Ludwig will Held ohne Makel sein

Vom Prinz zum König in Zeiten des Umbruchs

Schloss Hohenschwangau in den bayerischen Alpen ist für Prinz Ludwig die Heimat schöner Kindertage. Der Thronfolger lebt in einem Schloss voller Wunder. Überall begegnet er den Helden alter Sagen wie Lohengrin, dem Schwanenritter. Um ihn befinden sich die Schätze einer ganzen Dynastie. Doch was Ludwig fehlt ist Liebe.

Als Kind flüchtet der Prinz in die Welt der Träume, denn Ludwig will ein edler Ritter sein - wie in den alten Heldensagen. Das Foto der Königsfamilie zeigt eine trügerische Idylle. Bruder Otto, König Maximilian, der strenge Vater, Mutter Marie, eine preußische Prinzessin, und Ludwig, ein schöner, melancholischer Knabe.

Schönheit und Fantasie

1864 stirbt sein Vater, viel zu früh für den verträumten Prinzen. Mit nur 18 Jahren wird Ludwig der Nachfolger von Maximilian II. Er ist nun König von Bayern. Seine Schönheit und Fantasie werden gerühmt. Doch auf die Verantwortung und Bürde seiner neuen Rolle ist er nicht vorbereitet.

Ludwig II. herrscht über ein Land im Umbruch. Hinter der bürgerlichen Idylle hat die industrielle Revolution schon begonnen. Die Bürger erhoffen sich Veränderung vom jungen König. Sie werden enttäuscht, denn er hat andere Pläne. Auf dem Dach seiner Münchner Residenz lässt er sich einen tropischen Garten bauen, eine fantastische Gegenwelt zum Alltag seiner Untertanen. Schauspieler müssen ihm dort Stücke vortragen.

Geld spielt keine Rolle

Im königlichen Hoftheater lässt er "Separatvorstellungen" aufführen, nur für ihn alleine, ohne störende Zuschauer. Besonders liebt er die Oper, Musik ist seine große Leidenschaft. Gleich nach der Thronbesteigung schreibt er seinem Lieblingskomponisten: dem Sachsen Richard Wagner, er solle nach München kommen. Geld spiele keine Rolle.

Die erste Begegnung ist für beide ein Schlüsselerlebnis. Wagner findet für sein Werk einen großzügigen Gönner - und Ludwig die Musik für seine Träume. Nie hat ein Komponist günstigere Bedingungen für sein Werk, ganz ohne Beschränkung: Wagner komponiert - und der König bezahlt. Er ist großzügig. Was er haben will, muss er bekommen, koste es was es wolle. Eine gefährliche Maxime.

Am nächtlichen Alpsee lässt sich Ludwig Wagners Oper Lohengrin vorführen. Es ist die Geschichte vom edlen Ritter, der die Welt erretten wird. Jetzt ist er den schönen Bildern seiner Kindheit ganz nah. So wie der edle Ritter will er sein - ein reiner Held ganz ohne Makel. Doch die Minister des Königs sind empört: Wagner habe zuviel Einfluss, sagen sie. Schon bald muss Wagner die Stadt verlassen. Ludwig verliert seinen Freund.

Seelen im Gleichklang

Auf der Roseninsel im Starnberger See trifft König Ludwig seine Cousine Sisi, die Kaiserin von Österreich und Sophie, ihre jüngere Schwester. Sisi ist seine einzige Vertraute. Und Sophie schwärmt für Wagners Musik - verwandte Seelen im Gleichklang. Eine Begegnung voller Magie. Der ersten Schwärmerei folgt eine hastige Verlobung.

Das ganze Land bewundert das schöne Paar. Man erwartet eine Traumhochzeit. Doch noch im selben Sommer schreibt Ludwig einen erstaunlichen Brief: Er löst die Verlobung, will Sophie nicht mehr sehen. Für sie und ihre Familie ist es ein Schock. Das Verhalten des Königs scheint unerklärlich.

Verborgene Seiten

Geheime Briefe Ludwigs II. zeigen die verborgenen Seiten des Königs: Es sind erschütternde Zeugnisse einer gequälten Seele. Zeile um Zeile enthüllt der König seine heimlichen Wünsche, gesteht die Neigung zu jungen Männern. Ludwig II. ist homosexuell und will es geheim halten.

Homosexualität war im 19. Jahrhundert ein schweres Verbrechen. Ludwig II. ist Katholik und streng gläubig. Immer wieder betet er, fleht er zu seinem Gott um Erlösung von der Sünde

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