Lebte Miraculix wirklich?

Forscher rätseln über die Existenz der Druiden

Ein weißer langer Bart, blaue Schuhe, wallendes Gewand und roter Umhang - fast jeder kennt den Druiden Miraculix aus den Asterix-Heften, der die meiste Zeit mit seiner goldenen Sichel Mistelzweige von Eichen schneidet und Zaubertränke in einem großen Kessel braut. Doch ob es die Druiden, die keltischen Gelehrten, tatsächlich gegeben hat, ist bis heute ungeklärt.

Miraculix
Miraculix Quelle: imago/United Archives

Weiß gekleidete Männer, die jedes Jahr im Herbst - am sechsten Tag nach Neumond - mit ihrer goldenen Sichel giftige Mistelpflanzen auf Eichen ernten und daraus nach geheimem Rezept ein "Allheilmittel" brauten: Das wirkte gegen Unfruchtbarkeit und jede Art von Vergiftung. Diese Beschreibung ist eine der bekanntesten und einflussreichsten, die noch heute unser Bild der Druiden prägt. Sie geht auf den römischen Gelehrten Plinius der Ältere zurück. Ihre heilkundlichen Fähigkeiten verliehen ihnen wahrscheinlich auch ihren Namen. Druide bedeutet im Griechischen so viel wie "Eichenwissender".

Hohe Gelehrte und Heiler

Insgesamt wissen wir wenig über jene Wunderheiler der Kelten. Aus griechischen und römischen Quellen der Antike geht hervor, dass die Druiden hoch angesehene Gelehrte waren. Wegen ihrer Weisheit und hohen gesellschaftlichen Position galten sie als mächtigste Männer bei den Kelten, noch vor dem Fürsten, der auf ihren Rat hörte. Sie waren nicht nur oberste weltliche Richter, die über Krieg und Frieden sowie in allen staatlichen und privaten Streitfällen entschieden, sondern auch Heiler mit medizinischem Wissen.

Ihre wichtigste Funktion schien die des religiösen Anführers und Priesters gewesen zu sein. Die Druiden standen als Einzige mit den Göttern in Verbindung, vermittelten zwischen Diesseits und Jenseits und wachten über kultische Rituale. Dazu gehörten auch Zeremonien, bei denen Tiere, aber auch Menschen geopfert wurden.

Menschen- und Tieropfer

Spielszene: Männer tauchen Mann mit Kopf in Kessel
Spielszene: Kelten bringen ein Menschenopfer Quelle: ZDF,Martin Papirowski

Die antiken Chronisten erzählen von zahlreichen solcher grausamen Tötungen. Demnach gab es unterschiedliche Methoden zur Opferung: Man erhängte, erschlug oder erstach die Betroffenen, durchbohrte sie mit Pfeilen oder verbrannte sie bei lebendigem Leib. Die Opfer sollten in der Regel die Götter ehren und besänftigen. Laut dem Griechen Diodor gab es allerdings auch rituelle Morde, anhand derer die Druiden die Zukunft vorhersagten. Die Schilderungen der griechischen und römischen Geschichtsschreiber sind oftmals sehr widersprüchlich, faktisch unzuverlässig und lassen sich unterschiedlich interpretieren. Was daran wahr ist, lässt sich nur schwer

beurteilen. Dennoch sind die Keltenforscher auf diese Quellen angewiesen, da von den Druiden keine eigenen Schriften überliefert sind.

Der Fürst vom Glauberg

Auch das archäologische Fundgut gibt wenig Aufschluss über ihr einstiges Wirken, lediglich vage Hinweise. Ein Anhaltspunkt liefert beispielweise der Grabungsfund vom hessischen Glauberg im Jahr 1996, wo man den Leichnam und die Statue eines keltischen Fürsten entdeckte. Die heute so genannte "Blattkrone", die im steinernen Abbild des Herrschers zu erkennen ist und von der man Überreste in der Grabstätte fand, weisen auf eine kultische Funktion hin - möglicherweise die eines Druiden.

Blattkrone auf einem Glaskopf
Blattkrone des Fürsten vom Glauberg Quelle: ZDF

Ein weiteres Indiz ist der "Lindow Man", den man 1984 bei Lindow Moss in England entdeckte. Wissenschaftler fanden heraus, dass die Moorleiche um 300 v. Chr. gelebt haben musste und durch einen Axthieb getötet wurde. Nach Eintritt des Todes würgten ihn seine Peiniger und schnitten ihm die Kehle durch. Die postmortale Verstümmelung eines Toten ist typisch bei keltischen Opferungen, da die Angst vor Wiedergängern groß war. Der bedeutendste Aspekt war aber der Fund von Mistelpollen im Magen der Leiche, die eine Beteiligung von Druiden nahe legen.

Druidenkult lebt weiter

Mit hoher Wahrscheinlichkeit lässt sich aber sagen, dass die keltischen Priester und Gelehrten keine goldenen Sicheln benutzten, wie Plinius der Ältere einst schrieb. Forscher nehmen an, dass es sich vielmehr um eine Sichel oder ein Laubmesser aus Bronze gehandelt haben muss. Denn pures Gold ist als Material zum Schneiden von Misteln viel zu weich. Die Sichel könnte auch vergoldet gewesen sein.

Spielszene: Keltischer Druide und sein Volk
Spielszene: Keltischer Druide bei einem Ritual Quelle: ZDF,Martin Papirowski

Unser heutiges Bild von den Druiden ist stark geprägt von der modernen Literatur, in der die Figur häufig aufgegriffen und nach Belieben ausgeschmückt wird. So lehnt sowohl die Figur Gandalf aus J.R.R. Tolkiens Trilogie "Der Herr der Ringe" an die geheimnisvolle Magiergestalt an, als auch die Gestalt des Merlins aus der Artus-Sage: Beide tragen zwar keine Sicheln bei sich, aber einen mannshohen Holzstab, mit dem sie zaubern können. Gekleidet sind sie mit Kapuzenmänteln - und sie sind weise. Merlin nimmt sogar eine der klassischen Rollen des Druiden ein: Er ist der engste Berater des Königs.

Die wohl bekannteste Interpretation eines Druiden stammt von Rene Goscinny und Albert Uderzo. Für ihre Asterix-Comics erfanden sie den langbärtigen Gallier Miraculix, der Zaubertränke mit unsagbarer Kraft zubereitet. Seine Künste verzaubern noch heute Millionen Leser. Vielleicht weiß die Wissenschaft eines Tages mehr über die geheimnisvollen Männer aus der Keltenzeit. Bis dahin ist nur eines sicher: Der Mythos der Druiden lebt weiter.

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