Leonardo da Vinci: Der Genie-Code

Hat der geniale Renaissance-Künstler geheime Botschaften hinterlassen?

Leonardo da Vinci ist der Inbegriff des Genies. Und doch liegt sein Leben bis heute in rätselhaftem Dunkel. Um die Wirklichkeit zu verstehen, überschreitet er alle Grenzen. Ist ihm das zum Verhängnis geworden? Er schafft die berühmtesten Gemälde der Welt. Jeder kennt seine Mona Lisa und ihr geheimnisvolles Lächeln. Welche geheimen Botschaften hat er darin hinterlassen? Seine Geheimnisse zeichnet er auf, in rätselhafter Schrift, auf Tausenden von Seiten. Enthalten sie einen geheimen Code?

Stadtbild Florenz
Stadtbild Florenz Quelle: ZDF

Am 15. April 1542 wird Leonardi di Ser Piero da Vinci im italienischen Vinci geboren. Die provinzielle Kleinstadt in der Toskana, damals ein bis zwei Tagesreisen von Florenz entfernt, wird Leonardos Heimat - und gibt ihm seinen Namen. Er verbringt dort seine Kindheit und Jugend. Doch schon bald wird er von der Renaissance-Hauptstadt in den Bann gezogen.

Das spätere Künstler-Genie ist das Ergebnis einer Affäre zwischen Ser Piero di Antonio, einem angesehenen Notar, und einem Bauernmädchen namens Caterina. Von Caterina ist nur sehr wenig bekannt. Darüber, warum eine Vermählung Ser Pieros mit der Schwangeren nicht zustande kommt, kann nur gerätselt werden. Zwei Gründe sind am wahrscheinlichsten: Caterinas ärmliche Herkunft und die Tatsache, dass Leonardos Vater bereits mit der Tochter eines reichen Florentiner Notars verlobt war.

Kindheitstrauma in Vinci

Leonardo kommt als uneheliches Kind zur Welt und wächst bei der Familie seines Vaters auf. Ob Leonardo seine Mutter je wiedergesehen hat, ist bis heute unbekannt. Es gibt zwar einen Hinweis in einem Eintrag in Leonardos Haushaltsbuch aus dem Jahr 1493: "Caterina kam am 16. Tag des Juli 1493". Doch ist nicht erwiesen, ob es sich tatsächlich um seine Mutter handelte. Die Trennung von Caterina ist für den kleinen Leonardo ein echtes Trauma.

Der Ort Vinci
Der Ort Vinci Quelle: ZDF

Die Welt der Natur mit ihrem ganzen Reichtum prägt den Jungen aus Vinci früh. Leonardo erfährt keine klassische Bildung - aber er lernt es, genau zu beobachten. Besonders das Wasser scheint auf ihn eine nie endende Faszination auszuüben. Immer wieder wird er sich später in seinen Manuskripten mit Wasser, mit dessen Bewegung, dessen Schönheit und Gewalt beschäftigen. Leonardo zeigt früh seine künstlerische Begabung. Als Vorbild hat er nur die bescheidene Pracht der ländlichen Kirchen. Aber bald wird ihm im nahen Florenz die ganze Welt der Kunst offenstehen. Die erste Großstadt, die Leonardo sehen wird.

Eintauchen in Florenz

Florenz, eingebettet in grüne Hügel und beherrscht von der gewaltigen Domkuppel, ist damals eines der Zentren der modernen Welt. Dichtgedrängt auf engstem Raum leben dort 80.000 Menschen. In Florenz unterhält Leonardos Vater sein Notariat. Er fördert seinen unehelichen Sohn nach besten Kräften und vermittelt ihm eine Lehrstelle. Auf dem Weg zur Arbeit muss der junge Leonardo die Schätze der Stadt bewundert haben, die Bauwerke und die reichgeschmückten Reliefs des Baptisteriums.

Im Atelier des berühmten Meisters Verrocchio lernt er das Künstlerhandwerk. Wie man Farben anrührt, welche Farbstoffe man dazu benutzt, alle Fähigkeiten, die ein Künstler seiner Zeit besitzen muss. Der Junge aus Vinci lernt schnell. Schon nach wenigen Jahren, so heißt es, habe er so gut gemalt, dass sein Lehrmeister die Malerei aufgegeben habe. Die Züge des Genies werden früh sichtbar: Das erste große Gemälde, "Die Verkündigung", stellt er kurz nach Abschluss seiner Ausbildung zwischen 1473 und 1475 fertig. Es zeigt einen Engel mit den Flügeln eines Vogels. Es ist ein Ausdruck seiner Naturverbundenheit - und ein Frevel gegen die Kirche seiner Zeit. Ein einzigartiges Talent hat sich gefunden. Von nun an wird Leonardo ohne Rücksichten seinen unendlich vielen Interessen nachgehen.

Menschliche Kamera

Nachbildung Notizbuch von da Vinci
Nachbildung Notizbuch von da Vinci Quelle: ZDF

Die Städte Norditaliens sind zur Zeit Leonardos die Zentren der modernen Welt, Florenz das Zentrum der Renaissance. Ein ideales Feld für einen scharfen Beobachter wie Leonardo da Vinci. Wie eine menschliche Kamera erfasst er alles, was um ihn geschieht. Er will die Wirklichkeit ganz und gar verstehen. Was er mit den Augen erkennt, das hält er mit den Händen fest in jedem Detail. Nie sieht man ihn auf den Straßen ohne ein Notizbuch. Dort trägt er alles ein, seine Beobachtungen, die Menschen, die er sieht, seine Ideen und Einfälle. Leonardo da Vici ist wohl einer der wissbegierigsten Menschen, der je gelebt hat. Und er ist in der Lage, alles aufzuzeichnen, was er sieht. Ohne den Aufenthalt in der inspirierenden Welt der Renaissance-Hauptstadt wäre die Karriere des Genies nicht denkbar gewesen.

Wenn Leonardo da Vinci von den Straßen der Stadt in sein Atelier zurückkehrt, trägt er seine Beobachtungen, Zeichnungen und Notizen bei sich. Mühsam versucht er, seine vielen Gedanken zu ordnen. Alles scheint ihn zu interessieren, "dim mi!" schreibt er immer wieder, "sage mir, wie es funktioniert". Sorgsam überträgt er seine flüchtigen Skizzen in große Manuskripte. Satz um Satz, Frage um Frage legt er in seinen Beobachtungen nieder, auf tausenden von Seiten, in endlosen Details. Der Wunsch zu lernen, notiert er, sei allen edlen Menschen angeboren.

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