Made in Africa

Was Bohrkerne und Buntbarsche über die Evolution des Menschen verraten

Im Malawisee im Süden Tansanias liegt ein Schatz verborgen: Bohrkerne aus seinem Sediment liefern wertvolle Informationen über das Klima in der Erdgeschichte. Vor rund 100.000 Jahren, vermuten Wissenschaftler, vernichtete eine extreme Dürre fast alles Leben in der Region. Ein einschneidendes Ereignis für die damaligen Bewohner der Erde - auch für den Menschen.

Afrika auf der Erdkugel wird von der Sonne beschienen (Trick)
Afrika auf der Erdkugel wird von der Sonne beschienen (Trick) Quelle: ZDF

Am Ufer des Malawisees sind die Jahrtausende alten Ablagerungen längst vom Wind verweht. Doch von Wasser bedeckt wurden am Grund des Sees die Geheimnisse der Vergangenheit bewahrt. Bohrungen auf Forschungsschiffen fördern den Sedimentschlamm aus der Tiefe. Die mehrere Meter langen Bohrkerne sind ein wertvolles Klimaarchiv. Geologen können in ihnen wie in einem Buch lesen.

Von der Dürre zur Vielfalt?

In den Sedimentschichten aus dem Malawisee haben Forscher Indizien für eine dramatischen Entwicklung in der Erdgeschichte entdeckt: Vor rund 100.000 Jahren vernichtete eine extreme Dürre in der Region fast alles Leben. Mit dieser Dürrekatastrophe lässt sich ein Phänomen erklären, das weltweit einzigartig ist. Im Malawisee gibt es mehr Fischarten als in jedem anderen See der Welt. Forscher nennen ihn daher auch "das Aquarium Gottes".


Nirgendwo sonst gibt es eine annähernd vergleichbare Vielfalt an Buntbarschen. Der See beherbergt über tausend verschiedene Arten. Viele ähneln sich in der Form, doch sie haben die unterschiedlichsten Nischen erobert und teilweise kuriose Verhaltensweisen entwickelt. Aber wie ist dieser Artenreichtum entstanden?

Ciclide in der Hand eines Tauchers
Ciclide mit Taucher Quelle: Frank Feustle

Überlebenskünstler im Tümpel

Während der extremen und lang anhaltenden Dürreperiode vor etwa 100.000 Jahren trocknete der Malawisee bis auf einige Teiche fast komplett aus. Die meisten Fische starben. In den Tümpeln passten sich die Übriggebliebenen an die neuen Lebensbedingungen an und spezialisierten sich. Aus den Überlebenden der Katastrophe entwickelten sich so in besonders kurzer Zeit neue Arten.

Als der Regen zurückkam, füllte sich der Malawisee wieder, und die unterschiedlichen Bewohner der einzelnen Becken sammelten sich schließlich im großen See. So entstand eine einmalige Vielfalt als Folge der Dürrekatastrophe. Die Bohrungen am Grund des Malawisees haben Licht in ein bewegtes Kapitel in der Geschichte Afrikas gebracht. Ein Kapitel, das auch weitreichende Konsequenzen für die Menschen hatte.

Tödliche Klimakatastrophe

Die Olduvai-Schlucht im Norden Tansanias gilt als eine Wiege der Menschheit. In dieser Gegend, die Teil des Großen Ostafrikanischen Grabenbruchs ist, wurden bei Ausgrabungen Skelettreste archaischer Menschen gefunden. Sie stammen aus der Zeit vor der großen Dürre, die vor rund 100.000 Jahren über alles Leben hereinbrach. In dieser verheerenden Episode der Erdgeschichte hatten die Menschen in der Region kaum eine Überlebenschance, denn die Nahrung wurde knapp: Es gab kaum noch essbare Pflanzen, das jagbare Wild war längst verendet. Und das größte Problem war der Wassermangel.

Um zu überleben, mussten die Menschen neue Strategien entwickeln. Sie lernten, Wasservorräte anzulegen. So gelang es einigen, längere Strecken zurückzulegen und in weiter entfernten Gegenden doch noch etwas Essbares zu finden. Nur in der Gemeinschaft ließ sich die prekäre Lage meistern. Diejenigen, die die schwere Zeit überlebten, perfektionierten die neuen Fähigkeiten. Kooperation wurde zum Erfolgsrezept.

Nur Zehntausend blieben übrig

Durch die Dürre allein war das Ausmaß der Katastrophe für die Menschen in Ostafrika allerdings nicht zu erklären. In jener Zeit kam ein weiteres Unglück über die Erde: ein gewaltiger Vulkanausbruch in Asien. Doch die Folgen für Afrika - damals die alleinige Heimat der Menschen - waren verheerend. Durch das fehlende Sonnenlicht starben Pflanzen und Tiere, das Land verwüstete.


Etwa zehntausend Menschen sollen diese Katastrophen überlebt haben. Heute weiß man: Auf diese kleine Gruppe gründet sich die gesamte Menschheit. Wissenschaftler vermuten, dass diese einschneidenden Ereignisse selektierend wirkten. Die Menschen, die sich an die dramatische Entwicklung nicht anpassen konnten, fielen durchs Sieb.

Von Afrika aus in die Welt

Als in einer neuen Epoche die Bedingungen besser wurden, entdeckten die Überlebenden neue Möglichkeiten. Sie besaßen das Kapital für die Zukunft - eine besondere Begabung zur sozialen Kooperation und eine ausgeprägte Intelligenz. Ausgerüstet mit den neuen Stärken erblühte die menschliche Kultur. Werkzeuge wurden gefertigt, Ornamente und Schmuck entwickelt. Kunst und Kultur wurden die neuen Motoren der Entwicklung. Hatten die Menschen zuvor kurz vor der Auslöschung gestanden, folgte nun eine wahre Bevölkerungsexplosion.

Lagerfeuer in der Savanne in Afrika
Lagerfeuer in Savanne Quelle: ZDF/Sabine Armsen

Das Land trug wieder reiche Früchte, und in ehemaligen Wüstengebieten gab es wieder Wasser. Nun ließen sich ausgedehnte Regionen durchwandern. Die Zeit war reif, neue Welten zu erkunden. Es war der Beginn eines unvergleichlichen Eroberungszugs, der die Menschen in die ganze Welt führte - auch nach Europa. Unsere Vorfahren hatten Fähigkeiten erworben, die ihnen nun neue Möglichkeiten eröffneten. Sie konnten sich unbekannten Herausforderungen stellen und an neue Lebensräume anpassen. Kein Flecken auf der Erde blieb von Menschen unerforscht. Und diese Erfolgsgeschichte hat in Afrika ihren Ursprung.

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