Leidenschaft für die Antike

Johann Joachim Winkelmann studiert in Rom die "Kunst der Alten"

Johann Joachim Winckelmann, der Sohn eines Schuhmachers aus Stendal, arbeitet 1748 in der Nähe von Dresden. Als Bibliothekar von Schloss Nöthnitz zeigt er den Gästen des Hauses die Schätze der Literatursammlung. Sein Arbeitgeber ist ein ehemaliger Diplomat mit engen Beziehungen zum königlichen Hof: Graf Heinrich von Bünau.

Porträt Winckelmann Quelle: ZDF

Auf Schloss Nöthnitz hat Winckelmann Gelegenheit, die "bessere" Gesellschaft zu studieren. Es ist die Epoche des Barock - doch das Überladene liegt Winckelmann nicht. Er sehnt sich nach natürlicher Anmut und Klarheit. Sein Ideal ist die klassische Antike. Bis tief in die Nacht liest er die Werke von Plinius, Sophokles oder Homer.

"Edle Einfalt, stille Größe"

In der Sammlung des Kurfürsten Friedrich August des Zweiten macht Winckelmann eine Entdeckung, die sein Leben und den Umgang der gebildeten Welt mit der klassischen Kunst verändern wird. Auf Umwegen war der Dresdner Hof in den Besitz von Statuen aus Herculaneum gelangt, die berühmten drei Herculanerinnen. In den Kunstwerken sieht Winckelmann seine ganze Leidenschaft für die Antike repräsentiert. "Edle Einfalt, stille Größe" wird er später schreiben. Alberigo Archinto, der Gesandte des Vatikans am sächsischen Hof, weist Winckelmann den weiteren Weg.

Eine der "Drei Herculanerinnen" Quelle: ZDF

Im Jahr 1755 kommt er endlich nach Rom, um dort die "Kunst der Alten" zu studieren. Seine Beobachtungen prägen die Antiken-Rezeption von Generationen. Dass die Antike viel farbenfroher war, als Winckelmann sie sah, das fand man erst später heraus. Er ist der erste, der die antiken Kunstwerke nicht nur beschreibt, sondern sie auch in die jeweilige Epoche einordnet. Die Bestandsaufnahme in Rom wird zur Grundlage für Winckelmanns späteres Hauptwerk: "Die Geschichte der Kunst des Altertums".

Ohne jedes System

Carl Weber bei Ausgrabungen Quelle: ZDF

Zur gleichen Zeit wird am Golf von Neapel weiter ohne jedes System gegraben. Als Arbeiter in der Nähe von Herculaneum auf eine unterirdische Villa stoßen, beauftragt Alcubierre einen Schweizer Ingenieur mit der Ausgrabung: Carl Weber. Doch schon bald geraten Alcubierre und sein neuer Assistent über die richtige Vorgehensweise in Streit. Obwohl Webers Grabungstechnik im Wesentlichen der von Alcubierre gleicht, ist seine Herangehensweise systematischer und methodischer.

Der Ingenieur geht erstmals wissenschaftlich vor, er führt ein Grabungstagebuch, inventarisiert die Funde und zeichnet detaillierte Pläne. Auch sucht Weber nicht ausschließlich nach Schätzen. Ihn interessieren auch die Dimensionen des Gebäudes - und die sind gewaltig. Das verschüttete Landhaus ist bis heute die größte jemals gefundene Villa des römischen Reichs - es ist die Villa dei Papiri.

Grundriss Villa Quelle: ZDF

Gigantisches Bauwerk

Zweieinhalb Jahrhunderte später ist das gigantische Bauwerk noch immer nicht vollständig ausgegraben. Tausende Tonnen vulkanisches Material musste das Team des Archäologen Antonio De Simone bewegen, um die Terrasse und wenige Räume freizulegen. Die Grabungstunnel aus dem 18. Jahrhundert dürfen wegen Einsturzgefahr nicht mehr betreten werden. Doch mit modernsten Mess-Methoden und den Unterlagen von Carl Weber konnte die Villa in ihren Ausmaßen rekonstruiert werden.

Büsten unter Verschluss Quelle: ZDF

Für die gewissenhafte Arbeit des Schweizers hat Alcubierre kein Verständnis. Im Gegenteil. Er spricht beim König vor und bittet diesen, Weber von seinen Aufgaben zu entbinden. Doch Alcubierre scheitert mit seiner Intrige. Denn Webers Pläne sind von großem Wert - und seine Funde spektakulär: Die Bronze-Statuen und Büsten aus der Villa dei Papiri sind heute weltberühmt. Doch im 18. Jahrhundert sind auch diese Schätze Geheimsache des Königs und bleiben unter Verschluss.

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