Margaretha auf dem Brüsseler Parkett

Von der hessischen Provinz in die High Society

Margaretha von Waldeck macht sich standesgemäß ausgestattet auf den Weg in die aufregende Welt des europäischen Hochadels. In der Residenz von Maria von Böhmen und Ungarn wartet auf sie ein strenges Reglement.

Als Hofjungfer muss sie feste Aufgaben erfüllen und wird eine unter vielen sein. Vorbei die Zeit, in der sie im Schloss von Waldeck wie eine Prinzessin verhätschelt wurde. Eigentlich sollte Margaretha schon mit 13 Jahren nach Brüssel reisen. Aber ihr Vater schrieb eine Absage.

Fahrt ins Ungewisse

Erst als der Gefangene Philipp der Großmütige um ihre Entsendung nachsucht, bricht sie auf. Er weiß, dass Frauen bei Fürsten viel vermögen. Wie alt das Mädchen ist, als es die Heimat schließlich verlässt, bleibt unklar. Die Wildunger Chronik vermerkt nur, dass Margaretha lange Zeit in Marias Diensten stand. Die bevorstehende Reise ist eine Fahrt ins Ungewisse. Vielleicht nur ein Zufall, aber auch Margaretha muss sieben Berge überwinden. Ein langer und beschwerlicher Weg, der sie an jenen Ort bringt, an dem ihr Leben eine völlig neue Wendung nimmt: nach Brüssel.



Seit der Gründung im 10. Jahrhundert machte Brüssel eine steile Karriere: als Festungsort, Handelsplatz und religiöses Zentrum. Oberhalb der Grande Place, die heute zahlreiche Touristen anlockt, erhob sich einst die prunkvolle Residenz Kaiser Karls V. - das Palais Caudenberg. Fast nichts ist von der alten Pracht erhalten - bis auf wenige Mauern, die längst überbaut sind. In der Nacht zum 4. Februar 1731 fiel der Herrschersitz einem katastrophalen Brand zum Opfer. Das verheerende Feuer entflammt in der Küche und vernichtet mit einem Schlag wertvolle Spuren vergangener Jahrhunderte.

Strenge Kontrollen

Zu Zeiten von Maria von Ungarn eilten Beamte, Diener und Kammerherren durch die endlosen Flure und Zimmerfluchten. Immerhin 150 Personen umfasste der Hofstaat der pflichtbewussten Regentin.
Ihre neue Untergebene betritt erwartungsvoll ihr zukünftiges Zuhause. Ab sofort gilt auch für Margaretha das spanische Hofzeremoniell, dem sie sich widerspruchslos zu fügen hat. Von der Kleiderordnung bis hin zu den Mahlzeiten unterliegt jeder Schritt der strengen Kontrolle der Hausherrin. Als Zeichen der Ehrerbietung muss jeder Ankömmling den Eid auf sie ablegen.

Ein minutiöser Stundenplan, der morgens um fünf beginnt, regelt fortan den Tagesablauf. Zwar kann die junge Adlige in Brüssel ihre Erziehung vervollständigen, doch in der Rangordnung steht die Ehrenjungfer noch unter den Hofdamen. Auch darf sie sich zu keiner Zeit absondern und muss um 10 Uhr abends die Kerzen löschen. Doch die Hoffnung, rasch in der Hierarchie aufzusteigen, beflügelt ihren Ehrgeiz. Selbst im engen Korsett der Konventionen gibt es genügend Gelegenheit für Zerstreuung.

Rauschende Feste

Das schillernde Leben inmitten der europäischen High Society verheißt Luxus pur und rauschende Feste in dem riesigen Ballsaal, der Aula Magna. Eigentlich großartige Aussichten für das Mädchen aus der hessischen Provinz. Und genau das richtige Pflaster, um eine gute Partie zu machen. Der Herrschersitz zieht seinerzeit viele potenzielle Kandidaten aus den wichtigsten Königshäusern an. Die Residenz gilt als bekannter Heiratsmarkt für höhere Töchter.


Versteckte Tändeleien und das Werben um die Gunst des geeigneten Anwärters hält die Backfische in Hochstimmung. Nach außen hin sittsam, beobachten sie eifersüchtig, wer mit wem tuschelt oder gar heimliche Verabredungen trifft. Es dauert nicht lange und Margarethas Schönheit ist in aller Munde. Sie zieht die Blicke auf sich und kann sich über mangelnde Avancen nicht beklagen. Ein Wechselspiel der Gefühle - zwischen sehnsüchtiger Erwartung und der Befürchtung, den Pfad der Tugend zu verlassen.

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