Lebenstraum Troja

Heinrich Schliemann auf den Spuren von Homers Kriegsepos

Die Legende von der fantastischen Entdeckung Trojas reicht zurück bis zum Heiligen Abend des Jahres 1829. An diesem Weihnachtsfest bekommt Heinrich Schliemann in seinem Elternhaus in Ankershagen ein Buch geschenkt, das seinen Lebensweg entscheidend prägt: die illustrierte "Weltgeschichte für Kinder" von Georg Ludwig Jerrer.

Bild Raub der Helena Quelle: ZDF

Schon oft hatte der Vater vom Trojanischen Krieg und seinen Helden erzählt. Und von der Festung, die vom Erdboden verschwunden ist. Doch an diesem Abend - so Schliemann - sei in ihm der Entschluss gereift, Troja eines Tages auszugraben. Fasziniert habe er als Siebenjähriger das berühmte Bild betrachtet, wie der trojanische Prinz Äneas mit Sohn und Vater aus der brennenden Festung flüchtet.

Begnadeter Selbstdarsteller

Die kindliche Begeisterung für Troja ist jedoch ein Teil der Inszenierung, in der Heinrich Schliemann im Rückblick auf sein Lebenswerk Wunsch und Wirklichkeit virtuos vermischt. Der begnadete Selbstdarsteller nutzt das Epos vom Trojanischen Krieg - den Urmythos des klassischen Abendlandes - für seinen eigenen, glanzvollen Platz in der Geschichte. Doch zunächst schlägt er eine ökonomische Karriere ein: Als Kaufmann und Spekulant verdient er Millionen. Im Jahr 1864 zieht er sich aus dem Geschäftsleben zurück und bereist die Welt. 1865 beginnt er ein Studium der Alterswissenschaften in Paris, denn den Rest seines Lebens will Schliemann der Wissenschaft widmen.

Troas Landschaft Quelle: ZDF

Heinrich Schliemann ist 46 Jahre alt, als er sich im August 1868 dem Schauplatz göttlicher Kriege nähert. In der Troas ist er auf der Suche nach den Schauplätzen der Ilias. Das Meisterwerk seines "Lieblingsdichters" Homer, dem großen Unbekannten, um dessen Heimat sich die Gelehrten bis heute streiten. Das Epos, aufgeschrieben vermutlich im achten Jahrhundert vor Christus, ist Kriegs- und Liebesgeschichte zugleich.

Buchcover Homer Quelle: ZDF

Vergleiche mit Angaben der Ilias

Für Heinrich Schliemann ist Homers Werk mehr als nur eine Sammlung poetischer Verse, er glaubt an ihren historischen Kern. Gelehrte des 18. Jahrhunderts vermuten die Überreste der Festung auf einem Hügel namens "Bali Dag". Tatsächlich wurden auf dem Bergrücken Besiedlungsspuren aus der Antike entdeckt. Schliemann ist vom ersten Eindruck enttäuscht. Für ihn scheint es unmöglich, dass Achilles den Hektor hier - wie von Homer beschrieben - dreimal um die Festung gejagt haben soll. Das Gelände ist viel zu unwegsam. Immer wieder vergleicht Schliemann die Angaben in der Ilias mit den Tatsachen vor Ort. Die Entfernung zum Meer etwa scheint ihm zu weit, um sie mehrmals am Tag zu laufen.

Festungshügel Ballidag Quelle: ZDF

Schliemann überprüft dennoch ein weiteres Indiz: Homer schreibt von zwei Quellen, in denen die Trojanerinnen ihre Wäsche wuschen. Das Besondere: Eine war heiß, die andere kalt. Tatsächlich existieren am Ballidag mehrere Quellen. Schliemann misst die Temperatur jeder Einzelnen. Das Ergebnis: Alle haben 17,5 Grad. Nichts stimmt mit den Angaben in der Ilias überein. Die Theorie der "Bali Dag"-Anhänger musste falsch sein. War Homers meisterhafte Dichtung doch ohne jeden Bezug zur Realität?

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