Medici-Mord auf Papstbefehl?

Nach dem Attentat kommt es in Florenz zu einem Massaker

In der Kathedrale von Florenz überschlagen sich am 26. April 1478 die Ereignisse. Tausende Gläubige harren der Messe, die zum Schauplatz einer Fehde zwischen dem Papst und den Medici wird. Als die heimlichen Herrscher von Florenz zum Gottesdienst eintreffen, liegt eine unerklärliche Spannung in der Luft. Niemand ahnt, dass es mitten in der Messe zu einem Attentat kommen wird.

Attentat auf die Medicis Quelle: ZDF

Aus Sicherheitsgründen zeigen sich Lorenzo und Giuliano di Medici nur selten gemeinsam der Öffentlichkeit, doch begleitet von einer päpstlichen Delegation fühlen sich die reichen und mächtigen Medici-Brüder unter dem Schutz Gottes. An diesem heiligen Morgen hat keiner der beiden unter den kostbaren Gewändern einen Brustharnisch angelegt. Als der Priester die Hostie erhebt, schlagen die Verschwörer zu.

Die Medici-Brüder Lorenzo und Giuliano Quelle: ZDF

Fanal einer Epoche

Mit einem Putsch wollen die Verschwörer die Macht in der Stadt übernehmen. Doch der Versuch scheitert - der 29-jährige Lorenzo di Medici überlebt das Attentat, Giuliano stirbt in der Kathedrale, gemeuchelt mit 19 Messerstichen. Als Auftraggeber gerät der Papst in Rom in Verdacht. Der Mord vor dem Altar, dem Allerheiligsten, ist für die tiefgläubigen Menschen des 15. Jahrhunderts ein unerhörtes Sakrileg

- ein Schock. Fanal einer Epoche, in der Glanz und Abgründe eng beieinander liegen: der Renaissance. War das der Tiefpunkt, war alles verloren gegangen, was den Menschen einst heilig war?

Codierter Brief Quelle: ZDF

In Urbino macht sich der Historiker Marcello Simonetta auf die Suche nach Spuren im Mordfall Medici. In der Stadt leben Nachfahren des einflussreichen Feldherrn, die Briefe aus dessen Besitz geerbt haben. Simonetta ist der erste Wissenschaftler, der sich für die Korrespondenz des Herzogs interessiert. Er entdeckt einen codierten Brief, den er zunächst nicht entziffern kann. Der Brief ist vom 14. Februar 1478, nur zwei Monate vor dem Attentat auf die Medici. Die Unterschrift verrät den Verfasser: Federico de Montefeltro. Adressiert ist der Brief an seine Gesandten in Rom.



Konspiratives Treffen

Als Drahtzieher des Komplotts hat Leonardo di Medici sofort den Papst in Verdacht. Er sei der größte Mörder auf Erden, der Statthalter des Teufels. Der Zuhälter, der die ganze Kirche prostituiert. Drastische Worte - so hatte bisher noch niemand gewagt, den Stellvertreter Christi zu beschimpfen. Medici schwört Rache, mobilisiert seine Truppen und lässt die Täter verhaften. Einem der Verschwörer, dem Grafen von Montesecco, entlockt er ein Geständnis. Ans Licht kommen Details eines konspirativen Treffens im Vatikan, bei dem auch Sixtus anwesend war. "Ich will, dass Lorenzo die Regierungsgewalt aus den Händen genommen wird. Nur müsse es ohne Blutvergießen geschehen", soll der Heilige Vater gesagt haben. Doch hat der Papst auch den Mord in Auftrag gegeben?

Konspiratives Treffen mit Sixtus IV. und weiteren hohen Kirchenvertretern Quelle: ZDF

Der codierte Brief des Herzogs von Urbino könnte die Lösung bringen. Er sieht zunächst aneinander gereihte Zeichen, die keinen Sinn ergeben. Bis Simonetta eine auffällige Sequenz von Symbolen findet, die sich wiederholt, und die er entziffern kann: LA SUA SANTITA lautet das Codewort: Seine Heiligkeit. Das ist der Schlüssel, mit dem Simonetta rekonstruieren kann, was der mächtige Feldherr dem Papst zu sagen hatte. Die Sprache des Briefes ist extrem kalt. Es ist die Sprache eines Soldaten, der seinem Boss berichtet. Am Ende erinnert Federico den Papst an das Geld, das Sixtus ihm schuldet. Es ist für beide nichts anderes als ein Geschäft.

Bezahlter Putsch

Der Brief offenbart, wie der Papst gemeinsam mit Federico de Montefeltro, dem treuen Freund der Medici, die Verschwörung plante. Der Herzog stellt dem Papst sein Söldnerheer für den Putsch in Florenz zur Verfügung. Selbst den Lohn für das riskante Unternehmen handelt "seine Heiligkeit" mit dem Feldherrn aus. Sixtus verlieh ihm den Herzogtitel, auch für nachfolgende Generationen. Federico lässt sich kaufen und verrät die Medici. Glaubte Sixtus wirklich, das alles könne ohne Blutvergießen geschehen?

Nach dem Attentat kommt es in Florenz zu einem Massaker. Die Leichen der Mörder werden vom Mob durch die Straßen gezerrt und zerstückelt. Allein am Tag des Anschlags werden knapp 100 Gefangene rachsüchtig abgeschlachtet. Der geständige Graf von Montesecco wird noch am Tag des Verhörs enthauptet. Der Erzbischof von Pisa, der in das Komplott verwickelt war, wird am Fensterkreuz eines Florentiner Palastes gehenkt. Die Hinrichtung des hohen Kirchenmanns ist in den Augen des Papstes ein unglaublicher Frevel. Sixtus exkommuniziert die Medici und verspricht allen, die gegen Florenz zu den Waffen greifen, einen vollkommenen Ablass der Sünden.

Der Erzbischof von Pisa wird gehängt Quelle: ZDF

Regelrechte Medienkampagne

Die Leiche eines Erzbischofs am Fenstersims des Gerichtshofs ist eine weitere Stufe der Gewalt und soll der Abschreckung dienen. Nie wieder sollte jemand wagen, die Medici anzugreifen. Damit auch wirklich alle Bürger diese Lektion lernen, wird eine regelrechte Medienkampagne gestartet. Von den gelynchten Opfern werden drastische Propaganda-Bilder angefertigt. Und die haben die Medici nicht von irgendwelchen Malern machen lassen - sondern dafür waren die Besten der Besten gerade gut genug: eine berühmte Skizze des gehängten Mörders Bandini hat kein geringerer als der große Leonardo da Vinci gezeichnet.

Eine Zeichnung des Medici-Mörders Bandini Quelle: ZDF

Der Krieg mit den Medici sollte noch bis 1480 dauern. In all den Jahren, in denen Sixtus in politische Intrigen und weitere Kriege um Territorien verwickelt ist, baut er in Rom weiter an seiner Caput Mundi, Hauptstadt der Welt. Am Jahrestag seiner Wahl, am 9. August 1483, feiert Sixtus IV. in der Sixtinischen Kapelle den ersten Gottesdienst. 1484 stirbt er an Fieber und Schwäche.

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