Megacity aus der Retorte

Komplexe Stadtplanung

Die Anfänge Alexandrias liegen mitten im Meer - auf einer kleinen Felseninsel vor der Küste - Nelson Island. War die Insel auch eine Art Planungsbüro für die Stadt, die auf dem benachbarten Festland in die Höhe wuchs?

Der Archäologe Paolo Gallo hat nach jahrelangem Kampf mit den Behörden erreicht, dass er als erster die karge Insel mitten in einem militärischen Sperrgebiet erforschen durfte.

Nur kurze Zeit besiedelt

Zur großen Überraschung Gallos wurde der Stützpunkt kurz nach der Gründung Alexandrias verlassen - und die Insel seither nicht besiedelt. Dicht unter der Oberfläche tauchen die Grundmauern eines größeren Baus auf. Stand hier ein Tempel, ein Leuchtturm, oder eine militärische Anlage?

Durch Zufall entdeckten die Archäologen an der Steilküste auch den Eingang zu einem unterirdischen Stollen, Teil einer antiken Zisterne. Im 17. Jahrhundert suchten hier Seefahrer aus dem Gefolge Admiral Nelsons Zuflucht. Professor Gallo glaubt inzwischen zu wissen, warum diese Insel trotz ihrer besonderen Lage unbesiedelt blieb.


Zentrale Verkehrsachsen

Das alte Alexandria war eine Stadt aus der Retorte: Wie komplex die antiken Bauingenieure planten, zeigen neue Grabungen. Schon in der Planungsphase berücksichtigten die Baumeister die zukünftige Besiedelung und entwarfen ein rechtwinkliges Straßennetz, das auch hohe Verkehrsaufkommen bewältigen konnte. Die beiden zentralen Verkehrsachsen des modernen Alexandria gehen auf die Gründungszeit zurück - unverändert in den Dimensionen seit über zweitausend Jahren.

Meisterwerk der Planung

Ein Ort in der Nähe des antiken Palastbezirks ist seit Gründung der Stadt durchgehend bewohnt, eine eindeutige Abfolge der Epochen nur schwer zu erkennen. Und doch stießen die Archäologen hier auf Fundstücke, welche die Weitsicht der griechischen Stadtplaner unter Beweis stellen: Zisternen - und vor allem Wasserleitungen. Funde zeigen, auf welch fortschrittliche Weise die Ingenieure Alexandrias das Problem einer Stadt ohne eigene Quellen lösten.


Für die neue Metropole bauten sie als erstes ein Wasserleitungsnetz aus vorgefertigten Tonröhren. Wie bei modernen Leitungen passen auch die antiken Rohre durch konische Endstücke genau ineinander. Massenfabrikation. Zehntausende solcher Rohre müssen im Untergrund Alexandrias verlegt worden sein - und zwar bevor mit dem Straßenbau begonnen wurde. Die gesamte Infrastruktur, der Verlauf der Straßen und Wege, und die Lage der Gebäude muss von Anfang an im Detail festgestanden haben - ein Meisterwerk der Planung.

Das Wasser für Alexandria kam über Kanäle aus dem Nil. Bis heute ist die ebenso geniale wie einfache Technik der antiken Wasserbauer im Hinterland Alexandrias erhalten geblieben. Vom Wasser selbst angetrieben, befördern Wasserräder das wertvolle Nass in Hohlräumen nach oben, wo es dann in Kanälen weiter fließt.

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