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Making of

Sturm über Europa

Bei der Konzeption der Reihe "Sturm über Europa" stellte sich das Problem, die gewaltigen Migrationsbewegungen, die im Mittelpunkt des Stoffes stehen, visuell zusetzen. Denn Heerscharen wandernder Germanen zu zeigen, oder gar bewaffnete Konflikte zwischen den Barbaren und den Römern, ist von der technischen und finanziellen Machbarkeit eigentlich dem Kino vorbehalten.

Step Frame Printing

Allein auf Schauspieler und Komparsen zurückzugreifen, um wie bei Sphinx oder Terra X historische Abläufe zu illustrieren, war für dieses Thema nicht ausreichend. Also beschlossen die "Macher", sich ergänzend des Computers zu bedienen und eines Verfahrens mit der Bezeichnung "Step Frame Printing". Dies ermöglichte es, aus wenigen Dutzend Statisten ganze Heerscharen zu zaubern. Besonders erfahren auf diesem Gebiet ist die TV-Grafikdesign-Firma Big Squid in Bristol, die unter ihrem Creative Director und Emmy Award-Preisträger Richard Higgs bereits mit der Kölner Filmfirma Gruppe 5 erfolgreich zusammengearbeitet hatte.

Naturkulisse der Zeitenwende

Schon in der Entstehungsphase der Produktion stimmte sich Richard Higgs mit der Gruppe 5 ab, um sein Verfahren bereits für die Erstellung des Drehbuchs und vor allem die Vorbereitung der Dreharbeiten nutzbar zu machen. Es wurden Storyboards entworfen, die veranschaulichten, wie die einzelnen Szenen optimal gedreht werden mussten, um sie möglichst unkompliziert am Computer endbearbeiten zu können. Dazu gehörte auch, in Europa die der Naturkulisse der Zeitenwende in etwa entsprechenden Locations zu finden. Insgesamt haben Mitarbeiter von Big Squid über ein Jahr mit dem Team um Producer Christian Feyerabend und Regisseur Christian Twente zusammen gearbeitet - in Spanien, Marokko, Österreich, Tschechien und England.

Aus 20 Komparsen werden 210

Das für die Völkerwanderung benötigte Trickverfahren "Step Frame Printing" basiert auf der Grundidee, einzelne Bildelemente aus einer Totalen gleichsam "herausschneiden" zu können, um sie mit weiteren Bildelementen letztlich in eine endgültige Einstellung einzupassen. Ein Beispiel für die Anwendung des Verfahrens: die Szene mit den Westgoten, die im Jahr 376 auf der Flucht vor den Hunnen in gigantischer Schar die Donau überqueren müssen. Die Requisite hatte drei Flöße gebaut. 20 "westgotische" Komparsen standen zur Verfügung. Die Kamera hatte einen festen Standort, und nun mussten die drei Flöße an verschiedenen Stellen mehrmals den Fluss durchqueren. Diese Stellen waren für die Kamera auf dem Kontrollmonitor genau markiert. Die gesamten Dreharbeiten dauerten nur 90 Minuten. In der Postproduktion wurden die Flöße der einzelnen Takes "ausgeschnitten" und in einer endgültigen Einstellung auf das Ursprungsbild des Flusses nebeneinander gelegt. Auf diese Weise wurde schließlich der Effekt erzeugt, 30 Flöße mit 210 Komparsen hätten in einer Einstellung die Donau passiert.

Zeit und Kosten gespart

Real hätten die Arbeiten mit einer entsprechenden Anzahl von Darstellern natürlich länger gedauert und wären zudem ungleich teurer geworden. Analog wurde mit den Szenen über die Vandalen in Nordafrika, den Westgoten in Spanien und den Hunnen in der Nähe von Prag verfahren. Es wurde darauf geachtet, die digitale Methode nicht über Gebühr einzusetzen, sondern nur an den Stellen, an denen im Rahmen der wildbewegten Völkerwanderungsepoche große Wanderungen oder Schlachten zumindest im Ansatz abgebildet werden mussten - an denen sie für die Erzählung also unabdingbar waren.

Drei Jahre Produktionsszeit

"Sturm über Europa" wurde von der Gruppe 5 produziert, einer der ambitioniertesten und erfolgreichsten Produktionsfirmen für "factual entertainment" (Dokumentation, Reportagen, Magazinbeiträge) in Deutschland. Fast drei Jahre lang hat das Team um Uwe Kersken (Produzent), Christian Feyerabend (Buch und Regie), Christian Twente (Inszenierungen) und Nina Koshofer (Regie) sowie Torbjörn Karvang (Kamera) an diesem aufwändigen Vierteiler gearbeitet. Für den Schnitt war Marc Schubert, für die Musik Thomas Wolter verantwortlich. Für die Actionszenen waren vor allem zwei Firmen in Tschechien (Three Brothers, Prag) und in England (Britannia, London) zuständig. Die komplizierte dokumentarische Recherche der Grabfunde und Exponate aus der Völkerwanderungszeit übernahmen Daniela Gieseler und Judith Voelker. Die Produktionsleitung für Gruppe 5 hatte Miriam Brühl inne. Die redaktionelle Betreuung seitens des ZDF oblag Peter Arens aus der Redaktion "Geschichte und Gesellschaft".

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