Luxus in Carnuntum

Wertvolle Funde belegen Bedeutung als Militärbasis und Handelsstadt

Ab Eining in der Provinz Raetien bildete die Donau den "nassen Limes" - bis zum Schwarzen Meer. Der Strom war die Hauptschlagader des Verkehrs für Handel und Militär. Einer der Zielhäfen versprach südliches Dolce Vita: die Luxusstadt Carnuntum am Donau-Hochufer im heutigen Niederösterreich.

Carnuntum Computerrekonstruktion
Carnuntum Computerrekonstruktion

Carnuntum ist eine der besterforschten römischen Städte am Limes. Die Archäologen stoßen auf Spuren aus fünf Jahrhunderten. In ihrer Blütezeit beherbergte die Metropole 50.000 Menschen. Um 6 nach Christus schlug der spätere Kaiser Tiberius in Carnuntum sein Winterlager auf und zog gegen die Markomannen unter König Marbod in den Krieg. Drei Jahre später gab Marbod den Kopf des Varus, den Arminius ihm als Zeichen des Sieges geschickt hatte, nach Rom weiter. Als Beweis der Bündnistreue.

Dem Militär folgen die Kaufleute

Grabungen in Carnuntum
Grabungen in Carnuntum

Doch die Markomannen blieben eine ständige Bedrohung. Das Legionslager Carnuntum wurde zur Basis für die Feldzüge ins Barbaricum. Dem Militär folgten die Kaufleute. Sie machten die Stadt reich. Das weckte Begehrlichkeiten. Im Jahr 171 opferten Markomannen und Quaden ihren Göttern römische Waffen. Ihr Heer hatte den Limes durchbrochen und Städte in Norditalien geplündert. Die Grenze war eben keine unüberwindbare Verteidigungslinie.

Kaiser Marc Aurel musste handeln. Auch er bezog Winterlager in Carnuntum, um im Frühjahr seine Legionen gegen den germanischen Feind zu führen. Die römischen Interessen reichten immer auch über den Limes hinaus. Nach der Schneeschmelze schlug das Imperium zurück. Die römische Kriegsflotte ruderte auf der March, die gegenüber Carnuntum in die Donau mündet, nach Norden. Tief hinein ins Kernland der Markomannen, im heutigen Mähren. Erst in höchster Not griffen die Götter ein. Ein kräftiges Gewitter rettete die seit Tagen eingekesselten, verdurstenden Männer, die schließlich erfolgreich nach Carnuntum zurückkehrten. Jeder Soldat dankte seinen Göttern. Die christlichen dem ihren.

Kaiser mit eigener Loge

Amphitheater in Carnuntum
Amphitheater in Carnuntum

In Carnuntum befinden sich zwei Amphitheater. Eines in der Zivilstadt und ein weiteres in der Nähe des Legionslagers. Mit blutigen Spielen wurde der Sieg gefeiert. Es herrschte ein gehöriger Bedarf an Gefangenen und wilden Tieren. Bei den Legionären besonders beliebt: Gladiatorenkämpfe, bei denen sich besiegte Germanen gegenseitig niedermetzeln mussten. Auf den Kaiser wartete eine eigene Loge, was auf die Bedeutung der Grenzstadt hinweist. Bewegliche Sonnensegel waren selbstverständlich, um je nach Tageszeit die feiernde Menge zu beschatten. Der römische Lebensstil hatte sich noch einmal durchgesetzt.

In einem Depot der Archäologen befinden sich Tausende von bunten Scherben: Die Fragmente stammen von dem farbenprächtigen Wandputz einer Villa Urbana, dem Stadthaus eines wohlhabenden Kaufmanns. Mit marmorglänzenden Wänden, wie sie auch in Pompeji entdeckt wurden. Die zu Reichtum gelangten Händler leisteten sich fast jeden Luxus. Der Schmuck für ihre Frauen konnte sich sehen lassen, oft ist er aus Bernstein. Das ist kein Zufall: Bei Carnuntum kreuzte die Bernsteinstraße von der Ostsee kommend die Donau. Die Vielzahl wertvoller Funde belegt den hochkarätigen Handelsknotenpunkt.

Allmählicher Untergang

Während die Landgrenze um 260 überrannt wurde und die Römer sich hinter Rhein und Donau zurückzogen, ging Carnuntum erst im 4. Jahrhundert allmählich unter. Bei der Grabung am Tiergarten haben die Forscher einen Setzungsriss in einer Fußbodenheizung lokalisiert. Dazu deuten planierte Schuttlagen und umgestürzte Mauern auf die Folgen eines Erdbebens hin. Diese Naturkatastrophe und die nachlassende Stärke des römischen Imperiums führten zur Aufgabe von Carnuntum als Flottenstützpunkt und Handelsplatz. Die Römer verlegten ihre Flotte 396. n. Chr. nach Vindobona, dem heutigen Wien.

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