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Horst Günther

Das Erdbeben von Lissabon und die Erschütterung des aufgeklärten Europa

Fischer Taschenbuchverlag 2005


"Ein Jahrhundert der Aufklärung ist nicht schon ein aufgeklärtes Jahrhundert." So lautet einer der ersten Sätze in Horst Günthers Taschenbuch. Als die Erde am 1.November 1755 bebte und die Stadt Lissabon zu einem Großteil zerstörte, lebten die Menschen in Europa zwar nicht mehr im Mittelalter, aber von der modernen Neuzeit war man doch noch meilenweit entfernt. Gerade als die Welt berechenbarer zu werden schien, erschütterte das Beben die Geisteswelt Europas.

Der damals vorherrschende Ansatz, die Menschen lebten in der "bestmöglichen aller Welten", wurde sowohl in Frankreich als auch in Deutschland scharf kritisiert. Viele Werke großer Literaten und Philosophen wie Voltaire, Heinrich Kleist oder Immanuel Kant wären ohne das Beben nie entstanden. Das Buch von Horst Günther macht einen kurzen aber tiefsinnigen Streifzug durch die Geistesgeschichte Europas nach dem großen Beben.

Gerhard Lauer und Thorsten Unger (Hg.)

Das Erdbeben von Lissabon und der Katastrophendiskurs im 18.Jahrhundert

Wallstein Verlag, Göttingen 2008


Das von Gerhard Lauer und Thorsten Unger herausgegebene Buch, ist die neuste und umfassendste Publikation zu diesem Thema in deutscher Sprache. Autoren aus unterschiedlichsten Bereichen zeigen, wie das große Beben von Lissabon zur ersten medial aufbereiteten Katastrophe der Geschichte wurde und warum gerade dieses Beben die Aufklärung in Europa so stark beeinflusste. Augenzeugenberichte kommen dabei genauso zum Tragen wie die Aufbereitung der Katastrophe in Briefen und Zeitungsartikeln. Der wissenschaftlich interessierte Leser bekommt fundierte Informationen sowohl zur mutmaßlichen Quelle des Bebens im Golf von Cadiz, als auch zur weitreichenden Wirkung der Katastrophe auf Literatur, Philosophie und Geisteswelt Europas.

Ulrich Löffler

Lissabons Fall - Europas Schrecken

Die Deutung des Erdbebens von Lissabon im deutschsprachigen Protestantismus des 18.Jahrhunderts
Walter de Gruyter Berlin/New York 1999


Das Buch "Lissabons Fall - Europas Schrecken" ist die Doktorarbeit des Theologen Ulrich Löffler. Dass die Katastrophe im Jahre 1755 eine der "katholischsten" Städte in Europa traf, kam für viele Gläubigen nicht von ungefähr. Katholische Geistliche sahen darin die Strafe Gottes für das unzüchtige Leben der Bewohner Lissabons, Protestanten und Anglikaner dagegen die passende göttliche Vergeltung für die Grausamkeiten der in Portugal praktizierenden Inquisition. So oder so, stand damals plötzlich die Existenz eines gütigen Gottes in Frage. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der "Erschütterung des Optimismus".

Die Frage nach der "Theodizee", nämlich wie sich die Existenz eines gütigen, allwissenden Gottes mit all dem Bösen und Übel auf der Welt vereinbaren lässt, ist plötzlich in Literatur, Philosophie und Theologie allgegenwärtig. Ein Kapitel ist auch dem Beben ansich und dem Wiederaufbau der Stadt durch den Marques de Pombal gewidmet. Der Großteil des Buches beschäftigt sich jedoch, wie der Untertitel auch sagt, mit den Auswirkungen des Bebens auf den Protestantismus. Wegen der umfassenden wissenschaftlichen Aufarbeitung nicht unbedingt das richtige für den interessierten Laien.

Edward Paice

Wrath of God - The great Lisbon Earthquake of 1755

Quercus 2008


Das Buch von Edward Paice ist die neueste Publikation zum großen Beben von Lissabon. In seinem Werk kreiert der Autor zunächst ein Sittengemälde der Stadt und ihrer Bewohnern. Danach beschreibt er in aller Ausführlichkeit die Katastrophe sowie das Krisenmanagement und die damit einhergehende Machtübernahme des Marques de Pombal. Das Buch ist sehr unterhaltsam geschrieben aber leider nur in Englisch erhältlich.

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