Marc van Roosmalen

Affenforscher am Amazonas

Der Rio Aripuana ist das Lieblings-Revier des holländischen Naturforschers Dr. Marc van Roosmalen - denn vor ihm war hier noch niemand auf der Suche nach neuen Tier- und Pflanzenarten.

1996 ist Marc van Roosmalen zum ersten Mal hierher gekommen - auf der Suche nach einer neuen Affenart, von der er gehört hatte, sie lebe irgendwo am 2000 Kilometer langen Madeira. Es wurde eine neun Monate lange Odyssee, bei der van Roosmalen mehr als nur eine neue Affenart entdeckte.

Experte für Indio-Kultur

Das Bestimmungsbuch der tropischen Früchte hat er gleich selbst geschrieben. Denn wer Affen finden will, muss die Früchte kennen, von denen sie sich ernähren. Und: Was Affen schmeckt, füllt zur Not auch den Bauch des Forschers - hunderte von Kilometern entfernt von den Errungenschaften moderner Zivilisation. So ist van Roosmalen nebenbei auch zum Experten für Indio-Kultur geworden.


In den alten Indio-Dörfern wohnen heute die Caboclos, die Siedler mitten im Regenwald. Ohne deren Hilfe wird der Aripuana schnell zum undurchdringlichen Labyrinth. Denn jedes Jahr während der Regenzeit steigt der Fluss um zehn Meter an und überschwemmt kilometerbreit seine Ufer.

In der Stille des überfluteten Regenwaldes hat sich Affenforscher Marc van Roosmalen an große Entdeckungen gewöhnt. 1996 hat er hier das Zwergseidenäffchen aufgespürt - eine neue Gattung des Krallenaffen und damit eine wahre Sensation: die erste neu entdeckte Affengattung seit Ende des 19. Jahrhunderts. Wenn er eine neue Variante des Wollaffen in den Baumwipfeln erspäht, regt sich van Roosmalen kaum noch auf. Die freundlichen Vegetarier leben nur im Amazonasgebiet. Van Roosmalen hat schon hunderte von ihnen gesehen - diesmal aber ist er sicher, unter all den guten alten Bekannten eine neue Unterart entdeckt zu haben.

DNA-Analysen mit Affenkot

Der Wollaffe hat seinen Kot direkt in Roosmalens Kanu fallen lassen. Nun kann er genau untersuchen, was der Affe gegessen hat - und es reicht für eine DNA-Analyse. Roosmalen ist sich nämlich sicher, dass dies ein neuer Wollaffe ist, der wissenschaftlich noch nicht beschrieben wurde. Auf dem Forschungsschiff Callibella bereitet van Roosmalen den Affenmist für eine Analyse im Labor vor.

Als der Affenforscher seine ersten Entdeckungen veröffentlichte, kürte ihn das "TIME-Magazine" zum "Helden des Planeten". Und van Roosmalen hat Großes vor: Er will den Regenwald retten - für sich, seine Affen und die Menschen, die er hier kennen gelernt hat. Roosmalen benennt seine neu entdeckten Urwaldtiere nach großzügigen Spendern aus Europa. Denn auch das Seidenäffchen wird nur überleben, wenn es gelingt, seinen Lebensraum zu erhalten.

Verbotener Export

Dieses Jahr haben die brasilianischen Behörden über 50 Affen aus seinem Garten in Manaus beschlagnahmt, dazu Computer-Festplatten und Forschungs-Unterlagen. Der Grund: Der gebürtige Holländer, bis dahin Wissenschaftler am Amazonas-Institut INPA, hatte Affenkot zur Analyse nach New York geschickt. Die Behörden haben das als "verbotenen Export von Bio-Material" ausgelegt. Seither fühlt sich Roosmalen verfolgt. Denn selbst dem brasilianischen Staat geht sein kompromissloser Kampf für den Regenwald zu weit.

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