Markt und Landwirtschaft

Die Geschichte des Gauklers Adam (1)

In den Bibliotheken des Mittelalters erfahren wir über die Bauern nur wenig. Sie sind die stumme Mehrheit dieser Epoche. Nur in Gebetsbüchern ist ihr Leben in prächtigen Miniaturen dargestellt. Da aber auch diese Bilder des Mittelalters nicht die Armut und Unfreiheit der Bauern zeigen, muss einer von ihnen erzählen, der sie gut kannte: Adam, einer aus dem fahrenden Volk der Gaukler. Hier ist seine Geschichte:

"Adam nennt man mich. Ich bin ein Kind der Venus, denn ich kenne weder Vater noch Mutter, noch weiß ich, wo ich herkomme. 'Luft hat keine Balken', sagen die Bauern. Ich lebe davon."

Frei und ungebunden

"Seit ich auf der Welt bin, ziehe ich umher, bin heute hier, morgen dort, um mir ein paar Heller zu verdienen. Besonders willkommen sind uns die Hochzeiten der Bauern. Sie sehen uns Gauklern gerne zu, obwohl sie uns verachten und für ehr- und rechtlos halten. Dabei sind sie hörig, Fußlappen der Herren. Wir Vaganten aber sind frei und ungebunden."

"'Heirate über den Mist, so weißt du, wer sie ist, ' glauben sie. Aber nicht einmal die Ehe dürfen sie ohne Zustimmung ihres Herrn schließen. Damit er auf das ius primae noctis, sein Recht auf die erste Nacht verzichtet, muss der Bräutigam ihm als 'Jungfernzins' den 'Stechgroschen' zahlen. Dass ein Herr einmal von seinem Recht der ersten Nacht Gebrauch gemacht hätte, habe ich allerdings noch nirgendwo gehört."

Scharlatane und Kurpfuscher

"Ihre Welt endet an den Grenzen des Dorfes. Deshalb meinen sie, wenn man vom Markt kommt, sei man klüger. 'Kommt alle her, ob Mann, ob Weib. Ich helf' mit Gott', kommt es von den Ständen. Ich verstehe mich aufs Aderlassen, ich kann sogar den Star stechen und Blinde wieder sehend machen. Und ihnen die faulen Zähne brechen. Wundermittel überlasse ich den Scharlatanen und Kurpfuschern, ich verstehe mich auf mein Handwerk. Wenn doch nur alle Tage Markttag wäre. Im Handumdrehen hätte ich mein Geld verdient."

"Dieses armselige Volk lebt so manch' üblen Tag mit großer Plage und muss doch all das erarbeiten, was die Welt braucht. Ihm selbst wird davon wenig zuteil. Sie haben nicht viel besseres zu essen als ihre Schweine. Die Landleute führen ein hartes Leben. Sie müssen das Feld beackern, säen, ernten und die Frucht in die Scheunen bringen. Bauer zu sein ist kein Honigschlecken. Wasser und geronnene Milch sind ihre Getränke, Brot und Haferbrei ihre Speisen."







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