Maritime Großmacht

Mit Schatzschiffen auf der Suche nach neuen Absatzmärkten

Jede der sieben Expeditionen dauert zwei Jahre. Stets segelt die Flotte auf gleichen Routen, stets ist das Ziel der Indische Ozean. In der Arabischen See steuert sie die Häfen von Hormuz und Aden an. Ihr südlichster Punkt ist Mombasa.

China tritt zum ersten Mal als maritime Großmacht auf. Doch welche Aufgaben hat die Flotte vor Ort?

Diplomatische Vertretungen

Kontakte und politische Beziehungen sollen geknüpft werden: Die Schatzschiffe dienen dabei als diplomatische Vertretungen des Drachenthrones. In den Luxuskabinen der Admiralität werden zu Ehren der ausländischen Herrscher und Gesandten Empfänge gegeben und Feste gefeiert. Dabei geht es um Handel, Tribute und um neue Absatzmärkte.


Vor allem an der Südküste Indiens geht die Flotte wochenlang vor Anker. Denn ein wichtiger Umschlagplatz für Güter aus aller Welt ist die indische Hafenstadt Culicut: Als Bindeglied zwischen Asien und Europa ist sie ein Treffpunkt für Händler aus aller Welt. Hier setzen die Chinesen die Produkte ab, mit denen ihre Schiffe beladen sind: Luxusgüter für den Weltmarkt. Versunkene Schatzschiffe hat man noch keine gefunden. Dennoch gibt es auf dem Meeresgrund Hinweise, welche Waren die Chinesen exportierten. Archäologen fanden vor der Küste Vietnams ein gesunkenes chinesisches Handelsschiff aus früherer Zeit - beladen mit Porzellan.

Seeweg als Alternative

Die Flotte soll den Fernhandel neu beleben: Denn auf dem Landweg ist die zerbrechliche Ware schlecht zu transportieren. Die Seidenstraße ist wegen der Mongolen unpassierbar. Als Alternative bleibt nur der Seeweg. Porzellan, das weiße Gold Chinas, gehört schon damals zu den kostbarsten Handelsgütern der Welt. Von den Werkstätten im Herzen des Landes findet es seinen Weg bis an die Höfe Europas. Für die kaiserliche Flotte ist das Porzellan ein Schlüssel zur Wirtschaft der Welt. An den schlichten europäischen Produkten wie Wolle oder Wein haben die Chinesen kein Interesse. Für das weiße Gold tauschen sie lieber Gewürze ein. Im 15. Jahrhundert ist vor allem Pfeffer als Luxusware sehr begehrt.


Die "Gewürzküste" Indiens ist für die Chinesen schon seit Generationen Anlaufstelle für ihren Handel. Der Einfluss Chinas zeigt sich an den Fangmethoden indischer Fischer. Denn die schaufelähnlichen Netze sind eine chinesische Erfindung. Diese Methode ist an der Südküste Indiens genauso gebräuchlich wie an den Küsten Chinas - ein Wissenstransfer, dessen Spuren noch heute sichtbar sind.

Vorherrschaft der Ming-Dynastie

Ein wesentlicher Teil der Flottenmission ist es, Tribute bei den ausländischen Machthabern einzufordern. Damit unterwerfen sich diese Fürsten dem Kaiser von China. Die Vorherrschaft der Ming-Dynastie soll von allen Ländern anerkannt werden. Aber nicht immer geschieht dies freiwillig. So widersetzt sich der König von Sri Lanka den Tributforderungen des chinesischen Kaisers.



Nicht immer erweist sich Zheng He als Botschafter in friedlicher Mission. Er ist bereit, Chinas Anspruch als Hegemonialmacht notfalls auch mit Waffengewalt durchzusetzen. Im Fall von Sri Lanka demonstriert er Stärke. Er schickt Soldaten an Land und eröffnet den Krieg. Der König wird durch einen kooperationsbereiten Rivalen ersetzt, der Tribut leistet. Es ist die einzige bedeutsame Landschlacht außerhalb Chinas, die die kaiserliche Armee je gefochten hat.

Meist nur Säbelrasseln

Und doch wird das Reich der Mitte zu einem Machtfaktor, seine überlegene Flotte zu einer Bedrohung für alle, die sich weigern, Chinas Oberherrschaft anzuerkennen. Doch meist rasselt China nur mit dem Säbel. Das Erscheinen der Flotte ist beeindruckend genug, um chinesische Forderungen durchzusetzen.

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