Magnetische Prospektion

Ein Scanner lüftet die Geheimnisse um Piramesse

Die umfangreichen Stallungen sowie die vermutliche Anzahl der Pferde untermauern die These der Forscher: Qantir ist Piramesse. Um den Beweis anzutreten, müssten sie die riesige Stadt komplett ausgraben - ein unrealistisches Vorhaben. Die Lösung verspricht ein spezieller Boden-Scanner.

Magnetische Prospektion Quelle: ZDF

Pro Kampagne kann das Team lediglich begrenzte Abschnitte dokumentieren. Danach muss die Fläche wieder zugeschüttet werden. Ein Gesamtbild der Metropole wird es nie geben.

Aufnahme mit dem magnetischen Prospektions-Verfahren Quelle: ZDF

Signifikante Strukturen

Die Lösung verspricht ein technisches Verfahren, mit dem man in den Boden schauen kann, ohne einen einzigen Stein zu bewegen: die magnetische Prospektion. Schritt für Schritt gehen die Geophysiker das ausgedehnte Fundfeld ab. Dabei zeichnet der Apparat den genauen Verlauf von Lehmziegelmauern und Sandfundamenten auf. Die Daten aus dem Erdreich erscheinen als helle Linien wie auf einem Foto-Negativ. Wenn unter den Feldern von Qantir tatsächlich eine große Stadt liegt, dann müsste der Scanner Mauern, Häuser und sogar Straßen abbilden. Der Glücksfall tritt ein. Schon nach kurzer Zeit haben die Männer signifikante Strukturen im Kasten, die auf eine Besiedlung hinweisen.

Nur wenige Zentimeter unter der Oberfläche befinden sich die einstigen Grundmauern eines Gebäudes, wie auf einer Luftaufnahme werden die Grundrisse sichtbar. Von dem Ergebnis beflügelt, setzen Edgar Pusch und sein Team die Arbeit fort. In 60 Tagen scannen die Geophysiker ein Gebiet von mehr als zwei Quadratkilometern rund um Qantir. Eine der umfangreichsten Untersuchungen, die je mit der Prospektionstechnik vorgenommen wurden. Vor dem Deutschen liegt der Bauplan einer gigantischen Stadtanlage, die vor mehr als 3.000 Jahren in leuchtenden Farben in der Sonne erstrahlte. Eine Metropole, die nach Meinung des Archäologen nur Piramesse sein kann.

Animation Tempel Quelle: ZDF

Vielzahl von Weihestätten

Der faszinierendste Teil des riesigen Geländes war ein überdimensionales Bauwerk genau in der Mitte. Es umfasste mehr als 41.000 Quadratmeter. Im Zentrum des früheren Gebäudes kann man eine Reihe von Räumen erkennen, allesamt ausgestattet mit symmetrisch angeordneten Säulen. Höchstwahrscheinlich handelte es sich um einen Tempel. Tempel spielten im Alltag des alten Ägypten eine zentrale Rolle. Die Götter verlangten, so hieß es, eine angemessene Größe und prunkvolle Ausstattung des Heiligtums. Der Plan zeigt eine Vielzahl von Weihestätten, allen voran der Amun-Tempel. Daneben aber auch luxuriös angelegte Privathäuser.

Der westliche Teil der Anlage war ein ausgedehntes Villen-Viertel mit langen geraden Straßen, die sich im rechten Winkeln kreuzten. Die Gebäude selbst sind auf der Aufnahme von weißen Linien umrandet, das waren die Grenzmauern. Die südliche Kante der Siedlung markiert eine schwarze Linie, sie deutet die Uferbefestigung des Pelusischen Nil-Arms an. Der Westteil der Mega-City war eine vornehme Wohngegend. Die Domizile der Reichen reihten sich aneinander wie am Reißbrett entworfen. Ranghohe Militärs, Adlige und verdiente Beamte blieben in der Bilderbuchsiedlung mit Nilblick ein abgeschirmter Kreis.

Animation dichte Bebauung von Piramesse Quelle: ZDF

Reicher Westen, armer Osten

Die Straßen des östlichen Stadtteils verliefen weder gerade, noch ergaben sie ein einheitliches Muster. Dieses Viertel mit seinen vielen, sehr kleinen Häusern dürften sozial Schwächere bewohnt haben. Außerdem gab es dort offenbar viele kleine Handwerksbetriebe. Die Kehrseite von Piramesse: das Quartier von Arbeitern und Handwerkern mit einfachen Hütten - die meisten wie dahingewürfelt. Dazwischen wanden sich kleine, enge Gassen. Zigtausend Menschen lebten Tür an Tür in mehr oder weniger primitiven Verhältnissen.

Der Blick auf das Filetstück bleibt den Forschern jedoch verwehrt. Ausgerechnet das Zentrum der Macht fehlt auf dem Plan. Das moderne Qantir inmitten der Felder macht die Fortführung der magnetometrischen Messung unmöglich. Die zum Teil mehrstöckigen Häuser der 40.000 Einwohner drängen sich dicht aneinander. Der Stadtkern breitet sich direkt über dem Regierungspalast von Ramses aus, so die Vermutung des Ausgräbers.

Tempelanlage Luxor Quelle: ZDF

Die Residenz war vermutlich eine majestätische Anlage, die über 15 Quadratkilometer einnahm. Vier überlebensgroße, freistehende Statuen mit dem Abbild des Königs bewachten den Eingangsbereich. Über Fluchten von Hallen und Repräsentationsräumen gelangten die Höflinge in den reich dekorierten Thronsaal des Regenten. Der Tempel von Luxor lässt ahnen, mit welchen Dimensionen Piramesse einmal von sich reden machte. Auch dort verewigte sich Ramses der Große in eindrucksvollen Figuren. Die Säulenhalle von Karnak, wenige Kilometer weiter nördlich, erinnert ebenfalls an den besessenen Bauherrn. Später kopierte Ramses III. den genialen Entwurf in Medinet Habu. Doch kein Pharao überflügelte den visionären Architekten von Piramesse.

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