Lebensader Niger

Wurde das Gold einst über den Fluss transportiert?

Wo ist all das Gold geblieben? Glanz und Macht der sagenhaften Stadt Timbuktu sind längst vergangen. Und Goldminen gibt es im Sandmeer der Sahara erst recht nicht.

"Salz aus dem Norden, Gold aus dem Süden" heißt ein geflügeltes Wort bei den Tuareg - ein Hinweis auf die Herkunft des Goldes. In frühen Schriften wird eine sagenhafte "Goldinsel" erwähnt, die im Süden Malis liege. In den Karten ist sie nicht eingezeichnet.

Wichtige Handelsroute: der Niger

Der Niger, der größte Fluss Westafrikas, ist 4.000 Kilometer lang und verbindet die Savanne mit dem Atlantischen Ozean. Seit Urzeiten ist er der schnellste Weg, auf dem Händler das Salz zu den Hafenstädten im Süden Malis bringen. Bis ins letzte Jahrhundert war der Niger auch die berüchtigte Route der Sklavenhändler, die ihre schwarze Ware in Timbuktu für den arabischen Markt anboten. Nur wenige Gefangene überlebten den anschließenden harten Weg durch die Sahara. Noch heute leben Nachfahren ehemaliger Sklaven am Niger.

Man sagt, sie verhüllen ihr hellhäutiges Gesicht nicht allein gegen Sonne, Sand und Wind, sondern auch um auf ihre Gegner noch furchteinflößender zu wirken. Es war der letzte stolze Stamm der Tuareg, der die Geschichten vom goldreichen Timbuktu ins Land von Tausendundeiner Nacht brachte, Geschichten über Straßen, die mit purem Gold gepflastert waren, über Pracht und Herrlichkeit der schwarzen Könige. Der Strom ist die Lebensader des Landes. Sein Binnendelta umfasst ein riesiges Überschwemmungsgebiet mit tausenden kleinen Inseln. Ist eine davon die legendäre Goldinsel?

Rätselhafter Goldschmuck der Nomaden

Die größte Hafenstadt Malis ist Mopti. Dort säumen Hunderte von Pirogen, flache, wendige Boote, das Ufer. Sie sind ideal für den seichten Niger mit seinen gefährlichen Sandbänken. Halb Mali versorgen die Pirogen von Mopti aus mit Früchten, Fischen, Salz, Brot und Fleisch. Der Markt, der gleich am Ufer beginnt, ist heute eine Mischung aus Müllplatz und Gemüselager. Ist das der Ort, wo einst das Gold für die Schatzkammern der Kalifen gehandelt wurde? Auf dem Markt wird auch Gold angeboten, herrliche Schmuckstücke in allen Variationen. In der Armut ringsum erscheint es wie eine Fata Morgana.

In der Nähe Moptis wohnt ein reicher Stamm der Fulbe. Er lebt weiter den Fluss entlang und besitzt heute noch viel Gold und Schmuck - etwa goldene Ringe, die im Ohr und in der Nase getragen werden. Die nomadisierenden Fulbe halten sich mit ihrem Vieh immer nur kurze Zeit an einem Ort auf. Bei den Fulbe verwahren die Frauen das Gold, indem sie es immer bei sich tragen. Für sie hat der Goldschmuck eine ganz besondere Bedeutung. Zum einen können sie damit ihren sozialen Rang zeigen, zum Beispiel wenn sie aus einer reichen Familie kommen. Zum anderen können sie so ihr Vermögen in Form ihres Schmucks immer bei sich tragen. Das ist wichtig, weil sie Halbnomaden sind. Der Goldschmuck ist eine Kapitalanlage für die nächste Generation. Doch die Fulbe wissen nicht, woher ihr Goldschmuck stammt.

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