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Leben in der Saalburg

Ein normales und doch ganz besonderes Kastell

Die Saalburg in der Nähe von Bad Homburg: Mit den Augen eines Römers betrachtet ein ganz normales Kastell, wie es viele entlang des Limes gab. Doch zugleich ist sie einzigartig, denn sie ist das einzige Kastell, das weitgehend wiederaufgebaut worden ist, und somit natürlich der beste Ort, um als Besucher anschaulich zu erleben, wie es sich als römischer Soldat im Militärlager gelebt haben mag.

Saalburg
Saalburg Quelle: ZDF,Resa Asarschahab

Im Museum auf der Saalburg sind vor allem Gegenstände des täglichen Lebens ausgestellt: Waffen, Werkzeuge, Geschirr, Kleidung und kleine Schmuckstücke. Sie vermitteln ein Bild davon, wie und womit die Soldaten der zweiten Raeterkohorte im Kastell lebten. Die Raeter, das waren Kelten aus dem Alpenvorland, das 15 v. Chr. unterworfen wurde. Anschließend wurden die Raeterkohorten aufgestellt, die sich im gesamten Imperium von Britannien bis nach Syrien finden. So funktionierte das römische Prinzip der Truppenrekrutierung: Die Römer eroberten ein Gebiet und warben die jungen Männer vor Ort für neue Truppen, die sie weit entfernt vom Heimatland einsetzten.

Loyalität zu Rom

Römische Soldaten zu Pferd (Spielszene)
Römische Soldaten zu Pferd (Spielszene) Quelle: ZDF

Den Soldaten dieser Hilfstruppen blieb gar nichts anderes übrig, als loyal zu Rom zu sein und sich möglichst schnell zu romanisieren. Der Wille dazu bestand laut Egon Schallmayer, Oberster Archäologe Hessens und Direktor der Saalburg, bei vielen, wenn auch nicht bei jedem: "Es gibt immer die Truppe, die germanisch treu in ihren Hütten bleibt, und die anderen suchen die Nähe zu Rom. Das muss man sich vorstellen wie nach dem Zweiten Weltkrieg. Da hat man Jeans angezogen und Kaugummi gekaut und war dann amerikanischer als die Amerikaner."

Im Alter von 14 bis 20 Jahren traten die Rekruten in das römische Heer ein. Die eroberten Stämme verloren ihre wehrhaftesten Mitglieder und waren dadurch kaum dazu in der Lage, gegen die Römer zu rebellieren. "Es war ja oft so", erläutert Schallmayer, "ein Volk wird unterworfen, dann halten sie zehn, 15 Jahre Ruhe, und dann versuchen sie, aus der Knechtschaft auszubrechen. Das haben die Römer erkannt. Sie haben die jungen Leute einfach einkassiert." Die Rekruten wurden bezahlt und bekamen das begehrte Bürgerrecht, wenn sie nach 25 Jahren ehrenvoll aus dem Dienst entlassen wurden. Eine kleine Karriere, denn so konnten sie an der höheren römischen Zivilisationsstufe teilnehmen.

Backwaren am Fließband

Auf dem Gelände der Saalburg wurde eine ganze Batterie Backöfen nebeneinander gefunden, die aus einer späteren Phase des Kastells stammen und belegen, dass die Backwaren für die Soldaten wie am Fließband produziert wurden. In den Mannschaftsbaracken gab es aber gleichzeitig Herdstellen, an denen sie sich selbst versorgen konnten und mussten. Die Saalburg war wie alle anderen Kastelle von einem Lagerdorf umgeben, in dem neben den Angehörigen der Militärs Händler und Handwerker ihren Geschäften nachgingen.

Im vicus konnten die Soldaten einkaufen und eine Kneipe besuchen. Dort haben auch die Familienangehörigen gewohnt. Man muss es sich wohl vorstellen wie bei jedem modernen Truppenstandort: Das Militär bringt viel Geld mit sich, den Lohn der Soldaten, von dem das Wohlergehen der benachbarten Zivilbevölkerung abhängt. "Ein Kastell war so etwas wie eine Landeszentralbank", so Egon Schallmayer, "die Soldaten bekommen dort ihren Sold, schwärmen aus und verteilen es. So kommt das Geld in die Provinz."

Unverzichtbare Badehäuser

Überreste der so genannten Streifenhäuser des vicus sind vor dem Hauptportal der Saalburg ausgegraben und rekonstruiert worden. Die zivile Siedlung erstreckte sich aber über einen weitaus größeren Bereich. So stößt man bei einem Spaziergang durch den Wald unweigerlich auf romantisch gelegene römische Ruinen. Dort finden sich auch die Grundmauern des für jede römische Siedlung unverzichtbaren Badegebäudes, für dessen Benutzung die Bewohner der Zivilsiedlung Eintritt zahlen mussten, für die Soldaten war der Badebesuch gratis.

Römische Soldaten genießen Luxus im Bäderhaus
Römische Soldaten genießen Luxus im Bäderhaus Quelle: Resa Asarschahab

Etwas abseits der Saalburg, unmittelbar hinter der Palisade, lag ein Kontrollposten direkt am Grenzdurchgang. Nur diejenigen durften passieren, die die Römer in ihr Reich lassen wollten. "Es ist kurios", wundert sich auch der Experte Schallmayer über die Praktiken am Limes, "Stämme wie die Vandalen oder die Goten haben eigentlich immer erst an der Grenze gestanden, angeklopft und gefragt: Dürfen wir rein? Entweder war es opportun, dann haben die Römer sie hereingelassen. Wenn nicht, dann mussten sie draußen bleiben. Erst dann ging es los, und die Stämme versuchten, sich gewaltsam Eintritt zu verschaffen."

Spezielle Legionäre zur Überwachung

Damit es bei dem genehmigten Grenzverkehr auch immer mit rechten Dingen zuging, wurden die Soldaten der Grenztruppen von speziellen Legionären aus der Provinzhauptstadt überwacht, den so genannten Beneficiariern. Loyale, lang gediente Soldaten, die vom Statthalter persönlich ausgewählt wurden. "Ein nicht ganz ungefährlicher Job", bemerkt Egon Schallmayer, "denn sie sollten natürlich unlautere Machenschaften vor Ort aufdecken. Interessant ist, dass die Beneficiarier nur für ein halbes Jahr abkommandiert wurden. Sie sollten sich also nicht in die Seilschaften vor Ort integrieren können."

Ruine Kastell Kapersburg
Ruine Kastell Kapersburg Quelle: ZDF,Resa Asarschahab

Wenige Kilometer von der Saalburg entfernt, in der Nähe der Ortschaft Rosbach vor der Höhe, liegt ein weiteres kleines Kastell im Wald: die Kapersburg. Das Steinfundament der Außenmauer ist hervorragend erhalten. Im Nordosten des Kastells sind die Archäologen auf ungewöhnlich massive Gebäude gestoßen, die so dicht gedrängt errichtet wurden, wie in kaum einem anderen der sonst nahezu genormten Militärlager. Eine vierzig Meter lange Mauer im Inneren der Kapersburg könnte dazu gedient haben, die nordöstliche Ecke des Kastells abzuriegeln. Hat sich hier die letzte Besatzung des Kastells vor den einfallenden Germanen verschanzt? Eine These, an der Schallmayer aufgrund neuer Forschungsergebnisse zweifelt: "Man ging davon aus, dass das eine Verkleinerung der Kapersburg ist. Wir haben dort gegraben und fanden diese Mauer aber nicht fortgesetzt. Deshalb ist die These inzwischen ein bisschen erschüttert."

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