Marsähnliche Oberfläche

Unerforschte Region im Dreiländereck

Nach gelungener Durchquerung der Mourdi-Senke am Westrand nähert sich die Expedition um Stefan Kröpelin der letzten unerforschten Region im Dreiländereck Libyen, Sudan, Tschad.

Wo sie eine Auffahrt auf das Plateau finden können, wissen sie noch nicht. Hitzewabernde Luftschichten lassen die ersten Eindrücke vom ersehnten Neuland verschwimmen. Bereits in den Ausläufern des Erdi Ma kann es keiner mehr erwarten, erste Erkundungsgänge zu unternehmen.

Prähistorische Spuren

Obgleich Schriftsteller Raoul Schrott seit Jahren zum philosophischen Blick auf den Wüstenraum neigt, packt ihn auf diesem unbekanntem Territorium der Forscherdrang. Entsprechend groß ist seine Freude, als Erster prähistorische Spuren aufzufinden. Die stark stilisierten Felsbilder an Vorsprüngen und Überhängen stellen Rinder und Giraffen dar, die fünf bis siebentausend Jahre alt sein dürften. Relikte aus der Jungsteinzeit. Es gilt herauszufinden, welche Rolle diese nordöstlichste Ecke des Tschad während der letzten zwölftausend Jahre spielte.

Vorstoß in eine Welt, die so wirkt, als sei man auf dem Mars gelandet. Nur mit viel Lenkakrobatik lassen sich die drohenden Abgründe mit den Geländewagen immer wieder umfahren. Stundenlang suchen sie einen Weg auf und durch das zerklüftete Plateau. Immer neue Steilstufen, Tiefen, ausgeschwemmte Einschnitte, bis es mit dem Auto nicht mehr weitergeht.

Riesige Zisterne

Das Team um Stefan Kröpelin begibt sich auf die Suche nach der einzigen, 1923 von Hassanein Bey dokumentierten Wasserstelle. Jeder hofft, dass sie wenigstens noch Reste finden, irgendwo - geschützt in einer tiefen Schlucht. Enge Täler, riesige Berge von Geröll und sengende Sonne erschweren die Erkundungsgänge. Der Blick fällt auf steile, gerundete Wände, die zu einer riesigen Zisterne zu gehören scheinen. Zirka 2000 Jahre alte Kamelzeichnungen tauchen auf. Alles deutet darauf hin, dass hier tatsächlich der gesuchte Ort liegt. Der tiefe Trichter muss einst viel Wasser geführt haben, aber die Guelta ist schon lange restlos ausgetrocknet.

Die Forscher schließen daraus, dass das Dreiländereck - anders als erwartet - eine extrem lebensfeindliche Gegend war. Viele Fragen warten auf Antworten. Könnte es hier nicht doch ein ähnliches Paradies wie das Ennedi geben, einen kleinen Garten Eden? Wird man Siedlungsreste, alte Lagerstätten oder Meteoriten finden? Erschöpft nimmt jeder seine Gedanken mit in die erste Nacht im Niemandsland. Vor den Forschern liegt noch enorme geologische und archäologische Geländearbeit.

Wie auf dem Mars

Am Morgen schweift der Blick über eine Oberflächenstruktur, wie sie auf dem Mars zu finden ist. Dieser Anblick verschlägt den Atem, vor allem deshalb, weil er die Faszination des Augenblicks der Entdeckung in sich trägt. So weit das Auge reicht, erstreckt sich ein riesiges Neuland, ein Meer von verwitterten geheimnisvollen Zeugenbergen.

Vergangenheit und Zukunft

Obwohl das Terrain menschenleer wirkt, muss die Crew ihr Lager gut verstecken. Gerüchte über Räuber und Rebellen im Erdi sitzen ihnen doch in den Hinterköpfen. Gefahren lauern hier zweifellos, nur andere: in der Nähe plötzlich Spuren einer Schlange. Von einigen noch unbemerkt: eine giftige Sandzischnatter, die bestenfalls mal einen Zugvogel fängt. Mensch und Reptil wahren bewusst oder unbewusst sicheren Abstand.


Im "Herz der Leere" treffen sich tiefste Vergangenheit und fernste Zukunft. Wenn eines noch fernen Tages die Sonne apokalyptisch alles Leben versengt, alles Wasser zerstrahlt, dann wird die Erde so wie ihre Nachbarplaneten Merkur, Venus, Mars und Mond aussehen - bis ans Ende aller Zeiten.

Eine unglaubliche Vorstellung. Das Expeditionsteam wirbelt elf bis sechstausend Jahre alte Seekreide auf und schickt sie auf die Reise nach Südamerika. Lassen sich hier am Ende der Welt eventuell sogar Relikte menschlicher Behausungen finden? Es gibt Hinweise, dass dieses riesige Gebiet viel spärlicher besiedelt war als die meisten anderen Teile der Sahara, das ist eine wichtige Erkenntnis, was die alten Wanderbewegungen betrifft. Dieses Gebiet war eher eine Barrierezone als ein Durchgangsland.

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