- und Fidschi-Inseln entdeckt, später Samoa und Tonga besiedelt. In den ersten tausend Jahren unserer Zeitrechnung erreichten die Seefahrer nach und nach fast alle Inseln des so genannten "Polynesischen Dreiecks".

Nomaden der Südsee, nannte man die Abenteurer. Sie schienen einzigartige Kenntnisse in Bootsbau und Navigation zu besitzen. Auf ihren Expeditionen in unbekannte Welten führten sie alles mit, was ihr Überleben sichern sollte: Samen und Wurzeln wertvoller Pflanzen, aber auch junge Frauen. Keiner wusste, ob sie zurückkehren würden.

Isolation statt Tauschhandel

Die Insel Taumako gehört zu den Salomon-Inseln. Auf den ersten Blick wirkt sie wie ein kleines Paradies. Stammesoberhaupt ist der 90-jährige Chief Koloso Kaveia, ein ehemals bekannter Navigator. Aus den Seefahrern von einst sind Menschen in unfreiwilliger Isolation geworden. Nur einige Jugendliche finden hier Arbeit. Die anderen müssen ihre Heimat verlassen. Denn abseits des Tourismus und der Schifffahrtslinien Polynesiens bieten sich ihnen keine Chancen. Die Existenz der Inselbewohner ist bedroht, ihre Kultur in Gefahr.

Die Bootsverbindungen sind unzuverlässig und die Transportkosten hoch. Für die Bewohner Taumakos ist es schwer, Waren in die weit entfernten Handelszentren zu bringen und wichtige Güter einzuführen. Früher lag der Schiffs- und Warenverkehr in ihrer Hand. Mit ihren Segelbooten erreichten sie die Nachbarinseln, es blühte ein reger Tauschhandel.

Auf Selbstversorgung angewiesen

Die Bewohner Taumakos leben auf einer winzigen selbstangelegten Nebeninsel, gebaut aus Korallenblöcken und Muscheln. Riesige Mosquitoschwärme auf der üppig bewachsenen, vulkanischen Hauptinsel haben die 500 Einwohner irgendwann gezwungen, sich ganz auf diesen engen Raum zurückzuziehen. Unten auf der Nebeninsel, dichter am Wasser mit seiner stetigen Meeresbrise, ist das Leben erträglicher. Trotz schützender Korallenriffe kann die Insel allerdings bei starker See leicht überflutet werden.

Die Bewohner leben vom Fischfang, vom bescheidenen Anbau eigener Süßkartoffeln, Bananen und Kokospalmen. Stolz sind sie auch auf ihre kleine Schweinezucht. Alles was sie brauchen, können sie selber herstellen.

Vom Meer bedroht

Trotz der harten Lebensbedingungen wächst die Einwohnerzahl schnell, fast zu schnell. Früher, in ihren Seefahrerzeiten machten sich die Polynesier immer wieder auf zu neuen Inseln. Heute müssen die Menschen mit der räumlichen Enge fertig werden. Traditionell sind Kinder hier ein Symbol für Hoffnung und Zukunft. Ihr fröhlicher Gesang lässt einen Moment lang vergessen, wie bedroht die Inselwelt in Wirklichkeit ist. Eine der Gefahren besteht in Zyklonen - Stürmen, die Tod und Zerstörung in das tropische Paradies bringen. Sie peitschen das Meer auf und lassen haushohe Wellen die Inseln verwüsten.

Inseln wie Taumako sind völlig von der Außenwelt abgeschnitten. Kein Telefon, kein Strom, keine regelmäßige Schiffsverbindung. Hochseetaugliche Segelschiffe zur Flucht vor Naturgewalten fehlen den Menschen heute völlig. Das Wissen vom Bootsbau ist fast überall verloren gegangen.

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