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Meister der Navigation

Wenn Meeresströme und Flügelschlag den Weg weisen

Die Polynesier gelten als die wohl besten Seefahrer der Vorzeit. Für ihren bahnbrechenden Erfolg auf See waren zwei Dinge maßgeblich: Zum einen ihre hochseetauglichen Boote und zum anderen ihre fundierten Navigationskenntnisse. Über tausende von Kilometern gelang ihnen eine präzise Orientierung. Wie war dies ohne GPS, ohne Kompass und ohne Karten möglich?

Navigation mit Sternenhimmel
Navigation mit Sternenhimmel

Das Geheimnis ihrer Navigationskunst lag in der Beobachtung der Sterne, der Meeresströmungen und des Tierverhaltens. Bedeutend war dabei nicht ihr Standort, sondern vielmehr Start und Ziel der Segler. Über Jahrhunderte hatten die Polynesier Kenntnisse über die Auf- und Untergangspunkte der Sterne gesammelt. War das Ziel nun bekannt, dann suchte sich der Navigator Sterne aus, von denen er wusste, dass diese über der Zielinsel auf- oder untergehen. Hilfreich erwies sich hier auch die Orientierung daran, welcher Stern direkt im Zenit über der anzusteuernden Insel stand.

Naturnavigation

Sternennavigation der Polynesier (Animation)
Sternennavigation der Polynesier (Animation)

Die Polynesier waren allerdings nicht nur mit den Gestirnen vertraut, auch anhand bestimmter Veränderungen in der Natur konnten sie sich im offenen Ozean orientieren. Entscheidend waren Beobachtungen der Wellen, der Farbe und Temperatur des Wasser und der Tiere.
Eigens gefertigte Stabkarten aus Zweigen und Blättern dokumentierten Ozeanströmungen und Winde, die Flugrichtung von Vögeln und den Wellengang. Ein streng geheimes Wissen, das nur innerhalb eines kleinen Kreises von Generation zu Generation weitergegeben wurde.

So wussten die polynesischen Navigatoren um die Tatsache, dass Strom und Passatwind vor einer Insel einen Rückschwell erzeugen, der in bestimmten Richtungen gewisse Wellenstrukturen verursacht. Dadurch konnten sie erkennen, wo eine Insel liegen muss - und zwar anhand von bis zu 30 Seemeilen entfernten Wellenformationen.

Verhaltensweisen der Tiere

Fischschwärme, Seeschildkröten oder Wale zeigten den Polynesiern, wo sie sich innerhalb des Ozeans befanden, denn mit den Verhaltensweisen einheimischer Tiere waren sie bestens vertraut. Die Strömungsrichtung erkannten die Pioniere der Pazifikbesiedlung dabei an Fliegenden Fischen, die immer gegen den Strom ins Wasser tauchen. Ein sicherer Richtungsweiser war ihnen auch der Vogelflug. Lange bevor auch nur die Spur einer Insel zu sehen war, verriet dieser den polynesischen Seefahrern die Nähe von Land. Durch ihre genauen Beobachtungen wussten die Polynesier schließlich, dass Seevögel in der Dämmerung zielstrebig ihre Heimatinsel ansteuern.

Bevor die frühen Seefahrer auszogen, um neue Eilande zu entdecken, beobachteten sie jede Veränderung der Wettersituation besonders genau, denn große Fahrten wurden nur in sturmfreien Zeiten angetreten. "Flimmerte" der Himmel - ein Phänomen, das durch Cirrus-Wolken bewirkt wird - dann wussten die Polynesier, dass eine Windveränderung anstand. Sie richteten ihren Blick allerdings nicht nur in den Himmel, um das Wetter zu prognostizieren: Tierverhalten gab ihnen auch hier wieder Aufschluss über die zu erwartenden Wetterbedingungen. Hatten Krebse den ausgeschaufelten Sand nur angehäuft ohne das Eingangsloch zu verschließen, bedeutete das nahenden Starkwind und Regen.

Bootsbaukunst

Nicht nur in Sachen Navigation waren die Polynesier innovativ und äußerst erfinderisch. Bei ihrer Auswanderung verwendeten sie einen neuen Schiffstyp, den sie über 1000 Jahre lang immer wieder verbessert und weiterentwickelt hatten: das Doppelrumpfboot. Ursprünglich aus einem einzigen Baumstamm gefertigt, fügten die Bootsbauer einen Ausleger hinzu, um für mehr Stabilität zu sorgen. Das sogenannte Krebsscherensegel verlieh den Doppelrumpfbooten durch seine Dreiecksform einen stärkeren Auftrieb. Zur Lenkung wurden außenliegende Steuerpaddel angebracht.

Mit einer Länge von bis zu 30 Metern eigneten sich die Boote vortrefflich für die Seefahrten der Polynesier, da sie ausreichend Platz für Vorräte boten. Darunter befanden sich oftmals Kokosnüsse, die feste und flüssige Nahrung lieferten, getrocknete Pandanus-Früchte und fermentierte Brotfrucht. Auf den Plattformen der Boote gab es sogar die Möglichkeit Hütten aufzustellen, die das Feuer vor Gischt und Regen schützen sollten. Bis zu 100 Menschen legten so rund 200 Kilometer am Tag zurück, um zu neuen Inseln aufzubrechen und diese zu besiedeln.

Ausdehnung

Polynesisches Dreieck (Animation)
Polynesisches Dreieck (Animation)

Im Jahr 1000 nach Christus soll die Ausdehnung der Polynesier mit dem Erreichen Neuseelands geendet haben. Eine genaue Datierung ist aufgrund fehlender Schriftzeugnisse kaum möglich. Bis zu diesem Zeitpunkt sollen die polynesischen Seefahrer ein Gebiet erschlossen haben, das von den Philippinen und Papua-Neuguinea über die Salomonen und die Fidschi-Inseln reichte und bis an die Osterinsel grenzte. Ohne ihre exzellenten Navigations- und Bootsbaukenntnisse hätten die polynesischen Seefahrer wohl kaum ein solches Areal ergründen können - und das lange bevor die Europäer im 16. Jahrhundert die Weiten des Pazifiks entdeckten.

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