Mazepas Kosakenschloss

Residenzstadt nach westlichem Vorbild

Der Archäologe Wolodimir Kowalenko leitet eine der aufregendsten Ausgrabungen in der Ukraine. Nordöstlich von Kiew, an der alten Straße nach Moskau, liegt Baturin. Hier ließ sich der umstrittene Kosaken-Hetman Mazepa eine prächtige Residenz bauen.

Tief in den Wäldern Baturins liegen die Reste des ehemaligen Kosaken-Schlosses verborgen. Erst drei Meter unter dem heutigen Bodenniveau stoßen Kowalenkos Studenten auf Steinfundamente. Ein Plan verdeutlicht die gewaltigen Ausmaße der Residenzstadt, die Mazepa nach westlichem Vorbild anlegen und luxuriös ausstatten ließ. Doch warum ist so wenig erhalten?

Exempel zur Abschreckung

Zahlreiche Funde konnten die ukrainischen Archäologen bereits bergen. Sie zeigen, dass der legendäre Kosakenheld westlichen Luxus liebte: Ein Pfeifenköpfchen aus Majolika in Stiefelform. Vermutlich aus Bayern stammt ein Pfeifenkopf mit ländlichen Wirtshausmotiven. Wandfliesen, die französischen Wein verherrlichen, statt den heimischen Schlehen-Wodka. Und das alles in einem Palast aus Stein, inmitten der Sümpfe von Baturin. Eine offene Provokation für den Zaren, der in den Kosaken nur seine Vasallen sah.

Einst war Mazepa, der Kosakenführer vom Dnjepr, Peter dem Großen ergeben. Doch 1708 verbündete er sich im Nordischen Krieg mit den Schweden und stellte sich gegen den Zaren. Nachdem Mazepa die Seiten gewechselt hatte, wollte Zar Peter ein Exempel statuieren, zur Abschreckung, jemals dem Beispiel des Hetmans zu folgen.

Die Rache Peters des Großen

Bei einem Sondierungsschnitt stoßen die Ausgräber auf Knochen. Sie liegen seltsamerweise auf einem Mauerfundament. Der Leitungsgraben des örtlichen Gasversorgers bietet dabei höchst willkommene Einblicke. Wie zum Beispiel der Fund eines alten Feuersteins zeigt. Das unscheinbare Stück ist ein Hinweis auf die Ereignisse in Baturin vor 300 Jahren. Der Flintstein gehörte zu einem russischen Steinschlossgewehr. Als die Kosakenstreitmacht weit entfernt war, stürmten russische Truppen Mazepas Residenz. Die Rache Peter des Großen.


Kowalenko will herausfinden, was sich genau im Jahre 1709 beim Angriff auf Baturin abgespielt hat. Immer wieder stoßen seine Mitarbeiter auf menschliche Knochen, die Skelette geköpfter Kinder schockieren die meist jungen Ausgräber. Die "Killing Fields" von Baturin berichten von einem Massaker an der Zivilbevölkerung. Das abtrünnige Kosakenheer kam zu spät, um die Familien zu retten. Auf brennenden Flößen wurden die Leichen flussabwärts geschickt. Als grausame Warnung des Zaren:

Wissenschaftlich belegt

Geschichte schreiben immer die Sieger. Jetzt konnte die neue Ausgrabung den Überfall auf Baturin, den tausendfachen Tod unschuldiger Frauen und Kinder wissenschaftlich belegen.

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