Literatur und Links

Buchtipps und weitere Informationen aus dem World Wide Web

Johannes Zeilingier
Auf brüchigem Eis
Frederick A. Cook und die Eroberung des Nordpols
Matthes & Seitz Berlin Verlagsgesellschaft (2009)

Schon der mehrdeutige Titel lässt vermuten, dass es auf den 351 Seiten um keine einfache Sache geht. Im Untertitel wird nicht Peary, sondern Cook genannt. Das weist in eine bislang eher untypische Richtung. Und die so geweckten Erwartungen werden erfüllt. Akribisch genau und dennoch bei aller Detailfülle kurzweilig und spannend zu lesen, gibt die glänzend formulierte Untersuchung einen neu gewichteten Einblick in die verzwickte Faktenlage des Gerangels um den Lorbeer der ersten Nordpolbezwingung - und in eine Freundschaft zweier Männer, die durch obsessiven Ehrgeiz in unerbittliche Feindschaft umschlug.

Dabei werden die beiden Kontrahenten, ihre Machenschaften und Netzwerke beleuchtet. Der Epilog liefert überraschende Befunde, die bis heute ermittelt werden konnten - keine vollkommene Rehabilitation Cooks, aber eine Erklärung für den damaligen Ausgang der Pol-Kontroverse: Es entschied weniger das Verdienst als die Konjunktur, wie es in dem genialerweise beigefügten Essay von Karl Kraus heißt. Ein großartiges Buch, das jeder, der sich mit der Arktis beschäftigt, gelesen haben sollte.

Robert E. Peary
Die Entdeckung des Nordpols
Zwei Jahre im ewigen Eis
Edition Erdmann Marixverlag (2009)

Pünktlich zum "100-Jährigen" der Pol-Kontroverse ist in der bewährten Form der Edition Erdmann die deutsche Übersetzung von "The North Pole. Its Discovery in 1909 under the Auspices of the Peary Arctic Club" erschienen. Die interessante editorische Notiz des Herausgebers Detlef Brennecke verrät, dass der englische Urtext weitestgehend von Albert E. Thomas verfasst worden ist. Peary hatte also einen Ghostwriter, was er offenbar seinen Lesern nicht verriet. Das passt zu all den anderen Ungereimtheiten um Pearys Polprojekt. Dennoch lohnt die Lektüre des Expeditionsberichtes, vor allem nach dem Lesen der ungewöhnlich deutlich formulierten Einführung des Herausgebers zu Motivation und Person Pearys. Eine Liste interessanter antiquarischer Literatur zum Thema rundet das handliche, in Leinen gebundene und mit Lesebändchen ausgestattete Buch ab. Empfehlenswert.

Børge Ousland
Solo durchs ewige Eis
Frederking & Thaler (2007)

Die Geschichte der Polarexpeditionen ist eine Geschichte physischer und psychischer Spitzenleistungen extrem motivierter Menschen. Autor Børge Ousland hat sie alle getoppt. Dem ehemaligen Tiefseetaucher aus Norwegen gelang, was vor ihm niemand für möglich hielt. 1996/97 durchquerte er allein die Antarktis, und 2001 schaffte er die Strecke von Sibirien nach Kanada über den Nordpol in 82 Tagen - ebenfalls allein und zu Fuß. Dies ist der packende Doppelbericht über die beiden einzigartigen Gewaltmärsche - eine teils sehr persönliche Publikation voller erstaunlicher Details und überraschender Informationen. Im Kapitel "Die alten Haudegen" setzt sich Ousland mit Nansen, Amundsen und - besonders interessant - mit Peary auseinander. Das lesenswerte Taschenbuch schließt eine Liste der Ausrüstungsgegenstände ab, die der Extremabenteurer bei seiner Nordpol-Expedition mitführte.

Christoph Seidler
Arktisches Monopoly
Der Kampf um die Rohstoffe der Polarregion
DVA (2009)

War es noch im 20. Jahrhundert eine Frage der persönlichen oder nationalen Ehre, den Nordpol zu erreichen, steht seit einigen Jahren die nationale Territorialität aus wirtschaftlichen Interessen im Vordergrund. Christoph Seidler unterscheidet klar zwischen dem "ersten Wettlauf" und dem "zweiten Wettlauf". Unter ersterem subsumiert er die historischen Arktisexpeditionen in einem gut recherchierten Übersichtskapitel. Im Jahr 2007 sieht er im Installieren der russischen Flagge auf dem Meeresgrund am Pol den Startschuss zum zweiten Wettlauf, und zwar um Bodenschätze und Ressourcen der Hocharktis. Detailliert werden alle wichtigen Aspekte aus Geschichte, Politik und Völkerrecht, aus Geografie, Geologie und Klimatologie dargelegt. Zum Schluss wagt der Autor einen auf seriösen Prognosen fundierenden Ausblick auf die kommenden Jahrzehnte. Ein höchst informatives, lebendig geschriebenes und allgemein verständliches Sachbuch über einen heiß-kalten Konfliktherd der Zukunft. Die an sich guten Grafiken würden allerdings farbig noch gewinnen. Nicht nur für Arktis-Interessierte zu empfehlen.

Charles Officer & Jake Page
Die Entdeckung der Arktis
Berliner Taschenbuch Verlag (2004)

Die beiden Wissenschaftsjournalisten haben ihr Werk bereits 2001 in den USA publiziert. Daher endet diese Geschichte der Arktis-Expeditionen seit der Antike mit der letzten Jahrtausendwende. Es handelt sich dennoch um die umfassendste deutschsprachige Zusammenstellung, die derzeit auf dem Markt ist. Zahlreiche Karten u. a. Schwarzweiß-Abbildungen illustrieren den Text und geben Orientierung. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis ergänzt das an Fakten, Informationen und Zitaten überreiche Buch, das einen hervorragenden Überblick über das Thema gibt - und das zu einem sehr moderaten Preis.

Philippe Nessmann
Verloren im Packeis
Robert Peary und die Entdeckung des Nordpols
Verlag Herder (2009)

Der erfahrene Jugendbuch-Autor lässt Pearys farbigen Begleiter Matthew Henson die spannende Geschichte der Nordpol-Expedition von 1909 aus der Sicht des treu ergebenen Assistenten erzählen - ein genialer Kniff, um der problematischen Person Pearys näher zu kommen. Der Leser erfährt eine Menge über Verlauf des Unternehmens, über Natur und Gefahren der Arktis, über Eskimos und das Verhältnis Pearys zu "seinen" Eskimos. Quasi nebenbei kommt auch das angespannte Rassenverhältnis in den USA des frühen und mittleren 20. Jahrhunderts zur Sprache. Ein illustrierter Dokumentationsteil erdet die jugendgerechte Erzählung in der realen Faktenwelt. Allerdings hätte man sich in einem einordnenden Nachwort klarere Aussagen zum umstrittenen Expeditionserfolg wünschen können. Spannend und informativ zugleich.

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