Maharadschas

Die Diener des großen Mogul

Seit dem Eroberungszug Alexander des Großen haben die in ihren alten Religionen verhafteten Inder viele fremde Herren gesehen. Generäle und Soldaten, die blieben, heirateten. Sie stellten gemeinsam mit einheimischen Fürsten die neuen Oberschichten. Die indischen Radschas integrierten sich in jedes neue Machtgefüge. Fremdherrschaft wird für die Bevölkerung Indiens zum gewohnten Zustand.

Maharadscha unterschreibt Vertrag (Spielszene)
Maharadscha unterschreibt Vertrag (Spielszene)

Qutb-du-Din Aibak gelangt als Sklavensoldat türkischer Abstammung in den Besitz des afghanischen Eroberers Mahmud von Ghor. Mit seinem Kriegsherren zieht er nach Indien und macht eine steile Karriere. Als sein Herr stirbt gründet Qutb-du-Din Aibak 1206 die erste islamische Dynastie in Indien. Seinen Sohn ernennt der Kalif selbst zum Sultan. Von Delhi aus unterwerfen er und seine Nachfolger weitere hinduistische Fürstentümer im Süden. Sie gründen neue Sultanate, setzen Offiziere als Stadthalter ein und bauen ihre Moscheen oft auf den Grundmauern zerstörter Tempelanlagen. Unter der neuen islamischen Oberschicht bleiben die alten hinduistischen Strukturen erhalten.

Aufstieg und Fall der Mogulherrscher

1526 begründet Babur, ein Nachfahre Dschingis Khans, die Mogulherrschaft in Indien. Er erobert Delhi, nennt sich Großmogul von Indien und vereint die Teilreiche des Subkontinents unter seiner Herrschaft. Das Leben der indischen Völker wird seit mehr als 3000 Jahren durch das Kastenwesen bestimmt. Indogermanische Eroberer teilten die Bevölkerung in vier unterschiedliche streng gegeneinander abgegrenzte Gruppen, "Varna" genannt: Brahmanen (Priester und Weise), Krieger, Bauern und Händler sowie einfache Arbeiter. Jeder hat entsprechend der Kaste, in die er hineingeboren wird, seine Aufgaben im Leben zu erfüllen. Auch Fremde finden im Kastenwesen einen Platz, sofern sie seine Regeln beachten. So bleibt die Ordnung im Staat stabil, auch wenn kein geistliches Oberhaupt und kein Herrscher darüber wachen.

Der islamische Großmogul herrscht mit Hilfe seiner Fürsten, der Radschas, einer, aufs Ganze gesehen, kleinen Schicht von unterschiedlicher nationaler und religiöser Herkunft. Er belohnt seine Diener mit Landbesitz. Jeder Maharadscha besitzt für sein Gebiet die politische und militärische Gewalt. Er muss Kriegsdienst leisten und er hat das Recht, Steuern fest zu setzen und einzutreiben. Von den Steuern muss er seinen eigenen Aufwand bestreiten und Abgaben für die Hofhaltung und herrschaftliche Projekte des Großmoguls leisten. Macht und Glanz des islamischen "Beherrscher der Gläubigen" können sich nur dann entfalten, wenn es dem Herrscher gelingt Eintracht und Loyalität der Maharadschas durch Großzügigkeit und religiöse Toleranz zu sichern. Und zugleich die gewaltigen Erträge des Reiches durch seine Staatskasse zu lenken. Unter Shah Jehans (1627 - 1658) erlebt Indien eine märchenhafte wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit und gelangt zugleich an die Grenzen seiner Kraft.

Die Engländer versuchen ihr Glück

Die Kosten für den Bau des Taj Mahal und andere Prachtbauten ruinieren die Staatsfinanzen. Als Shah Jehans Sohn die religiöse Toleranz ablegt und sich als sunnitisch islamischer Hardliner entpuppt, sind Aufstände in den Provinzen (Marathas, Rajputen und Bengalen), Zwietracht unter den Radschas und der Niedergang des Mogulreichs vorgezeichnet. Unruhe erfasst die Maharadschas. Einzelne ,wie der Nizam von Hyderabat, machen sich selbständig. Die europäischen Staaten greifen in die politischen Auseinandersetzungen ein und geraten auch untereinander in Konflikte. Die Briten besiegen und vertreiben 1760 die Franzosen aus Indien. 1757 greift Robert Clive, ein Offizier der Britischen Ostindiengesellschaft, mit einheimischen Truppen unter britischen Offizieren, in Bengalen militärisch ein. 1765 besiegt er auch das Heer des Großmogul. Die Folge: Robert Clive erhält vom Herrscher "Diwani" zuerkannt, die Steuergewalt über Bengalen und Bihar, er wird faktisch zum Radscha des Mogul.

Die Engländer nutzen das vom Mogul übernommene Herrschaftssystem. Sie überlassen den einheimischen Radschas die Verwaltung und gewähren ihnen hohe Unterhaltszahlungen aus den Steuern. Einige dürfen sogar eigene Soldaten halten. Doch die politische Gewalt und den Großteil der Einkünfte behält sich die Ostindien-Kompanie vor. Die bestehende Ordnung in Indien bleibt auch unter den neuen Herren gewahrt. Das Kastensystem und die Maharadschas bleiben. Doch im Widerstand gegen Fremdherrschaft, der bereits unter den islamischen Mogulherrschern beginnt, steckt eine Sprengkraft, die auch die Briten und ihre "Kaiserin von Indien" auf Dauer nicht aufhalten können. Soldatenaufstände und die Gründung des Nationalkongress in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts führen auf langem Weg zur Unabhängigkeit Indiens (1947). Die Maharadschas sind Geschichte.

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