Lesseps Vortragssreisen

Öffentlichkeit soll Druck auf die Regierungen ausüben

Im Jahr 1856 ist de Lesseps rastlos auf Reisen. Er versucht, die Zustimmung der Mächtigen Nationen für sein Kanalprojekt einzuholen. Doch der Sultan von Konstantinopel hält ihn immer wieder hin: "Es muss noch beraten werden", heißt es, und: "Ihr Ersuchen steht ganz oben auf der Liste".

De Lesseps reist nach Paris, bittet seine Cousine Eugenie um Hilfe. Sie ist die Gattin des französischen Kaisers. Doch Napoleon der Dritte enthält sich jeglicher Stellungnahme und will keinesfalls die Engländer verärgern.

"Mit uns nie!"

England setzt inzwischen Said immer stärker unter Druck. Es verlangt die Abtretung der Hafenstadt Suez und droht, Alexandria zu beschießen. Da reist de Lesseps in die Höhle des Löwen. Er trifft auf den englischen Premierminister Lord Palmerston, einen 70-jährigen, starrköpfigen Konservativen. "Ein Kanal durch die Landenge von Suez würde uns aller Vorteile berauben, die wir gegenwärtig besitzen. Mit uns nie!", lässt er schroff wissen.

Doch de Lesseps gibt nicht auf und plant einen gigantischen Propagandafeldzug. Er unternimmt eine mehrmonatige Vortragsreise durch das ganze Land. De Lesseps will die Öffentlichkeit auf seine Seite ziehen, um Druck auf die englische Regierung ausüben.

Negrellis genialer Plan


Inzwischen arbeitet ein österreichischer Ingenieur namens Negrelli an einem Plan für den Kanal. Von 160 Kilometern Strecke sollen nur etwa 80 Kilometer ausgegraben werden. Der Rest führt durch ausgetrocknete Seen und andere natürliche Senken in der Wüste, die nur darauf warten, geflutet zu werden. Unter Führung von de Lesseps vermisst eine internationale Kommission die geplante Trasse und nimmt Probebohrungen vor. Plötzlich wird das Camp der Ingenieure von Beduinen angegriffen. Wer steckt hinter dem Angriff, etwa der türkische Sultan von Konstantinopel?

In Frankreich ist der Suezkanal zu dieser Zeit in aller Munde. De Lesseps hat mit der Ausgabe von Aktien begonnen. Anwälte, Ingenieure, Zahnärzte, Lehrer, Priester aber auch einfache Leute des Volkes reißen ihm die Papiere aus den Händen. In nur drei Wochen sind sämtliche Anteile ausverkauft, die für Frankreich vorgesehen waren. Doch in England, den USA, Österreich und Russland wird nicht eine einzige Aktie verkauft. De Lesseps steht vor einem Problem.

Letzte Hoffnung

Drei Monate lang ist er durch Europa gereist, hat unermüdlich die Werbetrommel für sein Kanalprojekt gerührt, das doch der ganzen Welt gehören sollte. Dennoch fehlt fast die Hälfte der Finanzierung. Sollten fünf Jahre Kampf vergebens gewesen sein? König Said, sein ägyptischer Freund, ist die letzte Hoffnung. De Lesseps geht nochmals zu ihm und bittet ihn um Unterstützung. Said schweigt zwei Tage, doch dann zeichnet er alle restlichen Anteile. Am Morgen des 25. April 1859 gibt de Lesseps den Startschuss. Auf diesen Moment hat er 25 Jahre gewartet.

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