Mächtiges Gadara

Roms Griff nach dem Orient

Im heutigen Jordanien suchen der Archäologe Günther Schauerte und der australische Luftbildarchäologe David Kennedy mit alten Aufnahmen aus dem Ersten Weltkrieg im Gepäck nach den Grenzen des römischen Reiches. Das Photoarchiv hilft ihnen, die 2000 Jahre alten Grenzbefestigungen aus der Luft wieder zu entdecken.

Das prachtvolle Gerasa, die "Stadt der tausend Säulen", das "Pompeji des Ostens", ist aus der Luft nicht zu übersehen. Die reiche Römerstadt mit dem einzigartigen, säulenumstandenen, ovalen Platz hatte schon die Kampfpiloten im Doppeldecker fasziniert.

"Ballungszentrum der Antike"

Gerasa war Teil der Dekapolis, einem Verbund von zehn reichen Städten im heutigen Nordjordanien, einem "Ballungszentrum der Antike". Ihre Lebensadern waren perfekt ausgebaute Wüstenstraßen, sie verbanden Gerasa auch mit ihrer mächtigen Konkurrentin Gadara.

Im Jahre 64 vor Christus eroberte der große Feldherr Pompeius mit seinen Legionen das Gebiet der Dekapolis für Rom. Die Römer waren nun die neue Ordnungsmacht im östlichen Mittelmeerraum. Sie kontrollierten den Handel. Die Städte der Dekapolis blühten auf. Günther Schauerte lüftet mit seinem Team aus Archäologen, Architekten und Ingenieuren das Erfolgsgeheimnis von Gadara. Ein Grund für den Reichtum war der Frieden, die Pax Romana. Die "lange Straße" war Lebensader und Marktplatz zugleich, gesäumt von prächtigen Säulenhallen, in denen die Schätze des Orients gehandelt wurden.

Reiche Stadt ohne Garnison

Römische Legionäre sicherten die Straßen des Imperiums, schützten so das florierende Geschäft mit den Waren des Orients. Die Wagenspuren des Profits haben sich tief in die Römerstraße von Gadara gegraben. Doch warum hatte die reiche Stadt keine Garnison, dafür aber zwei Theater? Fühlte man sich so sicher, dass Lebensart und Luxus wichtiger waren als militärischer Schutz?

6000 Menschen bot das Nordtheater einst Platz. Gebaut wurde es wahrscheinlich unter Kaiser Augustus, dem "Erhabenen", um Christi Geburt. Der vom Grabungsteam eingemessene Stadtplan zeigt den unglaublichen Überfluss Gadaras. Die zweite Spielstätte liegt nur wenige Schritte von Schauertes Grabung entfernt. Ein solcher Luxus musste Begehrlichkeiten wecken.

Ausgeklügeltes System

Das Umland der Dekapolis wird von tiefen Wadis durchzogen. In ihrem Schutz konnten die Feinde, nomadische Araberstämme, unbeobachtet in das römische Herrschaftsgebiet eindringen. Zerklüftete Berge erschwerten die Kontrolle des Territoriums. Die römischen Grenztruppen mussten sich einiges einfallen lassen. Mit Spiegeln gaben sie bei feindlichen Einfällen Warnsignale, eine Kette von Wachtürmen markierte die Grenze - ein ausgeklügeltes System. Im Hinterland gelagerte Kampftruppen wurden so alamiert. Der Limes Orientalis, die Grenze des römischen Imperiums im Orient, funktionierte auch ohne Mauern.

Feuerzeichen hielten die Kommunikation auch nachts aufrecht. Die Angst vor Angriffen aus der Wüste muss groß gewesen sein. Denn auf dem Gebiet des heutigen Jordanien waren 30.000 römische Soldaten stationiert.

Antiker Heerweg

Nur aus der Luft ist eine Römerstraße zu erkennen, die wie mit dem Lineal gezogen ist. Schauerte muss nur den Straßengraben reinigen. Der 2000 Jahre alte Heerweg ist bis auf die antike Straßendecke erhalten. Ein Mittelstreifen trennt die beiden Fahrspuren. Die Breite von sechs Metern belegt das von den römischen Ingenieuren verwendete Fußmaß von 30 Zentimetern. Die Straßen ermöglichten den Römern sehr schnelle Truppenverlagerungen an die jeweiligen militärischen Brennpunkte.

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