Luftkorridor über der Levante

Israel ist ein Paradies für Zugvögel

Jedes Jahr ziehen fast eine Milliarde Zugvögel durch den Luftraum über Israel. Die Vogeldichte über dem Ostrand des Mittelmeeres ist die höchste auf der Welt. Doch warum ziehen die Vögel aus Mitteleuropa ausgerechnet auf dieser Route Richtung Süden?

Drei Vögel sitzen auf einem Schilfrohr
Drei Vögel sitzen auf einem Schilfrohr Quelle: ZDF

Das Hula-Tal im Norden Galiläas ist die ideale Raststätte für Zugvögel. An kaum einem anderen Ort treffen sich so viele unterschiedliche Zugvögel aus aller Welt. Forscher zählen mehr als 300 verschiedene Arten.

Das Geheimnis der Thermik

Wasservögel profitieren von den fischreichen Gewässern und tanken Kraft für ihren weiten Weg ins Winterquartier. Selbst Störche aus Deutschland entscheiden sich für den Flugweg über Israel. Was zieht die Vögel an dieser Route so magisch an? Warum nehmen sie nicht den direkten, kurzen Weg über das Mittelmeer, sondern fliegen einen riesigen Umweg?

Ein Storch breitet seine Flügel aus
Storch auf Ast Quelle: ZDF

Bei den Störchen ist diese Route einerseits Familientradition. Andererseits wird die Wahl des Reisewegs entscheidend durch den Energieverbrauch bestimmt: Als Segelflieger sind Störche nur tagsüber unterwegs. Nachts pausieren sie an Land. Erst die wärmenden Sonnenstrahlen ermöglichen Flugstrecken von bis zu 120 Kilometern pro Tag. Einer der Gründe dafür ist die Thermik: heiße Luft, die von unten nach oben strömt. Während der Sonnenstunden wärmt sich fester Boden viel stärker auf als die Meeresoberfläche. Daher strömt über dem Festland auch viel mehr heiße Luft von unten nach oben. Dieser warme Aufwind wird zum Beispiel von Segel- und Gleitschirmfliegern genutzt - aber auch von Tausenden Zugvögeln.

Energiesparender Formationsflug

Viele Vögel haben noch eine andere Strategie entwickelt, um möglichst energiesparend zu fliegen. Pelikane zum Beispiel reisen in strenger Formation. Damit steigern sie die Ausdauer des gesamten Schwarms. Die anstrengendste Aufgabe übernimmt der Leitvogel. Er verbraucht beim Fliegen die meiste Kraft. Seine Nachfolger fliegen auf den von ihm erzeugten Wirbelschleppen mit. Versetzt fliegend nutzt der nächste Pelikan den Aufwind des entstehenden Wirbels und lässt sich davon tragen. Im Vergleich zu einzeln fliegenden Pelikanen sparen die Vögel in der Formation bis zu 30 Prozent Energie. Auf diese Weise meistert selbst der bis zu 14 Kilogramm schwere Vogel Reisen von bis zu 7.000 Kilometern in sein Winterquartier in Afrika.

Pelikane im Formationsflug (Animation)
Trick Pelikane Quelle: ZDF

Für die globale Wanderung der Arten hat die Levante, der Korridor zwischen Mittelmeer und Jordan, seit jeher zentrale Bedeutung. Sie ist das schmale Bindeglied zwischen drei Kontinenten, an dem schon für unsere Vorfahren vor 1,8 Millionen Jahren kein weg vorbeiführte: Der Urmensch Homo erectus soll sich einst durch diesen Korridor auf seinen Weg von Afrika aus in die ganze Welt gemacht haben.

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