Letztes Aufbegehren

Trotz göttlichen Beschützern endet die Macht der Pharaonen

Warum die Priester Punt zum beherrschenden Thema der Tempelanlage von Ptolemäus XII. wählten, liegt für die Forscher auf der Hand. In der Spätzeit Ägyptens steht Athribis zweifelsfrei für die Rückkehr alter Glaubensvorstellungen - in einer Epoche, als die Ära der Pharaonen dem Ende entgegen ging.

Der Kolossalbau mit seinen enormen Ausmaßen sollte noch einmal die Macht der Ptolemäer demonstrieren. So, wie es die Dynastie schon in Dendara und an anderen Orten Oberägyptens getan hatte. Die grandiosen Heiligtümer errichteten die Regenten aus politischem Kalkül. Sie wollten die mächtige Priesterschaft zufrieden stellen, damit sie das Königshaus unterstützt.

Ausgestaltung der Weihestätten

Als Fremdherrscher standen die Ptolemäer in dem Ruf, nicht in der ägyptischen Religion verwurzelt zu sein. Doch die Tradition sah vor, dass der Pharao im Staatskult die Hauptperson war. Daher hing jeder König von der Loyalität der Tempeldiener ab. Denn die Priester vollzogen sämtliche Zeremonien, die dem Throninhaber gottgleichen Status verliehen. Und sie bestimmten auch die Ausgestaltung der Weihestätten.

Relief im Tempel von Athribis Quelle: ZDF

Die Dekoration in Athribis diente also einer klaren Aussage. Mit aller Deutlichkeit verkündete Ptolemäus: Die Versorgung der Tempel mit den unterschiedlichsten Aromastoffen war gesichert. Der Weg durch die Wüste stellte keine Gefahr mehr dar. Und die Expeditionen nach Punt fanden wieder statt. Deshalb erhob der Herrscher den Fruchtbarkeitsgott Min zum Beschützer seines Prestigeobjekts. Das war ein deutlicher Hinweis auf die geographische Lage von Punt.

Geheimnisvolle Göttin

Als Mins Gefährtin präsentierte sich Repit. Sie war eine geheimnisvolle Göttin mit Löwenhaupt, die bereits im 3. Jahrtausend vor Christus erwähnt wurde. Auch sie stand in Verbindung zu Punt. Es handelte sich bei Repit um eine von mehreren löwengestaltigen Göttinnen, die als Tochter des Sonnengottes galten.

Repit war ein Mischwesen aus Raubtier und Frau. Eine der Unsterblichen, die das ferne Paradies zur Wohnstatt erkoren hatte. Eine Inschrift in ihrem Tempel erzählt von Ritualen, die allnächtlich dort gefeiert wurden. Ihr zu Ehren, heißt es, verlosch niemals das Licht im Allerheiligsten. Mit Wohlgerüchen aus Punt, mit Tanz und Musik huldigten die Priester ihrer Schutzherrin. Das gesamte Ensemble von Athribis machte es wahrscheinlich, dass Gesundheit und Heilkunde im Heiligtum der Repit einen zentralen Stellenwert einnahmen. Vielleicht stellten kundige Hände in den Kammern Medizin aus seltenen Pflanzen und Kräutern her, die aus Punt importiert wurden.

Zeiten des Umbruchs

In Zeiten des Umbruchs begehrten die Ptolemäer ein letztes Mal auf. Die Ägypter konnten die Invasion der Römer nicht stoppen - trotz der Versuche, uralte Traditionen des Landes am Leben zu erhalten. Die große Kleopatra, Tochter des Bauherrn von Athribis, sollte als letzte Pharaonin in die Geschichte eingehen. Im Jahr 30 vor Christus machten die Herren vom Tiber Ägypten zur römischen Provinz. Das war das ruhmlose Ende einer glorreichen Vergangenheit.

Mehr als 2500 Jahre, so sagen die Quellen, hielt sich der Mythos vom Gottesland Punt, jenem Land, in dem der Weihrauch wuchs. Legendär sind die Expedition der Königin Hatschepsut, der ehrgeizigen Frau, die im Namen der Götter ihre Gesandten ausschickte. Dieser Herrscherin verdankt die Nachwelt die ersten wissenschaftlichen Hinweise auf das rätselhafte Gebiet irgendwo in Afrika. Es galt als heiliges Terrain, in dem die Unsterblichen auf grünen Hügeln wohnten, in dem viele Arten exotischer Tiere die weiten Savannen bevölkerten und kostbares Gold in den Flüssen schimmerte. Punt war das einzige der Fremdländer, das die Ägypter nie erobern wollten.

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