Maya-Pionier Teobert Maler

Ein deutscher Fotograf auf Spurensuche

Ein Schleier aus schier unlösbaren Rätseln umgibt für lange Zeit die verwunschene Tropenwelt Mittelamerikas. Ein ganzes Jahrhundert lang befahren Wissenschaftler, Forschungsreisende und Abenteurer im zerbrechlichen Kanu reißende Dschungelflüsse und kämpfen sich zu Fuß durch den Busch. Ihr Ziel: Das Geheimnis des versunkenen Maya-Reiches zu lüften.

Einer dieser Pioniere ist der Fotograf Teobert Maler. Im Jahr 1884 bricht der 43jährige Deutsche auf, um den großen Urwald zu erforschen. Die monatelangen Expeditionen führen ihn durch damals kaum erschlossene Gebiete - auch an den Fluss Usumacinta, der die Grenze zwischen Mexiko und Guatemala bildet.

Verborgene Antworten

Sintflutartige Unwetter in der Regenzeit hindern den Entdecker nicht an seinen Unternehmungen. Die Spuren der Vergangenheit sind überwuchert von einer unbezähmbaren tropischen Vegetation. Hier verbergen sich die Antworten auf seine Fragen: Warum ist die Maya-Kultur untergegangen? Was ist hier einst geschehen? Auf umgestürzten Denkmälern erkennt er seltsame Zeichen: Bilder einer geheimnisvollen Schrift.




Kein Urwald ist zu dicht, kein Weg zu gefährlich, um sich nicht in Begleitung indianischer Waldläufer zu noch unentdeckten Ruinen durchzuschlagen. Mit rastloser Ausdauer und Entschlossenheit verfolgt Teobert Maler seine selbst gestellte Lebensaufgabe: Das Geheimnis der versunkenen Maya-Welt zu lüften. Es dauert oft Tage, bis seine Leute mit dem Buschmesser die Mauerreste eines Gebäudes freigelegt haben. Dann heißt es, geduldig auf den richtigen Sonnenstand zu warten, um optimale Belichtungsverhältnisse zu haben. Ein Trupp Soldaten soll den Fotografen beschützen - doch für Maler sind sie nur ein geeigneter Maßstab, um die Größenverhältnisse des Motivs darzustellen.

Unsichtbare Grenzen

Jahrzehntelang durchstreift Maler ein riesiges Gebiet, dessen weiße Flecken nur langsam von der Landkarte verschwinden. Er überschreitet die unsichtbare Grenze nach Guatemala und dringt immer weiter in den Dschungel des Petén vor - ständig bedroht von Raubtieren und Tropenkrankheiten. Dort lag einst das blühende Kernland der Maya-Kultur. Von seinen Begleitern lernt Maler die Geheimnisse des Urwaldes kennen. Überall sind hier uralte Bauwerke verborgen.



Dann erreicht der Trupp endlich die verwunschenen Ruinen von Tikal. In verborgenen Kammern auf den Pyramidenspitzen fanden einst geheimnisvolle Zeremonien mit Drogen und Blutopfern statt. Mit den Ritualen wollte man den Göttern nahe kommen. Das urbane Zentrum Tikals umfasste fünf gigantische Tempelkomplexe und drei Palastanlagen. Ein Netzwerk aus Rampen und Straßen führte zu den öffentlichen Plätzen - einst lebten 70.000 Menschen in der Stadt. Künstlich angelegte Reservoirs füllten sich während der Regenzeit und gewährleisteten die Versorgung mit Trinkwasser.

Leben mit dem Kalender

Das öffentliche Leben der Maya wurde vom Kalender bestimmt. Die Könige errichteten Gedenksteine mit den Daten der für sie wichtigen Ereignisse wie Geburtstag und Thronbesteigung. Eine Stele zeigt einen Herrscher, wie ihn das Volk beim Ritualtanz auf der Pyramidenspitze beobachten konnte: Der Halsschmuck besteht aus Jadekugeln. Als Kopfschmuck trägt er eine enorme Göttermaske, die mit Federn des Quetzal-Vogels bekrönt ist.





Teobert Maler wohnt in einer guterhaltenen Ruine, die später den Namen "Maler's Palace" erhält. In den Wandstuck am Eingang hat er seinen Namenszug und das Besuchsdatum geritzt: 1889 und 1904. Der Forscher arbeitet wie besessen. Er macht nicht nur Fotos, sondern vermisst und zeichnet unermüdlich: Gebäude, Pyramiden und Skulpturen. Dabei ist ihm das Architekturstudium nützlich. Je mehr Bauwerke er freilegen lässt, umso größer wird seine Bewunderung für die Konstrukteure, die das alles ohne Kenntnis von Statik, ohne Zugtiere und Nutzung des Rades schufen.

Ekstatische Tänze



Wie mag es in Uxmal ausgesehen haben, als das Volk atemlos die Zeremonien der Herrscher auf der Pyramide beobachtete - unter ohrenbetäubenden Klängen der Pauken und Muschelhörner und eingehüllt in dichte Weihrauchschwaden? Als vor 1500 Jahren Fürsten und Priester in prächtige Kleider gehüllt und mit Federschmuck bekrönt sich auf dem Palasthof versammelten - um mit ekstatischen Tänzen die heiligen Kalenderdaten feierlich zu begehen.

Die komplizierte Konstruktion der Palastfassaden ist eine Meisterleistung der indianischen Ingenieure. Doch als Teoberto Maler nach Mexiko kommt, sind nur wenige der verschollenen Ruinen wiederentdeckt. Die Indios verbergen gezielt die Spuren ihrer Vorfahren.

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