Macht, Erotik und Politik

Katharinas Liebe zu Potemkin beflügelt die Expansionsgelüste

Den Sieg über Pugatschow verdankt Katharina einem Mann, den sie zehn Jahre lang insgeheim auf seine Rolle als neuen Favoriten und Ratgeber vorbereitet hat - General Grigori Potemkin. Dieser Mann hat alles, was die Zarin will. Er hat das Zeug zum Feldherrn und Staatenlenker - und zum begnadeten Liebhaber.

Es ist der Beginn einer leidenschaftlichen Liebe. Vom ersten Tag an schickt Katharina ihm Botschaften, in denen sie ihre große Sehnsucht gesteht: "Monsieur Potemkin, wie ist es Ihnen nur gelungen, meinen Kopf derart zu verwirren, der bislang als einer der besten in ganz Europa galt."

Legendäre Zettel und Briefe

Katharina wird ihrem "Eroberer" allerhöchsten Ruhm verdanken. Als Feldmarschall wird er große Schlachten für sie schlagen und Russland zu neuer Größe führen. Was die beiden verbindet, ist die Liaison von Macht, Erotik und Politik. Doch ist es wirklich Liebe? Der Historiker Detlef Jena findet unzählige jener legendären Zettel und Briefe, die das Liebespaar fast unentwegt austauschte: "Was für eine Sünde. Katharina II. als Opfer ihrer verrückten Passion. Noch ein Beweis, welche absolute Macht Du über mich hast." Koketterien einer verliebten Monarchin.

Katharina und Potemkin inszenierten ihre Liebe als großes Theater - und erhoben die Leidenschaft zum Motor der Weltpolitik. Bis heute wird spekuliert, ob sie heimlich geheiratet haben. Nur soviel ist sicher: Potemkin war für die Zarin mit dem erotischen Faible mehr als eine Marionette im Spiel mit der Macht.

Ein neues Russland


Katharina ist eine Herrscherin, die große Gesten liebt. Sie will auf dem Balkan ein Königreich nach byzantinischem Vorbild errichten. Grigori Potemkin soll das ehrgeizige Unternehmen leiten und das Reich gen Süden öffnen. Am Schwarzen Meer soll eine Bastion gegen das Osmanische Reich entstehen.



Ein neues Russland nach europäischem Vorbild, gekrönt von einer mächtigen Kathedrale als Wahrzeichen des Christentums.

Das Reich soll zum Ruhm Katharinas größer werden. Tausende von Leibeigenen ziehen voller Hoffnung in den Süden - angelockt durch die Aussicht auf persönliche Freiheit. Aus dem Nichts entstehen Dörfer, Städte und Festungsanlagen. Aus der Steppe erwächst blühendes Land. Mit harter Hand vergrößert Potemkin die Armee - durch ein Milizheer aus neu angesiedelten Bauern. Männer werden für den Krieg gegen die Türken zwangsrekrutiert. Russlands Rolle als Großmacht in Europa soll gefestigt werden.

Propaganda gegen die Türken



In Europa findet Katharina Unterstützung bei Voltaire, der Katharina bewundert und ihr aufmunternde Briefe schreibt: "Ich möchte einen Preis für denjenigen vorschlagen, der die Türken in das Land, aus dem sie kamen zurücktreibt. Noch immer glaube ich, dass dies Geheimnis Katharina II., die an der Spitze der Menschheit steht, vorbehalten bleibt. Ich werfe mich ihr zu Füßen und rufe ... Allah, allah, Catherine resoul."

Der Briefwechsel mit dem großen Denker entpuppt sich als Propaganda gegen die Türken. Monsieur fordert Madame zum Kreuzzug gegen die Ungläubigen auf: "Gott gebe, dass Mustapha geschlagen wird." Gekonnt bediente Voltaire die narzisstische Seite der Zarin, von der man sagte, dass Eitelkeit ihr Götze war.

"Den Türken den Mund stopfen"

Katharina weiß genau, dass Potemkin der Mann ist, der alle Voraussetzungen für den Krieg und für ihren Ruhm schafft. Gelassen wartet sie ab, bis der Sultan den ersten Schritt in den Krieg geht: "Gott weiß, dass ich nicht angefangen habe. Nicht zum ersten Mal schickt Russland sich an, seine Feinde nieder zu werfen." Die Zarin ist sich ihrer Sache sicher: "Wir wissen, Russland kann viel. Ich habe Luftschlösser gebaut und auf den Frieden gesetzt. Jetzt kann niemand mehr meine Bewegungen hemmen. Ich werde den Türken den Mund stopfen."

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