Leben im Garten Eden

Klimaparameter und Nahrungsgewohnheiten

Der Urgeschichtsforscher Ralf Schmitz versucht durch ein großangelegtes Forschungsprojekt die letzten Rätsel des Neandertalers zu lösen, dessen Forschungsgeschichte von Missverständnissen geprägt ist.

Bisher galt der Neandertaler als steinzeitliches Raubein - für viele mehr Affe als Mensch. Tatsächlich zeichnet die moderne Forschung ein völlig anderes Bild.

Erfahren und geduldig

Der Neandertaler fertigte komplexe Dinge an, deren Herstellung ein Höchstmaß an Planung erforderte, sowie einen großen Erfahrungsschatz und viel Geduld. Die Neandertaler beobachteten ihre Umwelt genau und nutzten alle verfügbaren Ressourcen.


Vor 42.000 Jahren war fast alles Wasser in den Gletschern gefroren. Nur selten konnten sich die Neandertaler in stehenden Gewässern spiegeln. Trotzdem glaubt ein Großteil der Forscher, dass sie bereits ein Bewusstsein für sich selbst als Menschen hatten und sehr wahrscheinlich sogar einen Sinn für Schönheit. Da man immer wieder Farben in Gräbern gefunden hat, aber niemals Kunstwerke auf Stein oder Holz, liegt der Schluss nahe, dass die Neandertaler die Farben zur Körperbemalung benutzt haben.

Extrem wechselhaftes Wetter

Um den Mann aus dem Neandertal besser verstehen zu können, versucht Ralf Schmitz mehr über das Klima während der Eiszeit herauszufinden. Bohrkerne aus Grönland sollen Aufschluss über die Situation im Rheinland geben. Das Ergebnis aus dem Eisarchiv ist überraschend: Die Zeit der Neandertaler zeichnet sich nicht so sehr durch außergewöhnlich lange Kälteperioden aus, sondern vor allem auch durch extrem wechselhaftes Wetter, das von allen möglichen Faktoren mitbestimmt wurde.

Der Ausbruch des unbekannten Vulkans vor rund 50.000 Jahren beeinflusste das Klima in Europa jedoch nur für etwa zwei Jahre. Zahlreiche andere Temperaturschwankungen sind nachweisbar, aber ihre Ursache ist derzeit noch unbekannt. Obwohl im Schnitt rund fünf Grad kälter, war das Rheinland vor 42.000 Jahren, als der Mann aus dem Neandertal hier lebte, ein wahrer Garten Eden mit reichen Weidegründen für die gewaltigen Tierherden. Für einen Jäger eine Zeit der Fülle.

Vegetarier oder Fleischfresser?



Aber wie hat der Neandertaler sich verhalten? War er ein Großwildjäger oder ging er den Giganten seiner Zeit eher aus dem Weg? Wovon hat sich der Neandertaler ernährt? Auf diese Frage hofft Ralf Schmitz von einem Chemiker endlich eine abschließende Antwort zu erhalten. Zunächst müssen Proben entnommen werden, nicht nur vom Neandertaler, sondern auch von Wollnashorn, Riesenhirsch, Wolf, Schwein und anderen Zeitgenossen.

Mike Richards will herausfinden, wie der Speisezettel des Neandertalers im Detail ausgesehen hat. Um zu zuverlässigen Aussagen über die Ernährung des Eiszeitlers zu kommen, untersucht er die Daten von Vegetariern, Fleischfressern und Allesfressern aus derselben Zeit. Funde aus anderen Zeiträumen würden durch unterschiedliche Lagerungszeiten die Ergebnisse verfälschen, ein direkter Vergleich mit den Isotopenwerten moderner Menschen ergibt kein brauchbares Resultat.





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