Machtwechsel am Nil

Tutmoses III. wird Alleinherrscher

22 Jahre hat Hatschepsut die Große über Ägypten regiert, dann tritt ihr Mitregent Tutmoses III. allein als Herrscher auf. Nirgendwo gibt es einen Hinweis darauf, wie und warum der Machtwechsel vollzogen wurde.

Der neue Pharao mit dem Krönungsnamen "Men-Cheper-Re" wurde zwar ebenfalls als Sohn eines Pharao geboren, aber seine Mutter ist nur eine Nebenfrau. Hatschepsut war blaublütiger - nur das Geschlecht ermöglichte dem Nachwuchs aus dem zweiten Glied die Thronfolge.

Erste Weltmacht der Geschichte

Tutmoses III. nutzt die Chance, die ihm das Schicksal nun gibt. Das traditionelle Bild vom übermächtigen Pharao, der die Feinde Ägyptens knebelt, ist diesmal keine Propagandalüge. Mit strategischem Weitblick und geschickt durchgeführten Militäroperationen macht er das Nil-Land zur ersten Weltmacht der Geschichte. Lässt soviel kluges Handeln und persönlicher Erfolg überhaupt Platz für kleinliche Rachegelüste an der Stiefmutter?

Auch die "Rote Kapelle" ist erst lange nach Hatschepsuts Tod zerstört worden, um einem noch prachtvolleren Bau ihres Nachfolgers Platz zu machen. Aber an vielen Orten kam es zu einem regelrechten Massaker an den Bildnissen der Königin. Fein säuberlich wurde sie mit dem Meißel für die Nachwelt "hingerichtet". Inzwischen ist als einziger Tatverdächtiger für diesen Frevel Tutmoses III. übriggeblieben. Rätselhaft bleibt sein Motiv und der genaue Zeitpunkt der Tat. Hat er seine Stiefmutter abgrundtief gehasst, weil sie ihn von der Macht fernhielt? Aber warum wurde Hatschepsut dann nur dort symbolisch liquidiert, wo sie die Insignien des Pharao trug, wie zum Beispiel die Uräus-Schlange am Kopf?

Erfolgreiche Geschichtslüge

Zwanzig Jahre - viel zuviel Zeit war vergangen, um aus Hass und Rache zu handeln. Es waren also keine persönlichen Gründe, die zu Hatschepsuts Verfemung führten und die sie aus ihrem eigenen Heiligtum verstieß. Der Nachwelt sollte ganz einfach verborgen bleiben, dass eine Frau es mit der Annahme der Pharaonenwürde gewagt hatte, gegen die Natur des ägyptischen Königtums zu verstoßen. Irgendwann hatte der alternde Tutmoses beschlossen, dass nicht sein kann, was nicht sein darf - und eine überaus erfolgreiche Geschichtslüge in die Welt gesetzt: dass es nie einen weiblichen Pharao gegeben habe.

Mehrere Jahrtausende sollte es dauern, bis die wahre Geschichte von Hatschepsut der Großen aus vielen unscheinbaren Bruchstücken wieder zusammengesetzt werden konnte. Und immer noch sind wichtige Details verschwunden und warten auf ihre Entdeckung.

Um das Jahr 1485 vor Christus verschwindet Hatschepsut aus den Zeugnissen ihrer Zeit. Ob es auch ihr Sterbedatum ist, bleibt bis heute ungeklärt.

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